die neunte • Comic-Presseschau • 08.01.2020 • „Charlie Hebdo“-Spezial

Liebe Leser,

hier kommt wieder eine neue Presseschau von „die neunte“ mit aktuellen Links aus Presse, Funk und Web – heute vom 8. Januar 2019.


IM FOKUS: CHARLIE HEBDO

Gestern jährte sich zum fünften Mal das schreckliche Attentat auf das französische Satireblatt „Charlie Hebdo“ durch islamistische Attentäter. Wir bringen eine Auswahl interessanter Beiträge zum Thema aus den letzten Tagen, in denen auch heutige und ehemalige Mitarbeiter von „Charlie Hebdo“ zu Wort kommen …

04.01.2019 • u. a. Frankfurter Rundschau, Wiener Zeitung:
WER WAR UND WER IST „CHARLIE“? • 1050 Wörter • von Birgit Holzer • „(…) Aufgrund der großen Anteilteilnahme aus den deutschsprachigen Ländern entstand nach dem Anschlag eine deutsche Ausgabe, die teils eigens angefertigte Karikaturen, teils Übersetzungen aus der französischen Version zeigte. Doch nach einem Jahr wurde das Projekt eingestellt: Der ‚Charlie‘-Humor kam im Ausland, wo die Comic-Kultur nicht so stark ausgeprägt ist, weniger an. Die damals für die deutsche Ausgabe zuständige Chefredakteurin Romy Straßenburg schrieb in ihrem Buch ‚Adieu Liberte‘, es sei ‚eine verdammte Last in deinem Kopf‘, zum Symbol der Pressefreiheit zu werden (…)“ • https://t1p.de/mtn8

04.01.2019 • ARTE – Junior:
FRAGESTUNDE: CHARLIE HEBDO, FÜNF JAHRE DANACH • 3 min • von Cécile Thuillier • „‚Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern.’ – so steht es im Deutschen Grundgesetz. Das nennt man Meinungsfreiheit – wir dürfen also sagen oder schreiben, was wir denken. Ähnliche Rechte gelten auch in Frankreich. Doch Journalisten von der Zeitung ‚Charlie Hebdo‘ wurden genau deswegen angegriffen und getötet – weil sie geschrieben und gezeichnet haben, was sie dachten. Unsere Fragestunde zu diesem Anschlag, der am 7. Januar 2020 genau fünf Jahre her ist!“ • https://t1p.de/5m86 (online bis 06.01.2023)

05.01.2019 • AFP-Beitrag, u. a. Der Tagesspiegel:
„ES GIBT KEINE ZENSUR“ • 450 Wörter • von Stephanie Lob • „(…) Auch fünf Jahre nach dem Anschlag eckt ‚Charlie Hebdo‘ weiter an. Viel Kritik erntete die Zeitung nach dem Tod von 13 französischen Soldaten in Mali vor Wochen, als sie makabere Karikaturen mit Werbesprüchen der Armee veröffentlichte. ‚Ich schütze mein Land und komme in meinem Leben voran‘, heißt es über der Zeichnung eines Skeletts in französischer Uniform. Bitterböser Humor, das ist seit 1970 das Markenzeichen von ‚Charlie Hebdo‘. Sie ging aus der Satirezeitung ‚Hara Kiri‘ hervor, die nach einem Titel zum Tod von Republikgründer Charles de Gaulle verboten wurde. ‚Es gibt keine Zensur in Frankreich‘, hieß die ironische Schlagzeile auf der ersten Ausgabe von ‚Charlie Hebdo‘ im November 1970 (…)“ • https://t1p.de/0ghh

07.01.2019 • WDR 2 Radio – Stichtag:
7. JANUAR 2015 – ANSCHLAG AUF „CHARLIE HEBDO“ IN PARIS • 4 min • von Frank Zirpins • „Paris, 7. Januar 2015: Wie jeden Mittwochmorgen trifft sich die Redaktion der Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ zur wöchentlichen Konferenz. Fast die gesamte Redaktion ist versammelt, als sich zwei Attentäter Zugang verschaffen. Vor dem Redaktionsgebäude zwingen zwei schwerbewaffnete Männer eine Zeichnerin der Zeitschrift, den Code für das Türschloss einzugeben. Danach erschießen die Vermummten zwölf Menschen (…)“ • https://t1p.de/v67j (Audio-Datei online bis 04.01.2030)

07.01.2019 • Frankfurter Rundschau:
DER TAG, AN DEM DAS LACHEN VERGING • 1100 Wörter • von Harry Nutt • „(…) Zur Erinnerung an das Massaker bei ‚Charlie Hebdo‘, an das sich der Angriff eines weiteren Täters auf einen jüdischen Supermarkt im Südosten von Paris anschloss, gehört unbedingt auch die Frage nach dem aktuellen Zustand von Kunst- und Meinungsfreiheit. Sie wird gern als unverzichtbarer zivilisatorischer Wert beschworen, aber wie die Geschichten von ‚Charlie Hebdo‘ und Kurt Westergaard zeigen, allzu häufig einer Rhetorik der Relativierung unterworfen (…)“ • https://t1p.de/juqm

07.01.2019 • Die Welt:
„MAN LEBT MIT DEM GEFÜHL, DASS JEDERZEIT ALLES PASSIEREN KANN“ • 2000 Wörter • Martina Meister im Gespräch mit dem „Charlie Hebdo“-Herausgeber Riss alias Laurent Sourisseau • „(…) Wenn man eine Satirezeitschrift macht, muss man immer den Finger in die Wunde legen. Aber man hofft, dass man damit etwas bewegt. Man hat Hoffnung, auch wenn dieser Kampf einen langen Atem braucht. Ich sage dem Redaktionsteam oft: Bewahrt eure Kräfte, kämpft nicht an den falschen Fronten. Seid da, wenn’s drauf ankommt, und sagt euch, das ist kein Sprint, das ist ein Langstreckenlauf (…)“ • https://t1p.de/ovzw (kostenpflichtig)

07.01.2019 • rbb inforadio:
WENN EINE ZEICHNUNG ZUR BEDROHUNG WIRD • 5 min • Interview mit Romy Straßenburg • „Fünf Jahre sind seit dem Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ in Paris vergangen. Die Leichtigkeit sei dem Land seitdem abhandengekommen, sagt die ehemalige Chefredakteurin der deutschen „Charlie Hebdo“-Ausgabe, Romy Straßenburg“ • https://t1p.de/2ioo

07.01.2019 • DLF Kultur:
EINE KURZE ZEIT „VERLOGENER SOLIDARITÄT“ • 7 min • Moderator Dieter Kassel im Gespräch mit Tim Wolff, ehem. Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“ • „(…) Es habe damals in Deutschland für eine kurze Zeit eine ‚verlogene Solidarität‘ mit Satirikern und Komik gegeben, urteilt der Satiriker Tim Wolff, der 2015 Chefredakteur der Satirezeitschrift ‚Titanic‘ war und an dem Tag rund hundert Interviews zu dem Anschlag auf die Pariser Kollegen gab (…)“ • https://t1p.de/ipbw (Audio-Datei online bis 19.01.2038)

07.01.2019 • u. a. hr-INFO Radio:
CHARLIE HEBDO – FÜNF JAHRE NACH DEM ANSCHLAG – Prozess gegen Komplizen beginnt • 2 min • von Sabine Wachs • „(…) Meurisse ist froh, die Redaktion verlassen zu haben. Unter anderem der ständige Polizeischutz, unter dem Redaktionsleiter Riss und einige andere Zeichner der Zeitung noch immer stehen, habe sie zermürbt. Fünf Jahre nach dem Anschlag werden die Räume der Redaktion immer noch bewacht. Mehr als eine Million Euro pro Jahr kosten die Schutzmaßnahmen. Viel Geld für die Zeitung, deren Auflage wieder deutlich zurückgegangen ist. Für Redaktionsleiter Riss bedeutet der Polizeischutz aber auch die Freiheit, seinen Beruf als Zeichner weiter ausleben und so weiter für die Meinungsfreiheit kämpfen zu können (…)“ • https://t1p.de/rlue

07.01.2019 • rbbKultur, das Radio:
CHARLIE HEBDO: 5 JAHRE NACH DEM ANSCHLAG • 9 min • Moderatorin Britta Bürger im Gespräch mit Oliver Maria Schmitt, ehem. Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“ • „Heute vor fünf Jahren stürmten islamische Terroristen die Redaktion des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo in Paris und töteten elf Menschen, darunter einige der bekanntesten Karikaturisten Frankreichs. Inwieweit hat das die Satire und den Umgang mit ihr verändert? (…)“ • https://t1p.de/ysxp (Audio-Datei möglicherweise nur kurzzeitig online)

07.01.2019 • DLF – @mediasres:
VOR 5 JAHREN: ANSCHLAG AUF REDAKTION DES SATIREMAGAZINS „CHARLIE HEBDO“ • 4 min • Moderatorin Brigitte Baetz im Gespräch mit dem Frankreich-Korrespondenten Jürgen König • „(…) ’Charlie Hebdo‘ wurde zum weltweiten Begriff, aber das Interesse ließ bald auch wieder nach. Heute ist ‚Charlie Hebdo‘ in Frankreich, sagen wir, immer noch ein großer Name in der Medienlandschaft. Dieser Kampf der Redaktion um die Pressefreiheit, um die Meinungsfreiheit – dieses Beharren auf das ‚Wir machen weiter, wir lassen uns nicht einschüchtern’ – diese Haltung wird gewürdigt, sehr sogar. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass ‚Charlie Hebdo‘ im alltäglichen Medienleben Frankreichs keine große Rolle spielt, übrigens auch nie gespielt hat (…)“ • https://t1p.de/oqb3 (online bis 19.01.2038)

07.01.2019 • DLF – Kultur heute:
LITERATURKRITIKER: „CHARLIE HEBDO“-ATTENTAT HAT FRANZÖSISCHE LITERATUR GEPRÄGT • 7 min • Moderatorin Änne Seidel im Gespräch mit dem Literaturkritiker Dirk Fuhrig • „(…) ’Also man kann sagen, die zeitgenössische Literatur seit den Anschlägen ist schon, zumindest markant mitgeprägt worden von diesen Attentaten.‘ Auf die Frage, ob da ein neues Genre entstanden ist, antwortet Fuhrig: ‚Ich würde sagen, es ist eine Notwendigkeit gewesen, was den Zeitgeist geprägt hat, was diese Epoche geprägt hat. Auch, dass es viele Graphic Novels geworden sind ist interessant, hat natürlich damit zu tun, dass ‚Charlie Hebdo‘ eine Zeitung ist, die stark von Bildern lebt, die Mitarbeiter Comic-Zeichner sind’ (…)“ • https://t1p.de/8spl (online bis 19.01.2038)

07.01.2019 • Das Erste – Brisant:
FÜNF JAHRE NACH DEM ANSCHLAG BEI „CHARLIE HEBDO“ • 3 min • von Navina Lala • „Vor fünf Jahren wurde die französische Satire-Zeitung ‚Charlie Hebdo‘ zum Ziel von Terroristen. Auch heute noch ist die Erinnerung an den Anschlag in der Redaktion allgegenwärtig“ • https://t1p.de/xbz7 (online bis 14.01.2020)

07.01.2019 • dpa-Meldung, u. a. stuttgarter-zeitung.de:
FÜNF JAHRE NACH ATTENTAT – „CHARLIE HEBDO“-LEITER WARNT VOR ZENSUR • 300 Wörter • „(…) ’Wir haben die Angst überwunden, die sie versucht haben, uns zuzufügen‘, so Riss. Der Anschlag sei ein politisches Verbrechen gewesen, das diese Art von Humor verschwinden lassen sollte. Auf lange Sicht hätten die Terroristen aber verloren, sagte Riss. Am Dienstag gab es mehrere Gedenkveranstaltungen für die Toten des Anschlags. Vor den ehemaligen Redaktionsräumen von ‚Charlie Hebdo‘ in der Pariser Rue Nicolas-Appert wurde eine Schweigeminute abgehalten (…)“ • https://t1p.de/booy

07.01.2019 • ARTE – Journal:
FÜNF JAHRE NACH DEM ANSCHLAG BEI „CHARLIE HEBDO“ • 3 min • von Hérade Feist • „Fünf Jahre ist es her, dass zwei schwer bewaffnete Islamisten die Redaktion der Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo in Paris stürmten und 12 Menschen töteten. Sie bezeichneten ihren Anschlag als Vergeltung für Karikaturen des Propheten Mohammed – Auslöser neuer Diskussionen um Kunstfreiheit und religiöse Gefühle. Jetzt, wo die globale Solidaritätswelle mit den Karikaturisten verebbt ist, stellt sich die Frage nach dem Gleichgewicht zwischen Provokation und Selbstzensur neu“ • https://t1p.de/g3k4 (online bis 10.01.2022)

07.01.2019 • DLF Kultur – Fazit:
EINE KURZE ZEIT „VERLOGENER SOLIDARITÄT“ • 7 min • Moderatorin Sigrid Brinkmann im Gespräch mit Romy Straßenburg, der Ex-Chefin der deutschen Ausgabe von „Charlie Hebdo“ • „(…) Romy Straßenburg war Chefredakteurin der inzwischen eingestellten deutschen Ausgabe von Charlie Hebdo und lebt in Paris. Sie berichtet von der wechselnden Stimmung der Mitarbeiter der Zeitschrift: ‚Die Sicherheitsvorkehrungen und die Polizei erinnern immer wieder daran, dass man in einer permanenten Gefahr lebt. Es ist trotzdem eine Arbeit, die man jeden Tag machen muss.‘ So gewöhne man sich auch an die Absurdität der Situation (…)“ • https://t1p.de/2yx5 (Audio-Datei online bis 19.01.2038)

Mehrere Redaktionen griffen zudem das vor kurzem auch auf Deutsch erschienene neue Werk des ehemaligen „Charlie Hebdo“-Zeichners Luz in ihrer Berichterstattung auf, von dem der Reprodukt Verlag ein ganzes Kapitel in seinem Blog als Leseprobe online gestellt hat 

02.01.2019 • Frankfurter Allgemeine Zeitung:
NACH DREIMAL UNERWARTET FRÜHEM STERBEN • 1700 Wörter • Andreas Platthaus in einer Tripelrezension (mit „Sabrina“ von Nick Drnaso (Aufbau/Blumenbar) & „Das Licht, das Schatten leert“ (Edition Moderne) von Tina Brenneisen) über „Wir waren Charlie“ (Reprodukt) von Luz: „(…) Wieso dann nun mit ‚Wir waren Charlie‘ (im Original: ‚Indélébiles’ – Unauslöschliche), erschienen beim Reprodukt Verlag, der mittlerweile ersten deutschen Adresse für ‚Autoren-Comics‘, ein weiteres Buch aus seiner Feder zu diesem Thema? Weil Luz zwar immer noch unter Polizeischutz steht, aber so weit ins Leben zurückgefunden hat, dass er nun seine schönen Erinnerungen an zwanzig Jahre bei ‚Charlie Hebdo‘ aufgezeichnet hat (…)“ • https://t1p.de/tc33

05.01.2019 • dpa-Beitrag, u. a. Berliner Morgenpost, Schweriner Volkszeitung:
„WIR WAREN CHARLIE“: EIN BUCH GEGEN DAS VERGESSEN • 600 Wörter • Sabine Glaubitz über „Wir waren Charlie“ (Reprodukt) von Luz: „(…) Zu den Ereignissen, die Luz in Erinnerung ruft, gehört auch die Wiedergründung von ‚Charlie Hebdo‘ im Jahr 1992. Die Satirezeitschrift war zunächst 1970 aus dem verbotenen Magazin ‚Hara-Kiri‘ hervorgegangen und 1982 eingestellt worden. Zu den jungen Talenten, die in den 90er Jahren rekrutiert wurden, gehörte auch Luz, der aus der Provinzstadt Tours nach Paris kam. Seine damalige Begegnung mit Cabu, dem einstigen künstlerischen Leiter von ‚Charlie Hebdo‘, der bei dem Terroranschlag ums Leben kam, wird in dem Buch zu einem bewegenden Moment (…)“ • https://t1p.de/poz4

07.01.2019 • n-tv.de:
„CHARLIE HEBDO“ IST NICHT TOTZUKRIEGEN • 1050 Wörter • Markus Lippold über „Wir waren Charlie“ (Reprodukt) von Luz: „(…) Es sind Innenansichten, die Luz präsentiert, sicher sind etliche Insider-Gags darunter, auf jeden Fall viele Anspielungen auf die französische Politik, die deutsche Leser nur bedingt verstehen dürften. Interessant werden sie aber, wenn sie den speziellen ‚Charlie Hebdo‘-Humor transportieren. Und der ist provokant, bitterböse und kennt keinerlei Tabus. Das gilt vor allem für den persönlichen Umgang der Kollegen miteinander (…)“ • https://t1p.de/nyxc

07.01.2019 • intellectures:
UNAUSLÖSCHLICH! • 1050 Wörter • Thomas Hummitzsch über „Wir waren Charlie“ (Reprodukt) von Luz: „(…) Mit ‚Katharsis‘ hatte sich Luz schon das abhanden gekommene Zeichnen wieder angeeignet, was ihm fehlte, war die Leichtigkeit. Die ist nun in ‚Wir waren Charlie‘ wieder da. Es ist ein Vergnügen, ihm dabei zu folgen, wie er den gesammelten Überresten von Radiergummis nachspürt und die Bilder in seinem Kopf, ‚die wiederkommen und sich stapeln wie in einem Kopierer‘ sichtbar macht (…) Denn es sind Bilder der Freude, die zeigen, was Charlie und die Arbeit in dieser Redaktion mit diesen Menschen ausgemacht hat (…)“ • https://t1p.de/huj9