Kritik



Flucht vor den Nazis – „Kinderemigration aus Frankfurt am Main“

In der 2021/2022 präsentierten Ausstellung „Kinderemigration aus Frankfurt am Main“ wurden beispielhaft die Biografien sechs jüdischer Kinder aufgearbeitet, die aus Nazi-Deutschland fliehen mussten. Der Ausstellungskatalog enthält auch Comic-Beiträge, u. a. von Birgit Weyhe und Sascha Hommer
Von JONAS ENGELMANN



Durchhalten im MAGA-Land – „Kaputt“

In ihrem neuen autofiktionalen Meisterwerk „Kaputt“, das den Alltag einer queeren Community in einem Provinznest vor der Wahl von Donald Trump zeigt, spricht Alison Bechdel mit viel (Galgen-)Humor über das Elend des Kapitalismus. Der Comic ist für den diesjährigen Max-und-Moritz-Preis nominiert
Von ANDREA HEINZE





Imagination oder Realität – „Blutsauger“

Ist der Nachbar nur oldschool oder etwa ein aktiv tätiger Vampir? André Breinbauers Graphic Novel „Blutsauger“ kombiniert Wiener Charme mit düsterer Spannung. Der Band ist für den diesjährigen Max-und-Moritz-Preis nominiert
Von CHRISTOPH HAAS




Stress von oben – „Königin der 1000 Jahre“

So schnell kann’s gehen: Gestern noch die Schulbank gedrückt, heute schon im Weltall unterwegs. Carlsen veröffentlicht Leiji Matsumotos 80er-SF-Klassiker „Königin der 1000 Jahre“, der von Toei Animation als Anime-Serie adaptiert wurde
Von ANDREAS GRABENSCHWEIGER


Avantgarde des Groschenromans – Loustal zeichnet Simenon

Der belgische Autor Georges Simenon ist ein Phänomen der Literatur-Geschichte. Ein Comic, gezeichnet von dem französischen Altmeister Loustal, erzählt die frühen Jahre des Autors. Die Zeit der wilden 1920er in Paris, in denen Simenon Erotik-Storys am laufenden Band produzierte und ein Liebhaber von Josephine Baker war
Von MAX BAUER



Machtspiele – „Bunny war böse“

Das Setting klingt verheißungsvoll: drei Freundinnen, ein Lottogewinn und die Hoffnung auf Freiheit. Doch die Berliner Comic-Künstlerin Lilli Loge macht daraus eine fein beobachtete Beziehungsstudie, die nicht nur ernüchternd endet, sondern auch noch voller Erotik steckt
Von ANDREA HEINZE


Ran an den Speck – „Fleischeslust“

Martin Oesch schlägt in „Fleischeslust“ den Ton all der unerschrockenen Bauernwelt-Erzähler vergangener Epochen an. Sein Comic-Debüt wurde für den diesjährigen Max-und-Moritz-Preis nominiert
Von ALF MAYER




Schädellehre – „Der Totenkopf aus Schweden“

Philosophiegeschichte mit viel Humor: In ihrem neuen Comic „Der Totenkopf aus Schweden“ setzt Comiczeichnerin Daria Schmitt den noch lebenden Schädel von René Descartes mit den in der Pariser Galerie für Paläontologie ausgestellten Wirbeltier-Exponaten an einen runden Tisch und lässt sie über den Unsinn seiner Tiermaschinen-Theorie streiten
Von BERND WEIGAND


Trumps USA, SF-Epen und Serienmörder-Soziogramme

Alison Bechdel zeigt, wie sich als queerer Mensch ein Leben in rechten Zeiten anfühlt, Philippe Cazas „Die Welt von Arkadi“ erscheint erstmals komplett, und gleich zwei Serienkiller-Comics verraten viel über das Jahrzehnt, in dem sie spielen. Eindrucksvolle, liebenswerte, diskutable Phantastik-Comics der letzten Monate
Von SVEN JACHMANN



The Memory Remains – „Strange Natives“

Die Comickünstler Jerico Marte und Paolo Herras zeigen in „Strange Natives“ den visuellen Stream of consciousness einer alten philippinischen Frau, in dem sich die Zerrissenheit ihres ganzen Landes ausdrückt
Von ANDREAS GRABENSCHWEIGER


Bemühen um Klarheit – „Spielberg“

Nach Quentin Tarantino und Martin Scorsese nähert sich der französische Comiczeichner Amazing Ameziane in „Spielberg“ dem Wegbereiter des Blockbuster-Kinos
Von WOLFGANG NIERLIN




Zwischen Slapstick und Tex Avery – „Red“

Josephine Mark hat sich vorgenommen, zehn Comics in unterschiedlichen Genres zu zeichnen. Nach einer Westernparodie, einem Road-Trip und einem Kindercomic legt die mehrfach ausgezeichnete Comic-Künstlerin jetzt einen Krimi vor: In „Red“ geht es um einen lang zurückliegenden Mord, auf dessen Fährte ein dreibeiniger Hund gerät
Von ANDREA HEINZE




Am Anfang war die Wüste – „Die hermetische Garage“ von Moebius

Moebius hat die Grenzen der Science Fiction verschoben wie kaum ein anderer. Und nicht erst mit dem „Incal“. Seine Serie „Die hermetische Garage“ lässt dem psychedelischen Geist der 1970er Jahre freien Lauf. Eine Story aus diesem Zyklus kann man nun zum ersten Mal auf Deutsch lesen
Von MAX BAUER







Die Gegenwart der Vergangenheit – „Baumschatten“

Ein Baum soll auf einem Berliner Schulhof gefällt werden, und schon gibt es Aktivisten, die sich für diesen Baum interessieren. Um diesen Grundkonflikt hat Joris Bas Backer den Comic „Baumschatten“ gezeichnet, der deutlich macht, wie komplex politisches Engagement sein kann
Von ANDREA HEINZE




Ein toller Käfer – „Plastok“

In Maud Michels und Nicolas Signarbieux‘ Trilogie „Plastok“ ist die Erde nur noch von Insekten bevölkert, die in Staaten leben und den mehr oder minder vergötterten Menschen nacheifern
Von KLAUS N. FRICK


Das Fleisch und das Kino – „Krimi“

In „Krimi“ nähern sich die französischen Comic-Künstler Alex W. Inker und Thibault Vermot Fritz Langs berühmtem Spätwerk der Weimarer Republik „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ mit dokumentarischem Spürsinn und erzählerischen Freiheiten
Von WOLFGANG NIERLIN