In Maud Michels und Nicolas Signarbieux‘ Trilogie „Plastok“ ist die Erde nur noch von Insekten bevölkert, die in Staaten leben und den mehr oder minder vergötterten Menschen nacheifern.
Irgendwann in einer Zeit, die sehr weit von der unsrigen entfernt ist: Die Menschheit scheint ausgestorben, doch ihre Hinterlassenschaften bedecken immer noch das Land, vor allem der Kunststoff ist geblieben, allgemein nur als „Plastok“ bezeichnet. In dieser Zeit sind die Insekten irgendwie intelligent geworden, haben Staaten gegründet und leben mehr schlecht als recht zusammen – Ameisen und Käfer, Wespen und Schmetterlinge. Die Menschen werden als Götter verehrt oder als „die Großen“ bezeichnet. Blattläuse werden in dem Staatswesen, das die Insekten aufgebaut haben, als geringwertig angesehen.
Doch dann stirbt die Hohepriesterin, die sich mit den verschwundenen Göttern beschäftigt hat, bei einem Attentat. Der Einzige, der als Mörder in Frage kommt, ist ausgerechnet eine Blattlaus. Sie ist unschuldig, was ihr aber niemand glaubt. Doch dann wird die Laus aus dem Gefängnis befreit, und sie stolpert geradezu durch die Welt, trifft auf Insekten, die ihr helfen, und ebenso Insekten, die sie bekämpfen. Und ganz nebenbei findet die Blattlaus die Ursache für den Götterglauben.
So lässt sich der Plot der skurrilen Trilogie „Plastok“ zusammenfassen. Ob man das nun als Science Fiction bezeichnet, weil die Handlung in ferner Zukunft spielt, oder als Fantasy, weil die Insekten sich sehr menschenähnlich verhalten und miteinander sprechen können, ist dabei wohl gleichgültig. Entstanden ist ein ungewöhnliches Abenteuer, das prächtig unterhält und künstlerisch sehr eigenständig wirkt.

Für die Geschichte verantwortlich zeichnen Maud Michel und Nicolas Signarbieux; anfangs schrieb Maud Michel allein die Texte, später wurde Signarbieux immer wichtiger. Die Geschichte nimmt ihr Thema ernst: Zwar gibt es immer wieder einen grimmigen Humor, aber es gleitet nie ins Alberne ab. Für Kinder ist der Comic-Dreiteiler eher nichts, auch wenn allerlei Insekten durch die Handlung krabbeln – es kommt zu durchaus heftigen Kämpfen, bei denen Köpfe fliegen oder die Gegner aufgefressen werden.
Die Geschichte wird spannend erzählt, die Handlung verläuft recht geradlinig. Schön fand ich, dass die Insekten in ihren Sitten und Gebräuchen durchaus unterschiedlich dargestellt werden – auch wenn sie natürlich ein eher menschliches Verhalten aufweisen. Man kann diesen Comic sowieso als eine politische Darstellung lesen, bei der die Insekten eben die Rolle menschlicher Vorbilder einnehmen.
Künstlerisch ist Nicolas Signarbieux weit entfernt vom klassischen Funny-Look, wobei es ohnehin albern gewesen wäre, Wespen oder Marienkäfer mit Knollennasen darzustellen. Realismus weist sein Comic ebenso wenig auf, es ist schon eher ein humoristischer, sehr eigenständiger Stil mit klaren Linien und zurückhaltenden Farben.
Alles in allem ist „Plastok“ eine sehr kurzweilige Erzählung: Die Handlung steigert sich kontinuierlich, es gibt die eine oder andere Überraschung, und am Ende verblüfft ein bemerkenswerter Knalleffekt. Empfehlenswert!
Dieser Text erschien zuerst auf: perry-rhodan.net
Nicolas Signarbieux (Zeichner), Maud Michel (Autorin): Plastok Band 1-3 • Aus dem Französischen von Tanja Krämling • Splitter Verlag, Bielefeld 2024/2025 • je 72 Seiten • Hardcover • je 18,00 Euro
Klaus N. Frick ist Chefredakteur der Science-Fiction-Heftroman-Serie „Perry Rhodan“ sowie Autor zahlreicher SF-Romane und -Kurzgeschichten.



