Grand Prix in Angoulême – eine unendliche Geschichte

„Jetzt aber!“, könnte man seufzend und leicht angenervt sagen. Nach all dem peinlichen Gezerre rund um die Nominierungen für den „Grand Prix“ des Comic-Fesivals in Angoulême, bei dem sich so ziemlich alle daran Beteiligten wunderbar selbst ins Knie geschossen haben, hat sich laut Actua BD der Belgier Hermann (Huppen) wohl von seinem Kumpel François Boucq breitschlagen lassen, den Preis anzunehmen. Genießen wir es mit gebotener Vorsicht, aber es könnte die unwürdige Angelegenheit wenigstens beenden.

Über jeden Zweifel erhaben ist auf jeden Fall Hermanns Lebensleistung. Da braucht man nicht viele Worte machen, sondern einfach die Titel seiner großen Serien nennen: Andy Morgan, Comanche, Jeremiah, Die Türme von Bos-Maury. Und dazu viele Einzelalben, darunter einige herausragende. Und wo andere seiner Kollegen mit den Jahren ihren Output heruntergeschraubt haben, da produziert der kantige, politisch unbequeme Mann bis auf den heutigen Tag mindestens zwei Alben pro Jahr, da kann kommen, was will. Hermann ist ein Besessener, ein Comickünstler, der einfach nicht anders kann.

Begeistert wird Hermann allerdings nicht sein, zumal er schon öfter dankend abgelehnt hat. Damit positionierte er sich klar außerhalb der „Szene“. Als jemand, der lieber sein eigenes Ding macht und auf die Meinung anderer pfeift. Könnte interessant sein, was er bei der Preisverleihung sagt – falls es denn wirklich so kommt. Kann ja morgen schon wieder alles ganz anders sein.