ROSA UND LOUIS: Geisterstunde

Die kleine Rosa hat nur Flausen und Zauberei im Kopf, eben genau so, wie es sich für eine Achtjährige gehört. Ihr großer Bruder Louis ist schon zwölf, also fast erwachsen und möchte sich deshalb eigentlich auch lieber mit Erwachsenensachen beschäftigen. Die Familie der beiden Geschwister zieht in den gruselig-gemütlichen Landsitz ihrer Oma, weil die gute Frau immer häufiger Sachen vergisst und durcheinanderbringt. Es gibt Menschen, die sagen, dass Oma wieder mehr wie ein Kind wird. Was dafür spricht, ist die Tatsache, dass sie die einzige im Haus außer Rosa und Louis ist, die auch die vielen Geister sehen kann, die dort so herumspuken. Aber keine Angst, die ehemaligen Prinzessinnen und Ritter sind ausgesprochen freundliche Gespenster und haben manchmal sogar selbst Angst, wenn draußen so ein richtiges Unwetter tobt.

Die herzigen Episoden um die beiden aufgeweckten Kids und ihre ektoplasmatischen Freunde können kleine und große Leser monatlich seit 2016 in „Dein SPIEGEL“, dem Junior-Ableger des bekannten Magazins nachlesen. „Rosa und Louis“-Autor und -Künstler Ferdinand Lutz erzählte dort zuvor die Abenteuer von Lara und ihrem außerirdischem Nachbarn „Q-R-T“,  die ebenfalls in zwei Bänden beim Berliner Verlag Reprodukt erschienen sind. Überhaupt sollte es nach den Mumins, dem kleinen Strubbel oder der bald auch als Netflix-Format umgesetzten Geschichten von Hilda keinen Zweifel mehr daran geben, dass die Bildergeschichten-Schmiede aus Berlin nach wie vor Deutschlands erste Adresse ist, was Comics für die Kleinen angeht.

„Geisterstunde“, so der Titel des ersten „Rosa und Louis“-Bandes, ist ein perfektes Beispiel für dieses Sortiment. Charmant, unhysterisch, dabei aber nie langweilig oder altbacken, erzählt der hübsche kleine Hardcover-Band seine manchmal lehrreichen, immer putzigen, aber nie kalkuliert kitschigen Episoden stets auf Augenhöhe der kleinen Adressaten und vollbringt dabei sogar das Kunststück, ein so schweres, emotional belastetes Thema wie Demenz auf ganz wenige Sätze zu reduzieren, die keinen Zweifel am Ernst der Lage lassen, den Fokus aber immer auf den Silberstreif am Horizont legen. Chapeau!

Auch intellektuelle Eltern, Großeltern oder Paten, die ihren geliebten Nachwuchs mit skandinavischem Doppelnamen nicht der frühkindlichen Verrohung durch vermeintliche Schundliteratur aussetzen wollen dürfen beruhigt aufatmen und ein „Rosa und Louis“-Buch verschenken. Denn die Gespenster im Gruselhaus von Omi sind so steinalt, dass sie den beiden auch jede Menge alt aber klug klingende Wörter beibringen. Das ist nicht nur obercool, sondern auch „formidabel“ und „imposant“.

Ferdinand Lutz: Rosa und Louis 1: Geisterstunde. Reprodukt, Berlin 2017. 64 Seiten, Hardcover, 12,00 Euro.