die neunte • Comic-Presseschau

 

Liebe Leser,

hier kommt wieder der (zuletzt nicht ganz so) tägliche Überblick von „die neunte“ mit aktuellen Links aus Presse, Funk und Web – heute vom 26. Februar 2019 mit drei Schwerpunkten zum 90. Geburtstag von Alejandro Jodorowsky, über die Netflix-Adaption von „The Umbrella Academy“ sowie zu Burcu Türker, der Comic-Stipendiatin in Paris.


IM FOKUS: ALEJANDRO JODOROWSKY ZUM NEUNZIGSTEN

Leider nur viel zu wenig gewürdigt wurde der 90. Geburtstag von Alejandro Jodorowsky, den der chilenische Filmregisseur und Comic-Szenarist am 17. Februar feiern konnte. Eine kleine Zahl erlesener Beiträge gab es aber trotzdem aus diesem Anlass …

11.02.2019 • teleschau-Beitrag, u. a. Focus Online:
ALEJANDRO JODOROWSKY WIRD 90: Der Psychomagier des Kinos • 1050 Wörter • von Sven Hauberg • „(…) Wer wissen will, wie großartig Jodorowskys ‚Dune‘ hätte werden können, sollte sich die Graphic Novels der ‚Incal‘-Reihe besorgen, die der Filmemacher zusammen mit Comic-Legende Moebius schuf – Ridley Scott sollte sich für seinen ‚Blade Runner‘ bei den apokalyptischen Zukunftsvisionen bedienen, später auch der japanische Animationsmeister Hayao Miyazaki (‚Das wandelnde Schloss‘). Heute ist Jodorowsky, geboren 1929 als Sohn ukrainischer Juden in der chilenischen Küstenstadt Tocopilla, eine lebende Legende. Filmfestivals würdigen ihn, das Moma zeigte seine Werke, Marilyn Manson ließ sich von ihm trauen. In den letzten Jahren, da war er schon weit über 80, war Jodoroswky so umtriebig wie lange nicht mehr. Für ‚The Dance of Reality‘ und ‚Endless Poetry‘ kehrte der Regisseur, der 1955 erstmals nach Frankreich ging und noch immer in Paris lebt, zurück nach Chile (…)“ • http://t1p.de/1493

15.02.2019 • ARTE:
JODOROWSKY’S DUNE • fr/us, 2013, 87 min • Dokumentarfilm von Regisseur Frank Pavich • 1975 beschloss Alejandro Jodorowsky, der sich bereits mit ersten metaphysischen Spielfilmen einen Namen gemacht hatte (insbesondere „El Topo“ und „Montana Sacra – Der heilige Berg“) ein ambitioniertes Vorhaben: die Verfilmung von Frank Herberts Romanzyklus „Dune“ Als Darsteller schwebten ihm Orson Welles, David Carradine, Mick Jagger und Salvador Dali vor, die Ausstattung sollte von Moebius (alias Jean Giraud) und H.R. Giger stammen, untermalt von einer Filmmusik von Pink Floyd und Magma. Sein junger Sohn, Brontis Jodorowsky, sollte ebenfalls eine tragende Rolle darin bekommen. Leider wurde aus dem Projekt nichts, weil sich die Geldgeber zurückzogen • http://t1p.de/z2gd (online bis 16.03.2019)

17.02.2019 • faz.net:
NUR BÖSE MENSCHEN SEHEN IHN – Alejandro Jodorowsky zum 90. • 1300 Wörter • von Dietmar Dath • „(…) Überhaupt ist Jodorowsky als Comicautor wohl noch besser als beim Inszenieren von Filmen (die er, wenn er einen guten Tag hat, schon ziemlich beeindruckend hinkriegt): Wenn eines Tages die Instanz, die uns Menschen die Träume schickt, sei es das Unbewusste, sei es ein Dämon oder Engelchen, mal das durchblättern wird, was er mit Moebius (vor allem im Werkkreis ‚Incal‘), François Boucq (‚Bouncer‘), Zoran Janjetov (‚Les Technopères‘) oder Arno (‚Alef-Thau‘) angestellt hat, dann dürfte diese Trauminstanz ziemlich neidisch werden. Selbst nordamerikanische Profis, die nichtamerikanische Comics im Allgemeinen für langweiliges und geschmäcklerisches Zeug halten, müssen bei ihm lernen, was das Medium kann (…)“ • http://t1p.de/cxs6


IM FOKUS: TV-SERIE ZU „THE UMBRELLA ACADEMY“

Seit 15. Februar ist auf Netflix die erste Staffel der Fernsehserie „The Umbrella Academy“ (us, 2019) verfügbar, die Steve Blackman auf Basis der gleichnamigen Comic-Serie von Gerard Way und Gabriel Bá (dt. bei Cross Cult) entwickelt haben …

09.02.2019 • Tamedia-Beitrag, u. a. Tages-Anzeiger, Zürich, u. Basler Zeitung:
EINE FAMILIE IM ZEICHEN DER APOKALYPSE • 500 Wörter • Besprechung von Hans Jürg Zinsli: „(…) Die Erzählanlage von ‚The Umbrella Academy‘ funktioniert, weil die Serie einen eigentlichen Mikrokosmos des Zwischenmenschlichen aufbaut. Hinzu kommen Überraschungen sonder Zahl, es geht von der Zeitreise zur Zeitellipse und wieder zurück. Dass die von Steve Blackman (‚Fargo‘) entworfene Serie auch Action beinhaltet, versteht sich aufgrund des Genres. Und apropos Superhelden: Da in nächster Zeit die gesamte Marvel-Armada von Netflix entfernt wird (Disney lanciert im Herbst 2019 ein eigenes Angebot), hat der Streaminganbieter mit dieser verhältnismässig jungen Comicreihe eine starke, ausbaufähige Alternative in der Hand (…)“ • http://t1p.de/ykn6

12.02.2019 • Frankfurter Allgemeine Zeitung:
WIR SEHEN UNS JA AUCH NUR NOCH AUF BEERDIGUNGEN • 700 Wörter • Besprechung von Julia Bähr: „(…) Dass diese pralle Vorlage erst jetzt szenisch umgesetzt wurde, ist erstaunlich. Die beiden Comicbücher, die hier eingeflossen sind, erschienen bereits 2008 und gewannen den Eisner Award. Gabriel Bá zeichnete sie, aber der Autor ist Gerard Way, Künstler und Sänger der Band My Chemical Romance. Beide gehören zum Produzententeam der Serie, in der sich der schräge Humor des Comics wunderbar fortsetzt. Drehbuchautor Jeremy Slater hat außerdem zwei neue Figuren geschaffen: einen Verehrer für Vanya und den toten Bruder Ben, der oft präsent ist, wenn auch nur für die Zuschauer und Klaus sichtbar. Außerdem ist ‚The Umbrella Academy‘ als Serie nicht so rein weiß besetzt wie die Vorlage: Allison ist schwarz, Diego ist Latino (…)“ • http://t1p.de/n13c

14.02.2019 • Stuttgarter Zeitung:
SECHS PROBLEMKINDER GEGEN DEN WELTUNTERGANG • 600 Wörter • Besprechung von Gunther Reinhardt: „(…) Gerard Way, der aus New Jersey kommt und seine Haare gerne Orange leuchten lässt, verdanken wir zwei Klassiker der Popkultur. Beim ersten handelt es sich um das grandiose Album ‚The Black Parade‘ aus dem Jahr 2006, das Way mit seiner Band My Chemical Romance aufnahm – eine bombastisch krachende und dröhnende Rockoper, die damals völlig zu unrecht in die Emo-Rock-Schublade gestopft wurde. Der andere Klassiker ist der Comic ‚The Umbrella Academy‘, den Way 2008 als Autor zusammen mit dem Zeichner Gabriel Bá entwickelt hat und der damals den Sprechblasen-Oscar Eisner Award für die beste abgeschlossene Comicreihe bekam (…)“ • http://t1p.de/zvxi

15.02.2019 • dpa-Beitrag, u. a. Der Tagesspiegel:
COMIC-HELDEN DER WOCHE: WELTRETTER MIT FAMILIENSTRESS • 500 Wörter • Besprechung von Philip Dethlefs: „(…) Der heimliche Star der Show ist der erst 15-Jährige Aidan Gallagher, der als Nummer fünf einen Erwachsenen im Körper eines Teenagers darstellt. Gallagher spielt die Rolle mit einer Abgeklärtheit und Coolness, dass es eine echte Freude ist, ihm dabei zuzusehen. Die anderen Charaktere der Show sind hingegen eher klischeehaft geraten. Luther hat eine harte Schale, aber einen weichen Kern. Diego ist der heißblütige Latino. Vanya ist die stille Außenseiterin, die ein Geheimnis birgt. Blackman wollte nach eigener Aussage klassische Superhelden-Schemen meiden und benutzt sie doch. Häufig fühlt man sich auch an die ‚X-Men‘ erinnert, bei denen Page auch mitspielt. Ein echtes Novum ist ‚The Umbrella Academy‘ deshalb trotz einiger origineller Ideen nicht (…)“ • http://t1p.de/u1vf

16.02.2019 • die zukunft:
SUPERDYSFUNKTIONALE SUPERFAMILIE • 950 Wörter • Besprechung von Christian Endres: „(…) Die Netflix-Umsetzung der Comics durch das Team von Showrunner Steve Blackman (‚Fargo‘, ‚Altered Carbon‘) und Pilotautor Jeremy Slater (‚Death Note‘) überzeugt. Man bleibt der Panel-Vorlage treu genug, arrangiert die Story und die Figuren aber nicht sklavisch dem Original entsprechend, viel mehr werden neue Handlungsabfolgen, Elemente, Figuren und Motive hinzugefügt – ein Mehrwert für Fans der Comics. Zudem haben die Figuren und ihre Konflikte in der TV-Interpretation mehr Platz als in den Bildergeschichten (…)“ • http://t1p.de/pj13

18.02.2019 • Süddeutsche Zeitung:
STARK DURCHGEKNALLT • 500 Wörter • Besprechung von Benedikt Frank: „(…) Elternlosigkeit und ein substanzielles Trauma gehen im Comic oft mit Superkräften einher. Batman musste als Kind mitansehen, wie seine Eltern erschossen wurden, Spider-Man hat Schuldgefühle, weil er den Mord an seinem Adoptivonkel nicht verhinderte. In der Regel sind das Hintergrundgeschichten, mit denen Comicautoren die Motivation ihrer Figuren erklären, auf die sie später aber nur bei Bedarf zurückkommen. In ‚The Umbrella Academy‘ ist das anders. Die erste Staffel handelt so sehr von den unterschiedlichen Traumata der sieben, dass das Heldendasein zur Nebensache wird (…)“ • http://t1p.de/npdi

19.02.2019 • MDR Sputnik Radio – Popkult:
SERIENTALK: „THE UMBRELLA ACADEMY“ • 3 min • Nach den erfolgreichen Filmadaptionen der Marvel- und DC-Comics, stellt uns Netflix nun eine völlig andere Art von Superhelden vor. Was „The Umbrella Academy“ aber so anders macht, das verrät uns Sputnikerin Theresa • http://t1p.de/rrxu

19.02.2019 • Südwest Presse, Ulm:
SIEBEN KIDS FÜR EIN HALLELUJA • 450 Wörter • Besprechung von Claudia Reicherter: „(…) Die schon 2007 erstaunlich flüssig neben dem Touralltag her vom damaligen My-Chemical-Romance-Frontmann Gerard Way verfassten, halbautobiografischen Graphic Novels bieten vielversprechende Vorlagen. Der brasilianische Zeichner Gabriel Bá (‚Casanova‘, ‚Daytripper‘) hat die 2008 mit dem Eisner Award ausgezeichneten Comics für den US-Verlag Dark Horse illustriert. Der für ‚Fargo‘ für einem Emmy nominierte TV-Autor und -Produzent Steve Blackman hat den Plot für den Streamingdienst und Pay-TV-Anbieter Netflix überarbeitet, gestrafft und mit hervorragenden Regisseuren, Ausstattern und Kameraleuten so rasant wie stylish und mit packender Musik zwischen Hits der 70er und 80er und neuen Songs von Gerard Way und Ray Toro verfilmt (…)“ • http://t1p.de/2739


IM FOKUS: EINE COMIC-ZEICHNERIN IN PARIS

Wohl zufällig heute an ein- und demselben Tag beschäftigen sich der „Tagesspiegel“ und die F.A.Z. mit Burcu Türker, der ersten Comic-Künstlerin, die sich gerade mit einem Stipendium des Berliner Senats ein halbes Jahr in einer Künstlerwohnung in Paris aufhält …

26.02.2019 • Der Tagesspiegel:
IM BAUCH VON PARIS • 950 Wörter • von Lars von Törne • „(…) ’Meine Arbeiten sind hier politischer geworden als erwartet‘, sagt Burcu Türker, während sie den Besucher durch die kleine Atelierwohnung führt. Zwei große Schreib- und Zeichentische mit Blick auf einen grauen Hinterhof mit abgeblätterten Fassaden, eine Pinnwand mit Dutzenden Aquarellen, Kreidezeichnungen, Öl- und Pastellbildern, Skizzen, Bleistiftzeichnungen, in der Ecke ein Bett, ein Vorraum und eine kleine Küche: So sieht sie aus, die Berliner Künstlerwohnung in Paris (…) Viele der Bilder und Ideen für ihren Comic, von dem bereits rund 90 Seiten vorgezeichnet sind, findet sie direkt auf der Straße, erzählt Burcu Türker beim Stadtspaziergang. Und manchmal auch eine Etage tiefer: Die Katakomben von Paris, das städtische Beinhaus mit den Knochen von Millionen toten Parisern aus früheren Jahrhunderten, ist der Arbeitsplatz von Burcu Türkers noch namenloser Protagonistin (…)“ • http://t1p.de/otpb

26.02.2019 • Der Tagesspiegel:
MIT DEM STIPENDIUM FÜR SECHS MONATE AN DIE SEINE – Berliner Künstlerwohnung • 200 Wörter • von Lars von Törne • „(…) Seit Ende 1997 entsendet Berlin Künstler an die Seine, die jeweils sechs Monate in der dortigen Atelierswohnung in der Cité des Arts leben und arbeiten (…) Bis 2017/18 gab es vom Senat zwei Stipendien à sechs Monate in Bildender Kunst, Literatur und Tanz. Seit 2018/19 ist es jeweils ein Stipendium für die genannten Kunstsparten (Mai bis Oktober) und ein Stipendium für einen Künstler im Bereich Comic/Graphic Novel (November bis April) für je sechs Monate (…)“ • https://epaper.tagesspiegel.de/ (kostenpflichtig)

26.02.2019 • Frankfurter Allgemeine Zeitung:
WER IST GEFÄHRLICH? – Burcu Türkers Reportagecomic • 750 Wörter • von Andreas Platthaus • „(…) In Burcu Türkers Comic ist Gelb die einzige Zusatzfarbe. Das Gelb der ‚Gelbwesten‘. Derzeit lebt die Zeichnerin in Paris, als erste Empfängerin eines Comic-Stipendiums der Stadt Berlin, mit dem jährlich ein sechsmonatiger Arbeitsaufenthalt in der französischen Hauptstadt ermöglicht wird (…) Im Dezember zeichnete sie unter dem Eindruck der gewaltsamen Ausschreitungen einen von Rauchwolken umgebenen Arc de Triomphe auf die Serviette eines Restaurants, postete dieses Bild, und etwas später erklärte sie sich bereit, für die F.A.Z. einen Comic über die ‚Gelbwesten‘ zu zeichnen (…)“ • http://t1p.de/0fx9 (kostenpflichtig)

26.02.2019 • Frankfurter Allgemeine Zeitung:
WER SCHÜTZT WEN WOVOR? • Kurz-Comic (halbe Zeitungsseite) • von Burcu Türker • http://t1p.de/fbe1 (die Online-Bilderstrecke mit dem Comic lässt sich möglicherweise nur rückwärts abspielen, dann notfalls mit dem Zurück-Button in der korrekten Reihenfolge anschauen)