Im siebten Band der eigentlich in London angesiedelten „Malcolm Max“-Mysteryreihe überraschen Zeichner Ingo Römling und Autor Peter Mennigen mit einem veritablen Zeitreise-Szenario.
Nach fast drei Jahren erscheint ein neues „Malcolm Max“-Album, womit der monumentale Cliffhanger aus Band 6 („Der Kannibale von London“) endlich aufgelöst wird. Was war passiert? Um seine todkranke Tochter zu retten, baute der Physiker Professor Sinclair eine Zeitmaschine, die nun irreparabel zerstört ist. Sinclair ist tot, und sowohl das monströse Etwas, das als Energiequelle diente, als auch Charisma und die Finch-Schwestern Emmeline und Miranda wurden von der Zeitmaschine erfasst und an einen unbekannten Ort in eine unbekannte Zeit geschleudert. Band 7, „Am Ende der Zeit“, schildert nun in zwei parallelen Handlungssträngen, wie es Malcolm im Jahr 1889 ergeht und was mit Charisma, Emmeline und Miranda geschehen ist.
Die finden sich nämlich gar nicht allzu weit in der Zukunft wieder, dafür weit von London entfernt: 1895 im heutigen Gabun in Afrika. Dort treffen sie auf die britische Abenteuerin und Reiseschriftstellerin Mary Henrietta Kingsley, die die drei Gestrandeten zurück in die Zivilisation geleiten will. Gleichzeitig, sechs Jahre früher, begegnen wir einem Malcolm Max, der seine Mitstreiterinnen unwiderruflich im Strom der Zeit verschwunden glaubt, deshalb den ansonsten distinguierten Gentleman beiseitelässt und sich in einer Spelunke gehörig die Kante gibt. Bis er unversehens Bekanntschaft mit den Zeitwächtern macht, die ihn für Verstöße gegen die Gesetze der Zeit aburteilen wollen…

Der Band zeigt völlig neue und ungewöhnliche Schauplätze für die Serie, die ihre erzählerische Dichte bisher in erster Linie aus dem viktorianischen London speist. Das fehlt hier völlig. Stattdessen bestreiten Malcolm (der zum ersten Mal nicht auf dem Cover vertreten ist) und Charisma die Geschichte getrennt, räumlich wie auch zeitlich. Malcolm macht in einer nicht näher benannten astralen Sphäre nicht nur Bekanntschaft mit den Zeitwächtern, sondern auch mit der Zeit als Wesenheit an sich, was zwar recht abstrakt und surreal klingt und auch ist, andererseits aber von Ingo Römling beeindruckend und fantasievoll bebildert wird. Bei Charisma im afrikanischen Dschungel ist zumindest das Setting greifbarer (Mary Kingsley, ihre neue Bekanntschaft, ist eine historische Figur), wenn auch hier eine scheinbare übermächtige Gefahr auftaucht (als optische Mischung aus Alien und Marvels Venom), der man sich stellen muss.
So enthält der Band, diesmal auf 64 Comicseiten (und einem achtseitigen Blick hinter die Kulissen), auch durchaus sperrige Sequenzen, besonders für Malcolm in seiner Sphäre, in der alles möglich ist. Aufgrund der Trennung von Charisma und den Finch-Schwestern entfallen die gewohnt süffisanten Dialoge (die beispielsweise im letzten Album die Schein-Verlobung als Running Gag aufgriffen), wobei Autor Peter Mennigen als „Ersatz“-Malcolm zwei neue und gleichzeitig alte Mitstreiter zur Seite stellt. Mit dem Finale, das auch einen kleinen Twist bereithält, ist dann wieder alles im Lot, auch die Zeit. Der Zweiteiler ist damit abgeschlossen, das Warten auf Band 8 kann beginnen. Dann bitte wieder mit mehr London.
Dieser Text erschien zuerst auf: Comicleser.de
Peter Mennigen (Autor), Ingo Römling (Zeichner): Malcolm Max. Band 7 – Am Ende der Zeit • Splitter Verlag, Bielefeld 2026 • 72 Seiten • Hardcover • 19,80 Euro
Bernd Weigand ist schon über vier Jahrzehnte in Sachen Comics unterwegs: lesen, sammeln, übersetzen. Schreibt auch seit 20 Jahren über Comics, seit 2010 auf comicleser.de.

