Comicverfilmungen in Deutschland – Teil 3 Oder: Als Dirk Bach beinahe der erste deutsche Superheld geworden wäre

Seit 1977 schrieb der Schriftsteller und Comicautor Peter Mennigen zunächst deutsche Geschichten für Comicreihen wie „Gespenster Geschichten“, „Spuk Geschichten“, „Conny“, „Biggi“, „Vanessa“, „Felix“, „Lasso“, „Phantom“, „Axel F.“ und zahlreiche weitere Serien des Bastei Verlags. Ab den 90er Jahren arbeitete er für andere Verlage wie Egmont (Disney-Magazine), Panini (Jessy, Sternentänzer, Willi will‘s wissen) und Ravensburger (u.a. Fix und Foxi). In dieser Zeit verfasste er auch internationale Comics: „Lucky Luke“, „Schlümpfe“, „Bessy“ und „Isnogud“. Aktuell arbeitet er zusammen mit Ingo Römling an der Mystery-Steampunk-Serie „Malcolm Max“. Für comic.de blickt er in unregelmäßigen Abständen zurück auf seine Arbeit im deutschen Comicverlagsgeschäft.

Hier findet sich der 1. Teil, hier der 2.

Im Herbst 2004 wäre das Undenkbare beinahe Wirklichkeit und der erste deutsche Superheldenfilm namens „Bee-Man“ gedreht worden. Dabei handelte es sich zwar weniger um eine Comicverfilmung, sondern mehr um ein Beispiel, welche Ressentiments in den deutschen Fernsehanstalten gegenüber dem Filmgenre herrschten.

Die Geschichte von „Bee-Man“ begann für mich mit einem Anruf des Kölner Fernsehproduzent Jacky Dreksler. Seine Firma „Pacific Production“ hatte unter anderem die Kult-Comedy-Serie „RTL – Samstag Nacht“ auf die Bildschirme gebracht. Außerdem schrieb Jacky Dreksler in den 1980er und 1990er Jahren die Sprechblasentexte der „Biggi“-Comics von Bastei, deren Skripte ich verfasst hatte. Nachdem die beiden ersten Superheldenverfilmungen von „X-Men“ und „Spider-Man“ astronomische Einspielergebnisse erzielt hatten, plante Jacky Dreksler die Produktion eines Superhelden-Fernsehfilms: „Bee-Man“. Hauptdarsteller sollte der großartige (leider im Oktober 2012 verstorbene) Dirk Bach sein. Aufgrund seiner kleinen, etwas rundlichen Statur widersprach er jedem gängigen Superheldenklischee. Woraus bereits ersichtlich war, dass die Story nicht bierernst angelegt sein würde. Seine Herkunftsgeschichte weist einige Parallelen zu „Spider-Man“ auf. Allerdings wird unser Held nicht von einer radioaktiven Spinne gebissen, sondern von einer – mit einer speziellen Bienen-DNA geklonten – Hornisse gestochen. Auf die Weise wird er zum „Bienen-Mann“, dem „Bee-Man“.

Während Jacky Dreksler mit mir an einem detaillierten Exposé der Pilotstory arbeitete, suchte er gleichzeitig nach einem Fernsehsender, der das Projekt finanzierte und ausstrahlte. Wobei „sein Haussender“ RTL die erste Wahl war. Wie es unserem Projekt dort erging, erzählt Jacky Dreksler am besten selbst:

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Sterben ist leicht – Comedy ist schwer
Von Jacky Dreksler

Alle Menschen haben die angeborene Fähigkeit, gute Comedy zu machen. Sie verlieren diese Gabe aber sofort, wenn sie Fernsehredakteur werden.

Gut, ich habe übertrieben – aber nicht viel. Ich habe kreative und furchtlose Fernsehbosse kennengelernt, darunter den damaligen RTL-Programmdirektor Marc Conrad und seinen Chef Dr. Helmut Thoma, die mit innovativen und frisch-frechen Programmideen RTL in den Neunzigern zu dem machten, was es heute ist. Darunter „Alles nichts oder?“, eine Formatidee meines Freundes Hugo Egon Balder und mir. Aber neben solchen Filetstücken gab es in den Redaktionen aller Sender auch viel Sitzfleisch, das irgendwo auf dem Gradienten zwischen Würstchen und Gehacktem seinem Verfallsdatum entgegengammelte oder schon wehmütig darauf zurückschaute.

Für das Expertenauge sicher unschwer erkennbar: Links unser Held aus deutschen Landen, rechts sein amerikanisches Gegenstück.

„Bee-Man“ sollte 1994 mein erster Film werden, nachdem ich für verschiedene Sender über 600 Comedy-Sendungen produziert hatte, darunter in fünf Jahren 150 Folgen „RTL Samstag Nacht“ (mit meinem Co-Produzenten Hugo Egon Balder).

Wieso „Bee-Man“? Die Superheldenfilme „X-Men“ und „Spider-Man“ hatten gerade weltweit Erfolge gefeiert und RTL suchte Stoffe. Ich hatte damals eine ganz gute Ausgangsposition bei RTL. Schließlich habe ich für den Sender außer „RTL Samstag Nacht“ noch andere erfolgreiche Comedyformate wie die Sketch-Show „Happiness“ mit Markus Maria Profitlich oder die Improvisations-Show „Frei Schnauze“ mit Mike Krüger produziert.

Der RTL-Redakteur Holger Andersen und ich kamen auf die Idee, eine Superhelden-Comedy zu drehen, die vornehmlich „Spider-Man“ veralbern sollte, zugleich aber auch das gesamte Superhelden-Genre. Ich war begeistert. Ich liebte Comics. In den späten Siebzigern schrieb ich bei Bastei unter anderem Bubbles für „Captain Future“ und „Phantom“.

Andersen war ein agiler, mutiger und kreativer Redakteur, in dessen Universum ständig neue Ideen rotierten – was sollte da schiefgehen! Ich zeigte ihm einen meiner Lieblings-Comics: „Flattermann“, eine Comic-Serie des genialen Zeichners Wenzel Koffron, mit dem ich befreundet war. „Flattermann“ war eine Batman-Parodie: Der gleichnamige Held war sehr rundlich und hatte bei Starts und Landungen erhebliche Eleganzprobleme – so wie der Albatros Orville in „Bernard & Bianca“. Ja, so sollte Bee-Man aussehen und darum kam für uns nur einer in Frage: Dirk „Dicky“ Bach.

Die Evolution des Superhelden: Vom banalen Muskelmann mit wedelndem Cape zur Krönung der Metawesen: „BEE-MAN“!

Parodie ist ein komplexes Comedy-Genre und wir einigten uns schnell auf meinen Vorschlag, den erfolgreichen Stil des amerikanischen Filmemacher-Trios „Zucker, Abrahams & Zucker“ (kurz ZAZ) zu adaptieren, die zusammen (und auch einzeln) viele Erfolge hatten. Darunter „Airplane“, „Top Secret“, „The Naked Gun“, „Hot Shots“, „Scary Movie“ – und alle lebten vom typischen (und sehr – man beachte die Namen – jüdisch-amerikanischen) ZAZ-Touch.

Alles klar! Ich hatte bereits ein paar 3-Seiten Exposés vorgelegt mit Ideen, Gags und Bildern. Das alles gefiel Andersen, und nun brauchten wir ein längeres Treatment als Diskussionsgrundlage. Dafür kam nur einer in Frage: mein alter Freund und Bastei-Kollege Peter Mennigen, der Bannerträger im Fähnlein Fieselschweif der Bastei-Comicabteilung. Wie erwartet schrieb Peter ein brillantes witziges Treatment im ZAZ-Stil und es wurde von Redakteur Andersen erwartungsgemäß gut aufgenommen.

Dann kam die erste Sitzung im größeren Kreis mit zwei weiteren Redakteuren. Ebenfalls in der Runde eine Frau Doktor, den Namen habe ich auf dem Gnadenweg meines hohen Alters vergessen, eine Literaturwissenschaftlerin, glaube ich, ich weiß es aber nicht mehr so genau. Sie beriet Redakteur Andersen in allen Fiction-Comedyformaten des Senders und war bei allen Autoren gefürchtet. Prima, dachte ich, literaturwissenschaftliche Fachkenntnis kann nur nutzen. Und vor gefürchteten Experten hatte ich schon lange keine Angst mehr. Ich hatte mir im Laufe meiner Karriere vom Chemielaboranten über ein paar Jahre Gymnasial- und Hochschullehrer, Segellehrer, Journalist beim Kölner Stadt-Anzeiger und Autor von über 500 und Produzent von über 600 Unterhaltungsshows ein waffenscheinpflichtiges Selbstbewusstsein erworben. Verzeihen Sie den Touch von Arroganz. Aber: Die, die bescheiden sind, sollten es auch sein!

Character-Beschreibung eines Helden mit Stummelflügelchen.

Ja, sagte Frau Doktor, das Treatment sei ein Schritt in die richtige Richtung! Man müsse natürlich noch ein paar Dinge ändern, aber sonst…
Schritt in die richtige Richtung? Wann immer Sie im TV-Business so etwas hören – packen Sie Ihre Ideen und laufen Sie weg! Frau Doktor meinte nun, man müsse Bee-Mans Charakter ändern, außerdem müsse eine Bienenkönigin als Gegenspielerin her, die das weibliche Prinzip repräsentiere.

Gut, gut. Peter und ich erfanden also Vespa, die böse Königin, die – wie jede gute Nemesis – Bee-Man an Superkräften und Rafinesse überlegen ist, damit sein Sieg am Ende umso glanzvoller ausfällt. Nein, sagte Frau Doktor, sie müsse auch das mütterliche Prinzip verkörpern. Aber da habe sie schon ein paar Ideen. Während ich dezent zusammenzuckte, sattelte sie drauf: Das Hauptproblem sei aber, dass die Art unserer Gags dem Genre nicht gerecht würden. Aha. Wie das? Nun, bei jeder guten Comedy müssten die Gags aus dem Charakter der Figuren kommen und sich logisch aus dem Plot ergeben. Da hatte sie grundsätzlich recht: bei Comedys wie Sitcoms, bei Romantic Comedys usw. Aber nicht bei Parodien im Stile von Zucker, Abrahams und Zucker. Da lag sie völlig falsch. Zur Sicherheit unterzog ich das ZAZ-Untergenre einer genauen Prüfung, schaute mir ein Dutzend ZAZ-Filme und Filmparodien im ZAZ-Stil an, machte eine Szenen-Liste zu allen Szenen und schrieb sämtliche Gags heraus.

Ich will Ihnen hier nur exemplarisch das Ergebnis für „Airplane“ (1980) zeigen, bei dem ZAZ für Buch, Regie und Produktion stehen. Ein Film, der nach „Kentucky Fried Movie“ (1977) den berühmten „ZAZ-Touch“ etabliert hat. Ich trug in der Sitzung vor: „Airplane“ bestehe aus etwa 32 Szenen und 95 Gags. „Airplane“ sei im wesentlichen eine Parodie auf den Flugzeug-Film-Drama „Zero Hours“ (1957). Ein typisches Flugdesaster-B-Movie der Fünfziger (Drehbuch von „Airport“-Autor Arthur Halley, ein Film, der in „Airplane“ ebenfalls persifliert wird).

Inhaltliche Zusammenfassung eines Bee-Man-Meetings bei RTL von Jacky Dreksler.

Ich habe euch, sagte ich beim nächsten Meeting, in meinem Diskussionspaper für diese Filme den reinen Plot und die Gags getrennt notiert und durchgehend nummeriert. Bei gut geschriebenen Komödien ist das normalerweise nicht einfach, weil die Plots in sich witzig sind und/oder weil die Gags die logische Folge der kognitiven Dissonanz zwischen einem Charakter und seiner inneren oder äußeren Welt sind und/oder weil die Gags eine plottragende Funktion haben. Bei Parodien von Zucker-Abrahams-Zucker (ZAZ) ist das allerdings nicht der Fall: Kaum ein Gag bringt den Plot weiter oder schärft das Profil der Rolle. Die Jokes sind art L’art pour l’art. Schneidet man sie alle heraus, hat man immer noch einen vollständigen Film mit einem sehr simplen, ernsten und logischen Plot.

Kein Wunder: ZAZ haben den Plot von „Zero Hours“ ja einfach nur gekürzt, leicht verändert, mit großartigen Schauspielern wie Leslie Nilsen besetzt und mit Gags angereichert, die 1980(!) meist noch frisch, frech und gut waren. Cineasten mögen über die Möglichkeit, Plot und Gags zu entmischen, die Nase rümpfen; interessanterweise sind die schwächeren Filmparodien aber oft jene, die versucht haben einen lustigen Plot mit freischwebenden Gags à la ZAZ zu verbinden (zum Beispiel Mel-Brooks-Parodien wie „Robin Hood. Men in Tights“).

Drei weitere Punkte seien interessant, sagte ich: Erstens, die Kern-Story ist ernst und ausgesprochen simpel strukturiert; es gibt höchstens zaghafte Ansätze zu einem B-Plot, es gibt keine Geheimnisse, es gibt nichts zu erraten, es gibt keine Grauzonen. Die Gags werden gemacht, belacht und verschwinden dann sofort auswirkungslos aus Rolle und Plot. Was auch immer passiert: In der nächsten Szene sind die Charaktere wieder „clean“.

Noch mehr Character und ein paar inhaltliche Feinheiten.

Zweitens, die Charaktere sind weder dreidimensional noch differenziert; es sind quasi Destillate von B-Movie-Klischees. Entsprechend müssten wir uns bei der Parodie an den Plot von „Spider-Man“ als „ernstes“ Grundgerüst halten und die Gags „draufsetzen“ oder „drankleben“ – wie bei „Airplane“ und den vielen anderen Filmen von ZAZ. Eine Charakterkomödie wäre ein völlig anderer Film, den ich aber nicht machen wolle.

Und drittens, sagte ich, die Schauspieler spielen in einem ZAZ-Movie nicht „komisch“: Sie outrieren nicht, machen keine Faxen – sie nehmen die Rolle und den Plot absolut ernst und kümmern sich nicht um Gags, die im Hintergrund stattfinden, auch wenn alles zusammenbricht. Allein das erzeugt bereits die erste Ebene dramatischer Ironie. Auch moderne Parodie-Filme wie „Scary Movie“ und die Sequels arbeiten mit exakt diesen Mitteln. Ich bat, mich ein paar Punkte hervorheben zu lassen:

a) Kaum einer dieser 95 Gags treibt die Handlung in irgendeinem Sinn weiter; im Gegenteil: Da jeder Gag Zeit braucht, nimmt er der Handlungsentwicklung Futter weg. Das ist aber nicht schlimm, denn ohne bekannte Handlung hätten wir keine Parodie, sondern einen Originalstoff vorliegen.
b) Viele ZAZ-Gags haben etwas – wie soll ich sagen – Naives, oft etwas Pubertäres. Da wackelt der Flieger, Schnitt auf Wackelpudding, Schnitt auf wackelnde Brüste.
c) Viele ZAZ-Jokes sind sprachliche und/oder optische Wortspiele (die „unterste“ Klasse von Gags). Da sagt einer „They’re flying on instruments“ – und schwupp schneiden wir ins Cockpit, wo alle Schauspieler 3 Sekunden lang musizieren – danach geht’s weiter, als wäre nichts gewesen.
d) Viele ZAZ-Gags funktionieren, weil sie Menschen zu Maschinen machen. Menschen reagieren, wenn jemand dummes Zeug redet, Maschinen nicht. Die meisten von uns lachen, wenn ein Mensch (Striker in „Airplane“, Lt. Drebin in den „Naked Gun“) nicht merkt, welches Chaos um ihn herum herrscht.
e) Viele ZAZ-Gags funktionieren, weil sie Maschinen zu Menschen machen. Unpersönliche Dinge wie Leuchtschilder, automatische Ansagen usw. reagieren plötzlich auf die Umwelt, als wären sie Menschen.
f) Der Appeal bei jungen Leuten kommt bei vielen dieser Gags durch den pubertären (und oft präpubertären) Umgang mit Sex und allem, was menschliche Körperöffnungen so absondern.
g) Sprachlogisch betrachtet läuft der Plot auf der Objektebene, die Gags auf der Metaebene. Meist berühren sich diese Ebenen bei ZAZ-Gags nicht. Aber wenn, entstehen ipsoflexive Strukturen, die, besonders, wenn sie auch noch zirkulär sind, zu Paradoxien werden. Dann beginnen die Gags zu funkeln, denn anders als in der Logik sind Paradoxien dieser Art von Humor erwünscht.

Die Regeln des amerikanischen Filmemacher-Trios „Zucker, Abrahams & Zucker“ (kurz ZAZ)

Ich endete mit dem Satz, dass ich gerne zur Verfügung stünde, das noch genauer zu erläutern, ich bräuchte dazu allerdings Buntstifte. Ich habe dann noch die Struktur der anderen Filme nach dem ZAZ-Muster dargestellt, zum Beispiel „Hot Shots“, bei dem Jim Abrahams für Buch und Regie verantwortlich ist. „Hot Shots“ ist vornehmlich eine Parodie des Air-Force-Hurra-Films „Top Gun“, startet jedoch mit einem Intro, das aus „Dances With Wolves“ und „Rambo III“ geklaut ist und kurz in eine absurde Jäger-Trophäen-Story übergeht. Der Film läuft bis in viele Nebenrollen völlig parallel zu „Top Gun“, dessen Handlung und Charaktere in vergröberter Form dargestellt werden. In den 31 Szenen gibt es 122 Gags, die bis auf wenige absolut nichts mit dem Plot und den Charakteren zu tun haben. Da Fernsehleute Augenmenschen sind, habe ich meine Analyse dann noch zu einem Gesamtbild zusammengefasst und das Rezept des ZAZ-Touch eingedampft.

Es nutze alles nichts. Frau Doktor fand immer neue Stellen an Peters großartigen Treatment, die man ändern könne, ja müsse, trug literaturwissenschaftliche Parallelen zu Klassikern vor und fand vor allem keinen unserer beschriebenen Muster-Gags komisch. Das ist verständlich, wenn man am Text klebt und ein unterentwickeltes komisches Vorstellungsvermögen hat. Wäre sie für „RTL Samstag Nacht“ verantwortlich gewesen, hätte sie 90 Prozent unserer Sketche abgelehnt: Viele Dinge sind nicht im Text komisch, sondern nur im Kopf. In einer Kino-Gruppe brüllen sich 500 Leute weg, bei der Wiederholung im Fernsehen ist man oft allein, lächelt, lächelt selbst bei den stärksten Gags leicht oder ist nur innerlich amüsiert. Aber auf Papier sehen viele Gags oft fürchterlich aus, besonders visuelle:

Gag 2. Flughafenkontrolle: Bitte alle Metallsachen hierhin legen. Ein Mann legt u. a. seine metallene Armprothese ab (Airplane 2:50)
Gag 11. Nervös? Eine alte Dame sitzt neben Striker im Flugzeug und fragt: „Nervös?“ – „Ja.“ – “Erstes Mal?” – „Nein, ich war schon oft nervös.“ (Airplane 11:18)
Gag 22. What is it? „You got a telegram from headquarters today.“ – „Headquarters? What is it?“ – „A big building where generals meet. But that’s not important right now.“ (Airplane 27:25) Gleicher Gag mit Leslie Nielsen als Arzt Dr. Rumack: „She has to go to a hospital.“ – „What is it?“ – „A big building with patients.“ (Airplane 36:35)
Und der letzte Gag:
Gag 95. Ambulanz mit krankem Kind fährt an, crasht im Off. (Airplane 1:18:16)

Tja.
In weiteren Sitzungen wurde vieles diskutiert. Ich wollte diesen Film und war am Ende fast (!) so weit, die mütterliche Bienenkönigin Vespa zur Hermaphroditin zu machen und zusätzlich mit einem bösen Freudschen Penis-Stachel zu versehen, als frühen Versuch des Gender-Mainstreamings, da stellte ich die entscheidende Frage: Wollt ihr das in Peter Mennigens Treatment beschriebene Ding im ZAZ-Stil oder was völlig anderes? Nein, nein, das sei ja alles gut, aber die Charaktere müssten verändert werden, die Gags müssten sich aus den Charakteren entwickeln und die Story müsse an sich schon lustig sein. Ich wusste, Peter würde ein solches Treatment problemlos schaffen. Aber erstens war es nicht das, was ich wollte. Zweitens wurde mir klar, was mit dieser Truppe auf Peter und mich zukommen würde, wenn es erst an die Drehbuch-Diskussionen ginge.


Manche mögen’s heiß

Redakteur Andersen hatte sich inzwischen von ihren Argumenten überzeugen lassen. Vielleicht auch, weil ihm klar wurde, dass er ein großes Risiko eingeht. Unser Film hätte 1,5 Millionen gekostet. RTL war damals in der kaiserlosen, der schrecklichen Zeit: Den alten Chef, Marc Conrad, hatte RTL-Mehrheitseigner Bertelsmann nach dreimonatiger Amtszeit entlassen, die neue Chefin Anke Schäferkordt war designiert, noch nicht da, aber schon gefürchtet. Ich glaube, Andersen, dieser intelligente, kompetente und kreative Mann hat sich auch vorauseilend dem Druck gebeugt – wie jeder kluge Redakteur, der seinen Job behalten will. Ich kann’s ihm nicht verdenken.

Und so gerne ich meinen ersten Film gemacht hätte, so gerne ich damit Geld verdient hätte, so wenig wollte ich unglücklich werden. Ich sah die Konflikte vor mir, die es während der Produktion von „Bee-Man“ gegeben hätte. Kurz überlegte ich, ob ich ihnen noch einmal die Merkmale einer ZAZ-Parodie erklären sollte. Aber ich hatte keine Buntstifte. Und so Humphrey-Bogartete ich meinen Abgang: Ich drehte mir mit einem Schweigen, das ich für bedeutsam hielt, eine Zigarette, zündete sie an und sagte „Fuck you!“. Sorry, das war jetzt gelogen. Infolge eines Freudschen Versprechers kam es nur heraus als: „Ich wünsche euch noch einen schönen Lebensabend.“

Und rauschte rauchend aus dem Raum.

Seite 1 des „Bee-Man“-Treatments.


Seite 2 des „Bee-Man“-Treatments