Schluss nach 35 Jahren – „Alles kommt, wie’s kommen muss“

Schluss mit Comicplus. Nach 35 Jahren schließt der Verlag, der seit jeher von Eckart Sackmann und Peter Hörndl geführt wird, nun zum Jahresende weitgehend seine Pforten. Zu diesem Anlass hat Sackmann den Werdegang des Verlages in den letzten zehn Jahren schlaglichtartig in diesem Sekundärband festgehalten, was dem Leser zu jeder Zeit einen interessanten Einblick in das Verlagsgeschehen liefert. Wer die ganze Geschichte von Comicplus erfahren will – zum 25. Jubiläum gab es einen ähnlichen Band (ganz bescheiden mit „Die Comics mit dem großen Plus+“ benannt), der einen Rückblick auf die ersten 25 Jahre liefert.

Bereits vor vier Jahren kündigten Sackmann und Hörndl das Ende ihres Verlages an. Nun ist es bald so weit – die letzten Titel sollen im Herbst/Winter 2020 erscheinen. Danach geht es eventuell sporadisch weiter, auf jeden Fall führt Eckart Sackmann seine hochinteressante Reihe „Deutsche Comicforschung“ fort. Auch das kostenlose „comics info“-Heftchen erscheint vorerst weiter und dient dem Verlag als Werbeträger für seine (Lager-)Titel.

Eckart Sackmann: „Alles kommt, wie’s kommen muss. 35 Jahre Verlag Sackmann und Hörndl“.
Comicplus, Leipzig 2020. 56 Seiten. 15 Euro

Comicplus begegnete mir erstmals in Form der Science-Fiction-Serie „Im Schatten des Neumonds“ von Cothias und Adamov (ab 1988) und „Arno“ von André Juillard (ab 1987), der dann auch in Erlangen zu Gast am Stand des Verlages war und seine Reihe signierte. Die Softcover-Alben sahen im Layout und in der Aufmachung den Carlsen Alben zum Verwechseln ähnlich – kein Wunder, war Sackmann zuvor für Carlsen tätig. Hier schildert er, wieso man später von Soft- auf Hardcover umstieg und dann auf die Gesamtausgaben, die den Verlag seit einigen Jahren prägen.

Neben den charakteristischen frankobelgischen Serien gab es auch immer wieder ungewöhnliche Publikationen aus anderen Comic-Dunstkreisen, auch aus Deutschland. In erster Linie fällt hier die „Winnetou“-Ausgabe ins Gewicht, eine Gesamtausgabe aller von Helmut Nickel geschaffener Lehning-Abenteuer des edlen Indianers. Die drei Bände (später folgte noch eine „Volksausgabe“) wurden im gleichen Design wie die berühmten Karl-May-Bände der „Grünen Ausgabe“ gestaltet und entpuppten sich als großer Erfolg – man erinnert sich noch mit gemischten Gefühlen an den inflationären Preisanstieg während des Comic-Salons…

Auch Innerbetriebliches kommt in dem Band zur Sprache. Der rechtzeitige Vertriebswechsel von MSW zu PPM, ebenso wie der Wechsel der Druckerei, die nun in Zwickau ansässig ist. Das Hauptaugenmerk liegt aber bei den Publikationen und hier v. a. auf den Gesamtausgaben, die im einheitlichen Layout ab 2014 in den Mittelpunkt rückten und den Verlag bald zu einem reinen Gesamtausgaben-Verlag machen sollten. Auch gescheiterter Projekte werden angesprochen: „Westminster“ oder „Caroline Baldwin“ erschienen nicht als GA (wie übrigens auch „Im Schatten des Neumonds“ nicht – „Arno“ dagegen trotz aller Widrigkeiten erst im letzten Jahr). Die Bücher wurden mit selbst erstelltem Sekundärmaterial angereichert (zu dem natürlich auch die Autoren und Zeichner beitrugen) – auch eine Besonderheit der Veröffentlichungen, so betrieb Eckart Sackmann oft einen nicht unerheblichen Aufwand und reiste beispielsweise für „Giacomo C.“ nach Venedig oder besuchte für „Arno“ die „Originalschauplätze“ in Ägypten.

Beim Comic-Salon in Erlangen sollte dieses Jahr ein letzter Messeauftritt mit dem inzwischen charakteristischen Stand erfolgen. Daraus wurde aus bekannten Gründen leider nichts. So bleibt dieser Band aus dem Innenleben eines Verlages, natürlich subjektiv geschildert, sowohl mit Eigenlob als auch Selbstkritik bedacht (wobei Co-Gründer Peter Hörndl wie immer im Hintergrund bleibt). Mit allen Vorzügen und Schwierigkeiten eines Zwei-Mann-Betriebs, stets eine Balance zwischen machbarem finanziellem Aufwand und bestmöglicher Qualität zu finden. Was meist gelungen ist. Zwar waren die Gesamtausgaben (oft mit nur zwei Einzel-Alben gefüllt) anfangs preislich ambitioniert, fügen sich aber inzwischen in das heutige Preisniveau ähnlicher Veröffentlichungen. Ab und an werden wir wohl von dem ältesten personengeführten Comicverlag in Deutschland noch etwas hören.

Dieser Text erschien zuerst auf: Comicleser.de

Bernd Weigand ist schon über vier Jahrzehnte in Sachen Comics unterwegs: lesen, sammeln, übersetzen. Schreibt auch seit 20 Jahren über Comics, seit 2010 auf comicleser.de.