Im Rahmen der „Absolute“-Reihe von DC setzen Autor Al Ewig und Zeichner Jahnoy Lindsay bei Green Lantern alles auf Anfang, mit viel Inspiration aus den „Alien“-Filmen.
Schlimme Dinge tragen sich zu in Evergreen: Ein verwirrter Hal Jordan wird am Straßenrand aufgegriffen, seine Hand führt als monströses Wesen ein Eigenleben und tötet einen Polizisten. In einem nahegelegenen Diner flimmern apokalyptische Szenen über den Schirm: Evergreen ist verwüstet und menschenleer, ein gewisser Abin Sur scheint für das Chaos verantwortlich.
Rückblende, fünf Tage vorher: Hal Jordan handelt mit Sammlerstücken für Nerds, John Stewart ist Architekt, und die junge Jo Mullein ist frisch geschieden gerade aus Coast City zurückgekehrt. Gemeinsam erleben sie, wie sich ein grünes Kraftfeld über Evergreen senkt und ein phantastisches Wesen, das sich Abin Sur nennt, in seinen eigenen Worten nun über die Menschen „urteilen“ will. Als Hal eine Waffe auf das Alien richtet, frisst die grüne Energie die Pistole auf und verschmilzt sie mit der Hand, die alles Licht verschlingen will und Hals Geist immer wieder kontrolliert. Nachdem die Stadt mehr und mehr entvölkert ist, findet John heraus, dass das Kraftfeld von Objekten, die aus Gold bestehen oder goldene Farbe aufweisen, durchdrungen werden kann.
Als John kurz darauf von Abin Sur getötet wird, stellt Jo Mullein den Unhold zur Rede: Abin Sur behauptet standhaft, er habe niemanden getötet, sondern nur an einen Ort namens Omega Alpha für die weitere Aburteilung transportiert. Als Jo den Alien berührt, kommt es zu einer gewaltigen Kettenreaktion: Jo mutiert zur Green Lantern, Abin Surs Schiff stürzt ab – und in all dem Chaos schwebt per Hubschrauber ein interessierter Dritter namens Hector Hammond ein.

In ihrem Beitrag zur „Absolute“-Reihe aus dem Hause DC toben sich Autor Al Ewing (u. a. auch „Der sterbliche Thor“) und Zeichner Jahnoy Lindsey genauso nach Herzenslust aus wie andere Teams mit den „absoluten“ Versionen von Batman, Superman und Martian Manhunter. Das Grundkonzept, dass in einer von Darkseid geschaffenen Alternativwelt alles anders ist, nutzt Ewing für eine durchaus finstere Neuordnung von Motiven und Figuren aus dem Green-Lantern-Universum. In der Silver-Age-Inkarnation waren die Abenteuer von Hal Jordan, der vom sterbenden Alien Abin Sur den Ring der Wächter von Oa übernahm, meist bunte Space Opera, das Green Lantern Corps schützte in jeder erdenklichen Form den Frieden im Universum (bei der Golden-Age-Lantern Alan Scott bezog der Ring seine Kraft ja noch aus Magie, die Schwäche bestand gegen Holz, später erst gegen die Farbe Gelb).
Ewing baut hieraus eine dunkles Stück SF-Horror, in dem Abin Sur alles andere als wohlwollend ist, sondern wie der Teufel über die Menschheit herfällt, Oa ein Paralleluniversum à la Phantomzone ist und spätere Hauptcharaktere wie der aufmüpfige Guy Gardner (mit charakteristischem Topfschnitt zuletzt auf der Leinwand in James Gunns „Superman“-Ausflug zu bestaunen) als aufrichtiger Sheriff ein jähes Ende finden. Mit Sojourner „Jo“ Mullein präsentierte DC 2019 in der Miniserie „Far Sector“ die erste queere Green Lantern, während John Stewart schon 1971 als erste schwarze Lantern debütierte, die wie Guy Gardner nur als Vertretung von Hal Jordan agierte. Diese Mitglieder des Green Lantern Corps wirft Ewing nun in den Horror-Mixer, dazu mit Hector Hammond noch einen alten Gegenspieler der Silver-Age-Lantern, der ganz ohne Mutation als Industrieller vom Schlage eines Lex Luthor auftritt.
Vor allem in den Gefechtsszenen geht es durchaus deftig zu. Lindsey inszeniert das Geschehen wie eine Mischung aus Albtraum und „Alien“-Film – gutmütig ist hier niemand, die Aliens sind fies, und die Menschen wie Hammond keinen Deut besser. Das ist eine durchaus furiose Neuinterpretation eines Helden, der schon in den frühen 70ern einmal erfolgreich weg vom Saubermann hin zum Hard Travelling Hero uminterpretiert wurde. Der vorliegende Band 1 der Reihe enthält die US-Hefte „Absolute Green Lantern“ 1-6 von 2025, ergänzt durch Heft 1 von „Absolute Evil“. Die für Sammler aufgelegte Hardcover-Variant-Ausgabe ist bereits vergriffen, Band 2 der Reihe ist hingegen schon erhältlich. Ach ja, dass auch ein Bully-Bus bisweilen „absolut“ sein konnte, das gehört nicht ins DCU, ist aber so.
Dieser Text erschien zuerst auf Comicleser.de.
Al Ewig (Autor), Jahnoy Lindsay (Zeichner): Absolute Green Lantern. Band 1: Die schwarze Hand • Aus dem Englischen von Carolin Hidalgo • Panini, Stuttgart 2026 • 192 Seiten • Softcover • 27,00 Euro
Holger Bachmann ist Autor diverser Bücher und Aufsätze zur Film- und Literaturgeschichte. Neben Comicleser.de schreibt er auf kühleszeug.de über Konzerte und geistvolle Getränke.

