Puberttät ist die Hölle – „TMNT: The Last Ronin – Re-Evolution“

In dem „Last Ronin“-Sequel „The Last Ronin: Re-Evolution“ schickt Kevin Eastman eine neue, frisch geklonte Turtles-Generation in die Schlacht, die ihren Platz in der Welt noch nicht so recht gefunden hat.

Schwere Zeiten in New York und vor allem in Rock Bottom: 15 Jahre ist es her, dass der totgeglaubte Michelangelo nach seiner sensationellen Rückkehr als Ronin den Foot Clan niederschlug und dabei sein Leben ließ. Trotzdem ist die Stadt in Korruption versunken, rivalisierende Banden terrorisieren die Einwohner. Darüber berichtet die mutige Reporterin Amanda Rose Konner kritisch, was dem durchtriebenen Bürgermeister Palmiotti und dem zwielichtigen Polizeichef Carterton gar nicht passt.

Casey Marie Jones kämpft indessen im Widerstand der Bürgerwehr, und dank der mutierten DNA Michelangelos gibt es neue Recken, die mit Panzer und Schlagstock antreten: Vier neue Turtles haben Casey und Mutter April herangezogen, die darauf warten, auch einzugreifen. Als einige Außenposten überrannt werden, scheint die Stunde der neuen Helden gekommen. Angeführt von Casey, werfen sich Uno, Odyn, Moja und Yi beherzt ins Getümmel. Man kommt gerade noch davon, als Odyn plötzlich zu einem Metallklumpen erstarrt. Im Labor macht April daraufhin eine unglaubliche Entdeckung: Offenbar durchläuft die Turtle-DNA, angetrieben durch die Pubertät der Jungspunde, immer weitere Mutationen.

Derweil entfesselt Bürgermeister Palmiotti einen Bandenkrieg zwischen den rivalisierenden Chelseys und Midlands, um im Schutze des entstehenden Chaos eine finale Attacke gegen den Widerstand einzuleiten. Dem werfen sich die Turtles mutig in den Weg, die nach und nach ihre neuen Kräfte entdecken und einzusetzen lernen.

The Uncanny New Teen Turtles, so etwa lautet das Konzept, das Kröterich-Erfinder Kevin Eastman gemeinsam mit Tom Waltz hier vorlegt. Als Fortsetzung der herausragenden Storyline „The Last Ronin“ um den Ronin Michelangelo, mit der Eastman die eigentlich als spaßige Parodie (nicht zuletzt der Ninja-Storylines des Daredevil-Runs von Frank Miller) ersonnenen mutierten Schildkröten im Handstreich mit einer fast wagneresken Gravitas auflud und exakt in den düsteren Kontext stellte, den sie doch ursprünglich persiflieren, schickt Eastman nun die zweite Generation ins Rennen. In getreulicher Weapon-X-Manier werden da Mutanten absichtlich gezüchtet, die dann – Professor Xaviers Schule für Begabte lässt grüßen – eine Ausbildung durchlaufen und – Buffy Summers hätte ihre Freude – den Prozess des Erwachsenwerdens als immer weitere Mutation erleben.

Dabei werden Fragen wie die Verantwortung des Schöpfers (unangenehm, wenn ausgerechnet die künstliche Intelligenz den Finger in die Frankenstein-Wunde legt) ebenso berührt wie die gefühlte Heimatlosigkeit der Turtles, die ebenso zwischen einem Selbstbild als Held oder Monster schwanken, wie dies schon ein gewisser Ben Grimm tat. Neben dem typischen Superhelden-Duktus (vor allem Casey Marie kommt im violettem Kostüm rüber wie eine waschechte Version der Huntress aus der Bat-Familie) mit Panzer (Batmobil) und Tunneln (Bathöhle) erlaubt man sich in der Feder von Ben Bishop, Esau Escorza und Isaac Escorza auch einige stilistische Hommagen, so etwa im Rückblick auf die Entstehung der ersten Turtles, der im undergroundigen Stil der ursprünglichen Hefte gehalten ist. Somit ein weiterer beeindruckender Beitrag zu Eastmans „Ronin-Verse“, der bei Splitter im Hardcover erscheint und die komplette Mini-Serie „The Last Ronin: Re-Evolution“ enthält.

Dieser Text erschien zuerst auf Comicleser.de.

Kevin Eastman, Tom Waltz (Autoren), Ben Bishop, Esau Escorza, Isaac Escorza (Zeichner): Teenage Mutant Ninja Turtles: The Last Ronin – Re-Evolution • Aus dem Englischen von Matthias Penkert-Hennig • Splitter Verlag, Bielefeld 2025 • 232 Seiten • Hardcover • 35,00 Euro

Holger Bachmann ist Autor diverser Bücher und Aufsätze zur Film- und Literaturgeschichte. Neben Comicleser.de schreibt er auf kühleszeug.de über Konzerte und geistvolle Getränke.