Ärger in Angoulême

Seit 1974 wird auf dem Comic-Festival im französischen Angoulême der Grand Prix de la Ville d’Angoulême verliehen, der das Lebenswerk eines Comic-Künstlers würdigt. Zu den bisherigen Preisträgern zählen u. a. André Franquin, Will Eisner, Jijé, Moebius, Tardi, Hugo Pratt, Morris, Robert Crumb, Albert Uderzo, Loisel, Zep, Lewis Trondheim, Art Spiegelman, Bill Watterson und Katsuhiro Otomo. Dieses Jahr findet das Festival vom 28. bis 31. Januar statt, und natürlich gibt es wieder einen Preis für ein herausragendes Comic-Lebenswerk.

Gerade wurde die Nominierungsliste für den diesjährigen Grand Prix veröffentlicht, und darauf finden sich Namen wie Brian Michael Bendis, Charles Burns, Richard Corben, Cosey, Hermann, Frank Miller, Jiro Taniguchi, Stan Lee, Chris Ware, Jean Van Hamme oder Alan Moore. Einige Kandidaten sind aussichtsreicher als andere, da man bei Moore z. B. weiß, dass er den Preis wohl ablehnen würde, da er kein Interesse hat, der mit dem Preis einhergehenden Verpflichtung nachzukommen, im Jahr darauf als Festival-Präsident zu fungieren.

Heute traten außerdem Riad Sattouf („Der Araber von Morgen“) und in der Folge seines kritischen Facebook-Postings noch Joann Sfar („Die Katze des Rabbiners“) und Daniel Clowes („Wilson“) von ihren Nominierungen zurück – weil keine einzige Frau unter den Nominierten ist. In den sozialen Netzwerken werden andere Nominierte nun von Nutzern direkt gefragt, ja wenn nicht sogar bedrängt, ob sie sich ebenfalls am Boykott beteiligen.

Ganz schön viel Rummel um den wichtigen Preis, bei dem es seit jeher eine männliche Dominanz zu verzeichnen gibt. Wenn man sich die aktuelle Liste anschaut, wäre es aber auch schwierig, genug Künstlerinnen auf Augenhöhe zu Lee, Corben, Miller, Taniguchi oder Bendis zu finden, damit die ein oder zwei weiblichen Kandidatinnen nicht wie ‚Quoten-Mädels’ aussähen – und dafür wären eine Marjane Satrapi oder eine Rumiko Takahashi wirklich zu schade.

Update: In den letzten Stunden haben auch Chris Ware, Charles Burns, Milo Manara, Pierre Christin, Etienne Davodeau, Christophe Blain und Brian Michael Bendis ihre Nominierung abgelehnt.