die neunte • Comic-Presseschau

 

Liebe Leser,

hier kommt wieder der (zuletzt nicht ganz so) tägliche Überblick von „die neunte“ mit aktuellen Links aus Presse, Funk und Web – heute vom 17. Februar 2019 mit drei Schwerpunkten zum Film „Alita: Battle Angel“, „Glass“, dem Tod von Tomi Ungerer sowie noch einmal Jason Lutes‘ „Berlin“.


IM FOKUS: ALITA – BATTLE ANGEL

Seit gestern läuft in den Kino der Film „Alita: Battle Angel“ (ar, ca, us, 2019) von Regisseur Robert Rodriguez, der auf der (fast) gleichnamigen Manga-Serie von Yukito Kishiro basiert, die aufgrund des Filmstarts auch wieder in den Fokus rückt 

05.02.2019 • DLF Nova – Eine Stunde Film:
„ALITA: BATTLE ANGEL“ TALK MIT CHRISTOPH WALTZ UND ROBERT RODRIGUEZ • Sendung ins. 36 min • Moderation: Tom Westerholt • Tom Westerholt spricht mit Hauptdarsteller Christoph Waltz (Inglorious Basterds, Djchango Unchained) und Regisseur Robert Rodriguez (Sin City, Death Proof) über dieses Manga-Abenteuer, das an eine Cyber-Space Pinocchio-Version erinnert: Über die Arbeit an diesem massiv CGI- (Computer Generated Images) grundierten Sci-Fi-Blockbuster und welchen großen Einfluss Autor und Produzent James Cameron auf den fertigen Film hatte • http://t1p.de/6syk

08.02.2019 • epd film:
KRITIK ZU BATTLE ANGEL • 300 Wörter • Besprechung von Patrick Seyboth • „(…) Die Geschichte über Körper, Identität sowie – wenn man so will – weibliche Selbst­ermächtigung weist durchaus spannende Aspekte auf. Doch Klischees über Klischees, formelhafte Dialoge und eine zähe Narration verderben den Spaß an dieser 200-Millionen-Dollar-Produktion. Lediglich die Ausstattung, die einen Hang zum Trash der 80er Jahre aufweist, sowie ein paar rasante Action­szenen, jene von ‚Rollerball‘ inspirierten ‚Motorball‘-Spiele, lassen ab und an aufmerken. Abgesehen davon reihen sich Versatzstücke aus Teenieschmonzette und Young-Adult-Dystopie fantasielos aneinander (…)“ • http://t1p.de/ttiv

09.02.2019 • Die Welt:
„ALLE MEINE FILME SIND KOMÖDIEN“ • 1700 Wörter • Interview von Jan Küveler mit dem Filmregisseur Robert Rodriguez • „(…) ich habe das Skript auch von Jim Cameron geerbt. Wir sind seit Ewigkeiten befreundet (…) ich wollte schließlich ‚Battle Angel‘ sehen. Da wartete ich doch schon so lange drauf. ‚Worum geht’s denn da bloß?‘, fragte ich ihn. ‚Ich hab extra nie den Comic gelesen. Du willst das wirklich nie machen?‘ Und er sagte: ‚Ich hab das Skript geschrieben und wollte loslegen, aber dann kam ‚Avatar‘ dazwischen. Willst du dir das vielleicht mal angucken?‘ Und ich sagte: ‚Shit, klar, machst du Witze, ein verlorener Jim-Cameron-Film!‘ Er hat mir dann das Artwork gezeigt und das Mädchen mit den Manga-Augen. ‚Wow‘, dachte ich, ‚er hat eine fotorealistische Manga-Verfilmung geplant!‘ Er macht immer etwas, das es noch nie gab (…)“ • http://t1p.de/33tm

11.02.2019 • Der Tagesspiegel:
KAMPFMASCHINE MIT HERZ • 600 Wörter • Lars von Törne über die Neuauflage des Mangas „Battle Angel Alita“ von Yukito Kishiro bei Carlsen: „(…) Fast 30 Jahre ist es her, dass der Cyberpunk-Science-Fiction-Manga ‚Battle Angel Alita‘ des 1967 geborenen Zeichners Yukito Kishiro unter dem Originaltitel ‚Ganmu‘ in der japanischen Zeitschrift ‚Business Magazine‘ veröffentlicht wurde. Das bedient vor allem jüngere männliche Erwachsene, die Verkaufszahlen des Magazins schnellten daraufhin auf fast 800.000 Exemplare pro Monat (…) Die Serie war in den frühen 90er Jahren neben den kurz zuvor veröffentlichten Science-Fiction-Mangas ‚Ghost in the Shell‘ (der ebenfalls kürzlich verfilmt wurde) oder ‚Appleseed‘ stilprägend und gehörte zum Besten, was japanische Comics dieses Genres zu bieten hatten. Und sie ist größtenteils gut gealtert, wie sich bei der Lektüre der Neuauflage zeigt (…)“ • http://t1p.de/52kp

11.02.2019 • Der Tagesspiegel:
MIT CHRISTOPH WALTZ INS 26. JAHRHUNDERT • 400 Wörter • Maria-Mercedes Hering traf den Schauspieler und das „Alita“-Team • „(…) ’Es ist ein Film über unsere heutige Welt‘, sagte der Schauspieler kürzlich bei einem Berlin-Besuch. Hier warb er für den Donnerstag in den Kinos startenden Film, in dem er den Arzt Doktor Ito spielt. Die Manga-Adaption, so Waltz, sei politisch, psychoanalytisch, ein Abenteuer- und Liebesfilm voller Sentimentalität und Nervenkitzel. Produzent Jon Landau ergänzte, die Geschichte um die Ausnahmekämpferin Alita sei zeitlos, die Themen heute noch aktuell. Der Film solle die Zuschauer dazu inspirieren, sich selbst über die wichtigen Dinge im Leben klarzuwerden und Brücken zueinander zu bauen. Landau hat zusammen mit ‚Avatar‘-Regisseur James Cameron das Projekt produziert (…)“ • http://t1p.de/9cx9

12.02.2019 • Frankfurter Allgemeine Zeitung:
CHROM IM BLUT, LICHT IN DEN FINGERSPITZEN • 2050 Wörter • Besprechung des Films von Dietmar Dath • „(…) Ich will damit nicht sagen, dass ‚Alita: Battle Angel‘ nur ein philosophischer Prophetenfilm ist. Das ist er auch, aber Leute, die bloß unterhalten werden wollen, dürfen Hegel und Jeremia überspringen, um sich an der besten Heldin-verhaut-Ganoven-Quasiwestern-Barprügelei seit ‚Serenity’ (2005) zu erfreuen oder an spektakulär rutschigen Szenen in der ‚Motorball‘-Arena. Die ist der Schauplatz von Wettkämpfen, bei denen mit dreihundert Stundenkilometern um eine vierzig Kilo schwere Kugel von dreißig Zentimetern Durchmesser gerungen wird, was schon bei Kishiro eine Verbeugung vor Norman Jewisons Gladiatorengroteske ‚Rollerball’ (1975) mit James Caan war (…)“ • http://t1p.de/48np

12.02.2019 • Zeit Online:
KOMMT EIN SUPERHELD ZUM ARZT • 1400 Wörter • Besprechung des Films von Oliver Kaever • „(…) Die großen Augen verpassen dem titelgebenden Cyborg mit dem Mädchengesicht das Antlitz einer Mangafigur. Das passt, denn ‚Alita‘ basiert auf der japanischen Comic-Reihe ‚Battle Angel Alita‘, die von 1991 an erschien. Darin erwacht ein weiblicher Cyborg ohne Erinnerungen in einer postapokalyptischen Welt, geht auf die Suche nach seiner Vergangenheit und entdeckt, dass er über außerordentliche Kräfte verfügt. Ein Stoff, der förmlich nach James Cameron schreit, dem Schöpfer von ‚Titanic‘ und ‚Avatar‘, den immer noch erfolgreichsten Filmen aller Zeiten. Larger than life, voller großer Gefühle, brutaler Kämpfe und futuristischer Technik. Cameron war es auch, der die Verfilmung anschob. Für ‚Alita‘ schrieb er zwar nur das Drehbuch und produzierte, die Regie überließ er Robert Rodriguez. Aber dieser Film trägt alle Insignien eines Cameron-Werks. Im Guten wie im Schlechten (…)“ • http://t1p.de/ocgk

12.02.2019 • filmdienst.de:
ALITA: BATTLE ANGEL • 1000 Wörter • Besprechung von Jörg Gerle • „(…) ’Alita: Battle Angel‘ schafft das Kunststück, alle wichtigen Fragen offen zu lassen und sich alleine um die Oberflächenreize zu scheren. Dabei sind diese Fragen durchaus interessant: Gibt es überhaupt so etwas wie ‚männlich‘ und ‚weiblich‘ bei Cyborgs? Im Original-Manga hat Ido Alita nicht nach seiner Tochter, sondern nach seinem toten Kater benannt. Ist Liebe im Zeitalter der elektromechanischen Reproduzierbarkeit nicht ohnehin nur noch rein platonisch? Und was ist mit dem Kampf für eine gerechte Welt und gegen eine elitäre Elite, die auf Zalem haust und durch den mysteriösen Nova geführt wird, der sich wie ein ‚Puppet-Master‘ in die Hirne hackt? Keine Zeit, das zu beantworten. Vielleicht gibt es dazu etwa im nächsten Teil. Falls es denn einen gibt (…)“ • http://t1p.de/w5ed

12.02.2019 • NDR Info Radio:
„ALITA“: ACTION-FANTASY MIT CHRISTOPH WALTZ • Textfassung: 350 Wörter • von Anna Wollner • „(…) ’Alita: Battle Angel‘ ist visuell eine Wucht. Regisseur Rodriguez und Produzent James Cameron lassen eine vollkommen neue, düstere Welt auferstehen mit einer Detailtreue, die Schauspieler Christoph Waltz begeistert und umgehauen hat: ‚Das Set war so meisterhaft gebaut, wie ich es an einem Filmset noch niemals gesehen habe. Eine Begeisterung fürs kleinste Detail, auch wenn man genau weiß, es kommt niemals ins Bild und trotzdem ist es da. Selbst das Moos in der Fuge hinter der Säule ganz hinten im Set trägt zur Sache bei’ (…)“ • http://t1p.de/l6i8

13.02.2019 • dpa-Beitrag, u. a. Westdeutsche Zeitung & Tagesspiegel Online:
CHRISTOPH WALTZ ALS CYBORG-VATER • 650 Wörter • Besprechung des Films von Gerd Roth • „Der Übergang von Romantik zu Rache kann schmerzhaft kurz sein. Oscar-Preisträger Christoph Waltz muss das in der Manga-Verfilmung ‚Alita: Battle Angel‘ als Cyborg-Vater Dr. Dyson Ido weitgehend hilflos beobachten. Die von ihm als Tochter-Ersatz zusammengeschraubte Alita lässt sich von Ido nicht aufhalten in ihrem furchterregenden Rachefeldzug gegen das Böse. In der Comic-Adaption bedeutet das: zwei Stunden lang sehr viel Action, ebenso hemmungslose wie fantasievolle Gewaltexzesse, aber immer wieder auch mal ein Tränchen emotionaler Verzweiflung in den übergroßen Manga-Augen (…)“ • http://t1p.de/96or

13.03.2019 • filmszene.de:
ALITA: BATTLE ANGEL • 750 Wörter • Besprechung des Films von Volker Robrahn • „(…) Das visuelle Fest allein rechtfertigt daher im Grunde schon den Kinobesuch, auch wenn es nicht mehr so revolutionär ausfällt wie einst bei ‚Avatar‘. Dass es bei einer Freigabe ab 12 Jahren dabei nicht so hart und brutal zugeht wie bei Rodriguez-Werken der Kategorie ‚Planet Terror‘ oder ‚Machete‘ ist klar, mindert aber nicht die Qualität der Umsetzung, auch wenn das einige Kenner der Vorlage eventuell anders sehen. Doch auch die müssen einräumen, dass es sich um eine relativ werkgetreue Adaption handelt, bei der nicht nur der Kern der Handlung übernommen wurde, sondern auch zahlreiche kleine Details (…)“ • http://t1p.de/y6sy

14.02.2019 • SWR2 Radio:
SCIENCE-FICTION-KINO: „ALITA – BATTLE ANGEL“ VON ROBERT RODRIGUEZ • 4 min • Besprechung von Rüdiger Suchsland • Zwei Hollywood-Giganten, James Cameron und Robert Rodriguez, haben sich zusammengetan, um dieses Cyborg-Abenteuer als aufwendiges Spektakel zu erzählen • http://t1p.de/myex (online bis 13.02.2020)

14.02.2019 • Süddeutsche Zeitung:
KOMMT EIN SUPERHELD ZUM ARZT • 750 Wörter • Besprechung des Films von Juliane Liebert • „(…) Während Netflix erst 2017 die wunderbare Mangaserie ‚Death Note‘ in der Realfilmadaption schlechthin versaut hat, bestätigt ‚Alita: Battle Angel’ – geschrieben von James Cameron und Laeta Kalogridis, inszeniert von Robert Rodriguez – solche Befürchtungen nicht. Der Plot folgt recht klar der Vorlage (…) Alita-Darstellerin Rosa Salazar hat mittels Computereffekten und Motion Capturing die typischen großen Manga-Augen verpasst bekommen, als einzige Figur des Films – was im Trailer noch befremdend aussah, im Film aber nach kürzester Zeit vollkommen logisch, sogar notwendig erscheint (…)“ • http://t1p.de/mlcx

14.02.2019 • die zukunft:
„WOVON TRÄUMST DU, KLEINER ENGEL?“ • 550 Wörter • Besprechung von Tomislav Subasic • „(…) Der Film um den liebreizenden kämpfenden Engel hält viele der aus dem Manga bekannten Figuren und Handlungsfäden bereit, bedient sich dabei jedoch einiger Freiheiten. Während beispielsweise der Plot um den Motorball im Manga ein kleiner Nebenfaden ist, spielt er im Film eine zentrale Rolle. Vieles, was in der Vorlage noch eine episodenhafte, mal mehr, mal weniger zusammenhängende Erzählung ist, wird im Film gekonnt zu einem großen, kohärenten Flickenteppich ohne Lücken verwoben. Sogar eine weit ausgebaute Liebesgeschichte ist nicht bloß aufgesetzt, sondern dient, neben charakterzeichnender Momente, auch als Katalysator für den weiteren Plot (…)“ • http://t1p.de/tfl0


IM FOKUS: ZUM TOD VON TOMI UNGERER

Am 09.02.2019 starb im irischen Cork der im elsässischen Straßburg geborene Karikaturist und Illustrator Jean-Thomas „Tomi“ Ungerer mit 87 Jahren.

09.02.2019 • sueddeutsche.de:
WIE VERLIERER TRIUMPHIEREN • 900 Wörter • von Roswitha Budeus-Budde • “(…) Er wendet sich gegen die Heile-Welt-Darstellungen. ‚Ich habe viele Jahre keine Kinderbücher geschrieben, weil es so viele Titel gibt und eines schlimmer und süßer als das andere. Es gibt so viel Puschi-muschi, Fisch-faschi‘ sagte er in einem Interview. Parallel dazu wird er berühmt als Karikaturist des New Yorker, mit Werbung und seinen politischen Kampagnen gegen den Vietnam-Krieg. ‚Jede Zeichnung ist ein Blitzkrieg‘. Die ihn schließlich, es ist die McCarthy-Ära, auf die Schwarze Liste der Einwanderungsbehörden brachte. Seine Karikaturen erotischer Obsessionen z. B. in dem Band ‚Fornicon‘ brachten ihm Verbote und empörte feministische Reaktionen nicht nur in den USA, die er immer wieder abwehrte: ‚Ich habe nie Pornografie gemacht, sondern erotische Satire’ (…)“ • http://t1p.de/kdcs (eine überarbeitete Fassung des Beitrag erschien am 11.02.2019 in der Druckausgabe der „Süddeutschen Zeitung“)

10.02.2019 • Der Tagesspiegel:
MILDE MONSTER • 750 Wörter • von Rüdiger Schaper • “(…) Kann man ihn vergleichen? Vielleicht mit Wilhelm Busch oder Edward Lear, aber das trifft das Wesen des Zeichners und Autors Tomi Ungerer nicht wirklich. Sein Strich besitzt Zärtlichkeit, aber auch hinterhältige Kraft – giftig zupackend seine New Yorker Gesellschaftssatire ‚The Party‘. Da ätzte er über jene Kreise, in die er sich hineingearbeitet hatte. Der erwachsene Ungerer, wenn man es denn so sagen mag, machte Bücher über Sex und Tabus. Eher lustig fällt noch ‚Das Kamasutra der Frösche‘ aus – Tiere sind fast immer dabei –, während Ungerers „Babylon“, für das Friedrich Dürrenmatt ein Vorwort schrieb, an Alfred Kubins Zeichnungen erinnert. Erotomanisches und schlagende Brutalität. Ungerers Höllenvision gleicht einem Pandämonium des Alltags. Er war ein politisch engagierter Mensch, Pazifist und Provokateur (…)“ • http://t1p.de/62tw

10.02.2019 • Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung:
DER MANN MIT HERZ, DER MANN MIT SCHMERZ • 650 Wörter • von Andreas Platthaus • „(…) Der Vater war 1935 gestorben, als Tomi noch keine vier Jahre alt war, und in der Zeit der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg wurde der Familie ihre französische Sprache verboten – sowie nach Kriegsende dann durch die Franzosen nicht nur die deutsche, sondern auch die eigentliche Sprache der Heimat, das Elsässische. Ungerer hat darüber später immer nur in größter Bitternis gesprochen; er nannte die jeweiligen Sprachverbote ‚Kulturverbrechen‘, und sein lebenslanges Bemühen um die Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland rührte aus dieser Erfahrung. Aber Erfolg fand er erst in einem ganz anderen Land, den Vereinigten Staaten, wohin er 1956 als Vierundzwanzigjähriger auswanderte. Vor allem mit Werbeillustrationen und Kinderbüchern reüssiert er dort (…)“ • http://t1p.de/tt51

Ein weiterer Nachruf auf Tomi Ungerer erschien von Andreas Platthaus am 11.02.2019 in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ unter dem Titel DER AUSSÖHNUNGSKÜNSTLER: http://t1p.de/qo2z (kostenpflichtig, 1200 Wörter)

11.02.2019 • RND-Beitrag, u. a. Hannoversche Allgemeine Zeitung:
DIE FAUST AM ZEICHENTISCH • 500 Wörter • von Daniel Alexander Schacht • „(…) Es brauche ‚eine Faust, um sich durchzusetzen‘, hat er einmal zu Gisela Vetter-Liebenow gesagt, wie sich die Direktorin des Wilhelm-Busch-Museums erinnert, das ihn oft ausgestellt hat, über einen großen Sammlungsbestand von rund 250 Werken vor allem aus dem Frühwerk des Künstlers verfügt und auch derzeit Werke von ihm zeigt. Ungerer habe diese Faust am Zeichentisch eingesetzt, um seinen Themen und seiner Sichtweise Geltung zu verschaffen, darunter nicht zuletzt seinem Blick auf Erotik und Sex, auf Potenzwahn und Gier, auf den Machismo einer in Medien und Werbung immer stärker sexualisierten Gesellschaft. Er habe ‚die eigenen Abgründe ebenso furchtlos ausgeleuchtet wie die anderer‘, konstatiert der Comic-Experte und Ungerer-Kenner Andreas Platthaus (…)“ • http://t1p.de/2u24

11.02.2019 • Frankfurter Rundschau:
KARKIERENDER REALISMUS • 500 Wörter • von Harry Nutt • „(…) Für einen Heranwachsenden war es Anfang der 70er Jahre ein Schock und eine Offenbarung zugleich, als hierzulande über den links-subversiven Zweitausendeins Verlag der Band ‚Fornicon‘ von Tomi Ungerer vertrieben wurde. Er enthielt drastisch sexualisierte Darstellungen, auf die Spitze getriebene Fantasien über Sexspielzeuge und seltsam anmutende Befriedigungsmaschinen. Das war verbotenes Zeug, das erkannten wir sofort, aber es blieb uns nicht verborgen, dass die zeichnerische Umsetzung eine spielerische Distanzierung enthielt. Ungerer bediente die sexuelle Gier weniger als dass er sich über sie lustig machte. Er begab sich damit in die Tradition des amerikanischen Underground-Comics eines Robert Crumb (‚Fritz The Cat‘) (…)“ • http://t1p.de/d1s9

11.02.2019 • Die Welt:
DER SUBVERSIVE HUMANIST • 850 Wörter • von Mara Delius • „(…) Es gibt wahrscheinlich keinen aufregenderen Moment für ein Kind als den, in dem man merkt, dass ein Buch einem die wilde Welt der Fantasie öffnet: dass man sofort in sie hineingelangt durch alles, was hintersinnig, vielleicht sogar ironisch oder subversiv schillert, die normale Wirklichkeit also jederzeit eine ganz andere sein kann. Bei Tomi Ungerer hat dieses wundersame Tor in eine andere Welt die Gestalt eigenartiger, gänzlich un-bilderbuchhafter Tiere angenommen: die einer abenteuerlustigen Schweinefamilie (‚Die Mellops‘), dreier eigenbrötlerischer Krokodile (‚Warwick und die drei Flaschen‘), eines renitenten Katers (‚Kein Kuss für Mutter‘), einer gutwilligen Schlange (‚Crictor, die gute Schlange‘). Ungerers Tiere bilden ein Bestiarium, das völlig jenseits von nett-seichter Kuscheltierhaftigkeit oder unheimlich-düsteren Monstern anthropomorph ist (…)“ • http://t1p.de/2wd9

14.02.2019 • Die Zeit:
GEGEN DEN STRICH • 750 Wörter • von Georg Seeßlen • „(…) Und wenn man ihn schon – neben so vielem anderen (Märchenerzähler, Filmplakatgestalter, Spielzeugsammler, Werbegrafiker) – als Karikaturist bezeichnen kann, dann nicht als einen, der durch Übertreibung etwas sichtbar macht, sondern als einen, der durch eine Form hindurch auf den Grund schaut, bis an den Punkt, wo man dem Grauen begegnet. Tomi Ungerers Bilder sind 8vom Tod gezeichnet. Wie kann man die Kunst eines großen Zeichners beschreiben? Nicht viel besser als damit, dass jede Linie, jede Schraffur, jeder Punkt etwas genau wiedergibt, was vorher verborgen war, und gleichzeitig ein eigenes Leben entwickelt (…)“ • http://t1p.de/w7as

Diverse Radioprogramme nutzten den traurigen Anlass, um noch einmal große Interviews und Features aus den letzten Jahren auszustrahlen …

09.02.2019 • SWR2 Radio – Journal am Mittag:
TOMI UNGERER: „DAS WICHTIGSTE IM LEBEN SIND HERAUSFORDERUNGEN“ • 57 min • Werner Witt im Gespräch mit dem Künstler • Bereits als Tomi Ungerer 2006 in der Reihe SWR2 Zeitgenossen über sein Leben sprach, hatte er zwei Herzanfälle hinter sich und kämpfte gegen den Krebs. „Das Wichtigste im Leben sind Herausforderungen“ erklärte er im Gespräch mit Werner Witt, woher er die Kraft für seine Aktivität bis ins hohe Alter nehme. „Ohne Herausforderungen ist das Leben so langweilig.“ Aus Anlass des Todes des 87-jährigen Autors, Illustrators und Karikaturisten präsentiert SWR2 die Sendung von 2006 • http://t1p.de/53gs (online bis 09.02.2020)

10.02.2019 • SWR Fernsehen:
ZWISCHEN DEN STÜHLEN – Zum 80. Geburtstag von Tomi Ungerer • 13 min • von Joachim Görgen • Das Porträt des Künstlers wurde 2011 vom SWR produziert • http://t1p.de/22kd (online bis 11.02.2024)

10.02.2019 • SWR2 Radio – Feature:
AUF DER SUCHE NACH DER VERLORENEN HEIMAT – Tomi Ungerer, sein Vater und das Elsass • 57 min • von Eggert Blum • Der 1931 in Straßburg geborene Tomi, eigentlich Jean-Thomas Ungerer hat mehr als 150 Bücher geschrieben und illustriert und etwa 40.000 Zeichnungen und über 300 Plakate Ölbilder, Lithographien und Skulpturen geschaffen.Trotz seiner Weltkarriere blieb er immer tief in seiner elsässischen Heimat verwurzelt • Produktion: SWR 2009 • http://t1p.de/g97t (online bis 17.02.2019)

11.02.2019 • BR Radio Bayern 2 – Eins zu Eins. Der Talk:
IN MEMORIAM TOMI UNGERER, KARIKATURIST UND AUTOR • 41 min • Stefan Parrisius im Gespräch mit dem Künstler • Seit über einem halben Jahrhundert hat der Elsässer mit seinen freizügig bis pornographischen Zeichnungen und seinen Kurzgeschichten die Öffentlichkeit erregt. Nachdem er 2012 wurde seine illustrierte Kindergeschichte ‚Der Nebelmann‘ veröffentlicht hatte, war er 2013 zu Gast in ‚Eins zu Eins. Der Talk‘. Aus Anlass seines Todes, wiederholen wir diese Sendung • http://t1p.de/ji7o

12.02.2019 • NDR Kultur Radio:
GROSSES SOLO FÜR TOMI • 54 min • von Sabine Fringes • ‚Ich bin auch dyslexisch! Wenn ich Idol sag, dann sehe ich gleich Odil.‘ Und irgendwie ist die Dyslexie von Tomi Ungerer auch daran schuld, dass das Abschiedsfoto verwackelt. Sabine Fringes hat den Autor und Grafiker in seiner Straßburger Wohnung getroffen. Derbe Erotik und abgründige Phantasien prägen seine Erwachsenenbücher. Aber auch seine Kinderbücher haben es in sich. Denn Tomi Ungerer liebte die Provokation. ‚Ich möchte Spaß haben und mache alle meine Kinderbücher auch für das Kind in mir‘, sagte der gebürtige Elsässer • http://t1p.de/n6zv (online bis 12.02.2020)

12.02.2019 • BR Radio Bayern 2 – radioTexte:
TOMI UNGERER – „KEIN KUSS FÜR MUTTER“ • 53 min • In memoriam Tomi Ungerer Autorenlesung aus Tomi Ungerers Autobiografien: „Die Gedanken sind frei“, „Heute hier morgen fort“ und „Kein Kuss für Mutter“ mit Herbert Feuerstein, Stefan Wilkening und Antonio Pellegrino • http://t1p.de/at77

13.02.2019 • WDR 5 Radio – Tischgespräch:
KÜNSTLER TOMI UNGERER IM GESPRÄCH MIT CLAUDIA DAMMANN • 53 min • Am 9. Februar 2019 ist der Schriftsteller und Zeichner Tomi Ungerer im Alter von 87 Jahren gestorben. In Erinnerung an einen großen Grafiker, Schriftsteller und Illustrator wiederholen wir ein Tischgespräch, das Claudia Dammann 2013 mit Tomi Ungerer geführt hat • http://t1p.de/nn9y (online bis 13.02.2020)

Und schließlich sei noch auf die tatsächlich ganz wenige Tage vor Tomi Ungerers Tod erschienene Ausgabe 303 des amerikanischen Fachmagazins „The Comics Journal“ verwiesen, in der Gary Groth in einem retrospektiven Beitrag sowie Interview auf rund 80 Seiten unter dem Titel THE FEAR & ANGER OF TOMI UNGERER wirklich fast alles zusammenträgt, was über den großen Zeichner zu sagen ist. Einen Auszug des Gesprächs gibt es online hier: http://t1p.de/6b6o


IM FOKUS: JASON LUTES‘ „BERLIN“ – NACHSCHLAG

Anlässlich der Tour durch Deutschland, die der amerikanischen Comic-Künstler Jason Lutes anlässlich des Erscheinens der Gesamtausgabe von „Berlin“ bei Carlsen unternahm, erschienen noch eine Reihe weiterer Beiträge 

27.01.2019 • rbb radioeins – Die Literaturagenten:
FLIX ÜBER „BERLIN“ • Sendung ins. 48 min („Berlin“-Beitrag ab Minute 34) • Der Comic-Zeichner Flix stellt im Gespräch mit den Moderatoren Marie Kaiser und Thomas Böhm den Comic-Band von Jason Lutes vor • „(…) Dit is Berlin. Genau so muss man das machen (…)“ • http://t1p.de/qgi0

01.02.2019 • DLF Kultur – Corso:
NACH 22 JAHREN ABGESCHLOSSEN – Die Comic Trilogie „Berlin“ • 12 min • Jason Lutes im Gespräch mit Moderator Frank Meyer • „(…) Ich konnte es mir als junger Mann einfach nicht leisten zu reisen. Und als mich dann mein deutscher Verleger das erste Mal eingeflogen hatte und ich an diesen echten Ort kam, hatte ich so eine Angst, dass ich nutzlos ein paar Jahre verbracht hätte und nur ein Hochstabler wäre, so dass ich das Projekt gleich wieder aufgeben müsste, weil es einfach nicht dem entspricht, wie ich es mir vorgestellt habe. Denn ich kannte Berlin nur von Schwarzweiß-Fotos. Aber sehr schnell beim Herumlaufen in Berlin habe ich gemerkt, dass dieses echte Berlin sehr viel reicher und komplexer ist. Diese Realität Berlins schaffte eine gewisse Distanz zu meinem imaginierten, fiktionalen Berlin, was ich letztendlich befreiend fand. Ich wollte immer noch authentisch sein, konnte aber auch wieder zu meinem fiktionalen Berlin stehen (…)“ • http://t1p.de/9n1b (online bis 10.08.2019)

02.02.2019 • Comic-Denkblase:
BERLIN, BERLIN … INTERVIEW MIT JASON LUTES • 1100 Wörter • das Gespräch, dessen Video-Ausschnitt für die ARD leider nicht mehr online ist, führte Alex Jakubowski mit dem Künstler • „(…) Jedes Kapitel das ich gezeichnet habe, wurde veröffentlicht, aber ich hatte anfangs natürlich eine ziemlich kleine Leserschaft, also habe ich auch nicht besonders viel verdient. Natürlich gab es da Momente, wo ich gedacht habe, ich höre auf. Es sah eben nicht so aus, als könnte ich davon leben. Aber letztlich waren es drei Punkte, die mich immer wieder dazu gebracht haben, weiterzumachen. Zum einen natürlich das Publikum. Dann wollte ich mich selbst einfach nicht hängen lassen und dann waren es einfach die Charaktere, die für mich lebendig waren. Das war letztlich auch das entscheidende für mich (…)“ • http://t1p.de/3wut

04.02.2019 • DLF – Corso:
EIN BERLINER PANOPTIKUM DER 20ER • 8 min • Jason Lutes im Corsogespräch mit Andrea Heinze • „(…) Es ist mir wirklich peinlich, aber ich kann Deutsch weder sprechen noch lesen. Also mussten meine Quellen alle auf Englisch sein. Und es waren die 90er-Jahre – damals konnte man das Internet für so etwas noch nicht gebrauchen. Also bin ich in jeden Buchladen und jede Bibliothek in meiner Nähe gegangen und hab‘ eine ganze Sammlung von Büchern über europäische Geschichte, Kunstgeschichte und natürlich Berliner Geschichte zusammengetragen. Ich habe zwei Jahre lang recherchiert, bevor ich auch nur einen einzigen Strich gezeichnet habe. Und das Ziel war, sich in die Zeit hineinversetzen zu können, sich vorstellen zu können, was es bedeutet, im Berlin der 20er-Jahre zu sein (…)“ • http://t1p.de/h4bs (Audio-Version online bis 13.08.2019)

06.02.2019 • Gießener Anzeiger:
„ES IST BEÄNGSTIGEND“ • 800 Wörter • Ingo Berghöfer im Gespräch mit dem Comic-Künstler • „(…) Was wir nun überall auf der Welt sehen, sind exakt die selben entfesselten Kräfte, die in Weimar vorherrschten. Ich habe dieses Buch geschrieben, um mir selbst über die Umstände klar zu werden, die zum Holocaust geführt haben, und ich erkannte, dass Fremdenfeindlichkeit und Populismus in meinem eigenen Land sehr stark geworden sind. Es ist herzzerreißend und beängstigend zu beobachten, überall auf der Welt und auch in der Person meines eigenen Präsidenten (…)“ • http://t1p.de/fohm

07.02.2019 • Kölner Stadt-Anzeiger:
SCHRECKLICH GUTES TIMING • 900 Wörter • von Christian Bos „(…) Auch in Deutschland kommt die Gesamtausgabe von ‚Berlin‘ zur genau richtigen Zeit, fast könnte man meinen, Lutes hänge sich an den ‚Babylon Berlin‘-Hype, wäre Volker Kutschers Kriminalroman ‚Der nasse Fisch‘, die Vorlage zur Erfolgsserie, nicht ein paar Jahre nach den ersten Folgen des Comics erschienen. Jetzt preist Kutscher Lutes ‚Comic-Sinfonie‘ auf der Titelseite der deutschen Ausgabe. Dass ‚Berlin‘ jetzt mehr und vieldeutiger zu uns spricht, als zu der Zeit, in der Lutes seine Graphic Novel in Angriff nahm, mag auch daran liegen, dass diese nicht im luftleeren Raum entstanden ist (…)“ • http://t1p.de/j7ov

09.02.2019 • Berliner Zeitung:
BERLIN BEDEUTET HOFFNUNG • 1300 Wörter • Alexander Bühler im Gespräch mit dem Künstler • „(…) Ich war noch 150 Seiten vom Ende entfernt, ich improvisierte, folgte dem, was mich fesselte und fragte mich, wie soll mein Buch enden? Bitte kein ordentliches Ende, bei dem ich alle losen Fäden abbinde. Und plötzlich dachte ich: Es muss jetzt enden. Hier und jetzt [am Potsdamer Platz]. Mein Impuls war, dem Leser einen realen Platz zu vermitteln. Auch wenn das Buch Fiktion ist und nur meine Erfindung, wollte ich die Leser an diesen Ort ziehen und ihnen zeigen, dass Berlin eine reale Stadt ist voller Menschen. Und ich wollte mein Buch auch mit Hoffnung enden lassen. Berlin bedeutet für mich auch die stärkste Hoffnung, die man finden kann: wegen allem, was man hier erlebt hat, was man vorfinden kann (…)“ • http://t1p.de/ij34 (kostenpflichtig)

09.02.2019 • Gießener Anzeiger:
WEIMAR ALS COMIC-PANORAMA • 750 Wörter • von Ingo Berghöfer • „(…) Wer im Anschluss an Jason Lutes‘ Buchpräsentation in der Kongresshalle auf eine persönliche Widmung (und im Falle eines Comic-Künstlers natürlich auf eine persönliche Zeichnung) wartete, brauchte nicht nur Geduld, sondern auch kräftige Arme. Lutes‘ schlicht ‚Berlin‘ betiteltes Opus Magnum ist mit seinen 600 Seiten im Din A4 Format nämlich ein veritables Brikett. 22 Jahre hatte der Künstler und Lehrer an seinem Panorama der Weimarer Republik gearbeitet und kommt jetzt doch fast schon zu spät, um noch vom Zwanziger-Hype zu profitieren, der mit der Ausstrahlung von ‚Babylon Berlin‘ seinen Höhepunkt erreicht hat (…)“ • http://t1p.de/wucf (geringfügig kostenpflichtig)