Zu den schlimmsten Qualen der Schulzeit gehört der Matheunterricht. Das muss nicht so sein, meint die Comiczeichnerin Lara Swiontek. Zusammen mit der Autorin Bettina Schaefer hat sie dem Mathelern-Comic „Schweinmaleins“ für Grundschulkinder gezeichnet.
Es gibt zwei Strategien, die dafür sorgen, dass Kinder – und alle anderen, die anfangen wollen Mathe zu verstehen – diesen Comic nicht gleich wieder aus der Hand legen: eine lustige Geschichte, die an die Erfahrung von Grundschulkindern anknüpft. Und Matheaufgaben, die so richtig aus dem Leben gegriffen sind. Was macht man zum Beispiel, wenn der Kiosk-Verkäufer im Freibad sagt, dass Geld reicht nur für drei Schokoriegel, aber man ist sicher, dass es für vier Riegel reicht? Genau, man rechnet.
Wie man rechnet, das erklärt der Comic auf ähnliche Weise, wie die Lehrbücher der Kinder. Das Geld liegt zum Beispiel gut sichtbar in der Hand, ist also nicht abstrakt. Damit fällt schon mal das Überschlagen einfacher, das zum Schulstoff gehört. Mit solchen konkreten Bildern wird der Zahlenraum bis 20 nachvollziehbar, aber eben auch das Addieren von Kommazahlen oder das Multiplizieren von Brüchen.

So richtig dran bleiben Kinder aber wohl vor allem wegen der Geschichte von Marlies, die in der Schule in Mathe einfach nicht mitkommt und deshalb voller Wut ihr Mathebuch wegschmeißt – das sich ein matheverrücktes Wildschwein unter den Nagel reißt. Die Mischung aus Wut und dem Schreck, als das Buch unwiederbringlich verloren scheint, wirkt herrlich authentisch. Und wird mit einer rasanten Verfolgungsjagd durch den Wald aufgelöst, bei der das Schwein am Ende vor einer Jägerin gerettet werden muss.
Das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, in der die beiden zum Beispiel ausrechnen, wie viele Rollen ein Flaschenzug braucht, damit man damit einen Erwachsenen von einem Hochsitz retten kann. Lara Swiontek erzählt diese Mathegeschichte in warmen, bunten Farben und mit einer Liebe zur Natur, die einen Gegensatz zu den frustrierenden Anforderungen der Schule darstellt.
Der Comic ist empfohlen für Kinder ab 6 Jahren – und damit sind wohl matheverrückte Kinder gemeint, die Lust haben, sich schon mal selbst all das anzueignen, was sie in der Grundschule lernen werden. Für Erwachsene ist das Buch spannend, weil sie damit nochmal all das rekapitulieren können, was schon mal gelernt wurde. Und wenn man erkennt, wie einfach das Multiplizieren mit Brüchen ist, weil der Multiplikator in einem einfachen, schönen Bild auf den Bruchstrich zum Zähler wandert, dann macht das einfach Spaß.

Und genau dieses Visualisieren hilft auch Kindern, denen das Rechnen schwerer fällt. Die Rechenschritte werden immer wieder in einfache Bilder zerlegt und mit lebensnahen Herausforderungen verknüpft. Zum Beispiel, wenn das Schwein darüber nachdenkt, wie viel Eicheln übrig bleiben, wenn es die mit anderen teilen muss, sowohl mathematisch als auch sozial. Und es macht Spaß zu sehen, dass auch das Schwein mit gespaltenen Gefühlen darüber nachzudenken scheint.
„Schweinmaleins“ macht Mathematik auf unterhaltsame Weise anschaulich, indem es die didaktischen Strategien der Schulbücher aufgreift. So können Kinder ihre Fähigkeiten vertiefen, ohne verwirrt zu werden. Allerdings: Kinder riechen oft 100 Meter gegen den Wind, wenn man ihnen in bester pädagogischer Absicht lustige Geschichten zukommen lässt, und meistens haben sie dann aus Prinzip schon keine Lust darauf. Vermutlich wirkt dieses Buch also am besten, wenn man damit nicht allzu viel erreichen will. Dann kann Mathe zu dem werden, was es ist: etwas Alltägliches, das Spaß machen kann.
Dieser Beitrag erschien zuerst am 30.09.2026 auf: radio3 rbb
Bettina Schaefer (Autorin), Lara Swiontek (Zeichnerin): Schweinmaleins • Reprodukt, Berlin 2026 • Hardcover • 136 Seiten • 20,00 Euro
Andrea Heinze arbeitet als Kulturjournalistin u. a. für kulturradio rbb, BR, SWR, Deutschlandfunk und MDR.

