Ein Spanier, dessen Name nach einem Deutschen klingt. Und eine Comicfigur, die an den Fotografen Robert Capa erinnert: Manfred Sommers „Frank Cappa“.
Reporter, das war einmal ein Traumberuf. Man konnte, im Idealfall, um die Welt reisen und dem staunenden Publikum zu Hause, das noch nicht an All-inclusive-Reisen nach Thailand oder luxuriöse Kreuzfahrten gewöhnt war, allerlei Spannendes erzählen. Kein Wunder also, dass einige der bekanntesten klassischen Comic-Figuren diesen Job haben: Hergés Tim, Fantasio, der etwas ungeschickte Freund von Spirou, und der flotte Rick Master, der für eine fiktive Pariser Tageszeitung tätig ist.
Ein später, desillusionierter Nachfahre dieser stets unerschütterlich gut gelaunten Helden ist der Kriegsfotograf Frank Cappa, dessen Namensähnlichkeit mit dem berühmten Robert Capa, der 1954 in Indochina ums Leben kam, kein Zufall ist. Erfunden wurde Cappa von Manfred Sommer (1933–2007), der, anders als sich vermuten lässt, ein Spanier war, in San Sebastián als Sohn eines deutschen Vaters und einer andalusischen Mutter geboren. Zwischen 1981 und 1988 publizierte Sommer 16 überwiegend kurze bis mittellange Cappa-Storys, die jetzt erstmals in einer prächtigen, großformatigen Gesamtausgabe versammelt sind. Ihre Schauplätze liegen bis auf eine Ausnahme weit außerhalb Europas, in Zentralafrika, Brasilien und Kanada, in Hongkong, Vietnam, Nicaragua und Afghanistan.

Cappa hasst den Krieg. Aber ihn interessieren, wie er erklärt, „die Extremsituationen, in die er Menschen bringt“. An solchen Situationen mangelt es dann auch nicht: Gleich zweimal werden Köpfe abgeschlagen; ein junger Mann, der sich aus Abenteuerlust als Söldner verdingt hat, erhält den Befehl, einen Deserteur zu erschießen und endet schließlich blind und verkrüppelt im Rollstuhl; im Dschungel Nicaraguas müssen Unschuldige sterben, damit ein Trupp von Revolutionären, die gegen den Diktator Somoza kämpfen, seine Mission erfüllen kann.
Sommer hat Cappa sowohl als einen Helden alter als auch neuer Schule konzipiert. Der Fotograf sieht blendend aus – wie eine Mischung aus Robert Redford und Charlton Heston. Er kann sich, falls nötig, mühelos seiner Fäuste und eines MGs bedienen. Schöne Frauen fühlen sich von ihm sofort magnetisch angezogen. Zugleich ist er als Mann mit der Kamera aber meistens eher ein Beobachter, ein Zeuge von Geschehnissen, nicht deren Auslöser oder treibende Kraft. In „Jangada“, der schönsten Story, in der sich am Strand von Bahia Traum und Wirklichkeit vermischen, könnte auch Hugo Pratts elegisch gestimmter Corto Maltese auftreten.
Spannend ist, dass der chronologische Abdruck es erlaubt, die Entwicklung Sommers als Zeichner zu verfolgen. Durchgehend deutlich ist seine Orientierung an den US-amerikanischen Meistern des Schwarz-Weiß-Stils, besonders an Milton Caniff, dem Pratt und José Muñoz („Alack Sinner“, „Joe’s Bar“) ebenfalls viel verdanken. Auch was die Seitenaufteilung angeht, ist Sommer dem Erbe des Zeitungscomics verpflichtet. Allerdings nicht nur: Zwar arbeitet er gerne mit Reihen von Panels, die in ihrem Format wenig variieren, bricht dieses strenge Layout aber zunehmend zugunsten freierer Kompositionen auf.
Leider keine Auskunft gibt der Band darüber, ob die Tatsache, dass einige der Storys koloriert sind, auf Sommers eigener Initiative oder dem Wunsch der Magazine, für die er tätig war, beruht. Vielleicht eher Letzteres, denn mit der Farbe schleicht sich eine gewisse Gefälligkeit ein. Zu dem schroffen Realismus, der diesen Comics immer wieder zu eigen ist, passt Schwarz-Weiß einfach besser.
Hier findet sich eine weitere Kritik zu „Frank Cappa“.
Dieser Beitrag erschien zuerst am 15.04.2026 in der taz.
Manfred Sommer: Frank Cappa. Gesamtausgabe • Aus dem Spanischen von Maximilian Lenz • Avant-Verlag, Berlin 2025 • 362 Seiten • Hardcover • 50,00 Euro
Christoph Haas lebt im äußersten Südosten Deutschlands und schreibt gerne über Comics, für die Süddeutsche Zeitung, die TAZ, den Tagesspiegel, die Passauer Neue Presse und das Alfonz Magazin.

