Längst eine Institution – das Comic Jahrbuch

309859-20160930125030Alle Jahre wieder kommt das Comic Jahrbuch. Herausgegeben vom ICOM, dem Interessenverband Comic e.V., blickt man mit dieser Ausgabe zum bereits 17. Mal auf ein Comicjahr in Deutschland zurück. Man kann also längst von einer Institution sprechen.

Dass die Qualität der Beiträge schwankt, liegt in der Natur der Sache. In Kombination mit dem mittlerweile nur noch zweijährlich erscheinenden Comic Report ist das Jahrbuch dennoch unverzichtbar. Denn sein Schwerpunkt liegt zwar auch, aber nicht einzig auf dem Marktgeschehen. Man will zugleich auch die Arbeit des ICOM fördern, der bspw. jährlich wechselnd auf dem Comic Salon Erlangen und dem Münchner Comicfestival einen Independent-Preis vergibt. Und so werden sämtliche PreisträgerInnen in jedem Jahrbuch mit Interviews und Beiträgen gewürdigt. Abseits der üblichen Jubiläen und Ereignisse ist dies eine hervorragende Möglichkeit, KünstlerInnen und Werke zu entdecken, die im eingefahrenen Turnus der obligatorischen Jahresrückblicke gerne vergessen werden. Sehr lesenswert sind u.a. die Gespräche mit Lukas Kummer (der mit dem verstörenden Historiencomic „Die Verwerfung“ ein exzellentes Debüt vorgelegt hat; hier unser Buchtipp), der Jaja-Verlagsgründerin Annette Köhn oder dreimalalles.info-Herausgeber Christian Maiwald.

Nicht nur lesenswert, sondern teilweise ob ihrer Akribie hierzulande gar einmalig sind die Analysen des niederländischen, US-amerikanischen und japanischen Comicmarktes. Außerdem werden die diesjährigen Bocola- und Splitter-Verlagsjubiläen berücksichtigt, Veranstaltungen wie der Comic-Salon Erlangen und die Comiciade in Aachen rekapituliert sowie diverse Comic-KünstlerInnen im Atelier besucht.
Ein wenig irritierend: Im Gegensatz zur Vorgängerausgabe, die eine ganze Themensektion Charlie Hebdo widmete, findet Politik diesmal praktisch nicht statt. Ob sich der rasant voranschreitende Rechtsruck auch in einer zunehmenden Öffnung der Comicszene gegenüber gesellschaftskritischen Fragen niederschlagen wird, mag womöglich das Folgejahr indizieren.

Hier findet sich das Inhaltsverzeichnis.

ICOM/Burkhard Ihme (Hg.): Comic Jahrbuch 2017. ICOM, Stuttgart 2016. 224 Seiten. 15,25 Euro