Der österreichische Comiczeichner ist im Alter von 73 Jahren gestorben.
Bereits auf dem ersten Comic-Salon Erlangen 1984 wurde Chris Scheuer als „Bester deutschsprachiger Comickünstler“ mit dem Max-und-Moritz-Preis ausgezeichnet, und erst im vergangenen Jahr erhielt er auf dem Comicfestival München den PENG-Preis für sein Lebenswerk. In den 80ern, als sich die hiesige Comicszene im Zuge des Autorencomics langsam neu zu professionalisieren begann, waren Matthias Schultheiss und Chris Scheuer die ersten deutschsprachigen Zeichner, die mit einer eigenen Serie in Frankreich, dem gelobten Land, zu reüssieren begannen. Kein Wunder, hatten sie sich doch die Virtuosität der modernen frankobelgischen Genre-Comics perfekt angeeignet. „Marie Jade“, geschrieben von Szenarist Rodolphe, erschien danach auch als Album im Alpha Verlag, in dessen legendärem SF-Magazin „Schwermetall“ Scheuer zudem mit über 30 Beiträgen vertreten war. 1990 erschien bei Carlsen der erste Band von „Sir Ballantime“. Da Scheuer zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich als Illustrator in der Werbung sein Geld verdiente, folgte erst zehn Jahre später eine Fortsetzung, diesmal unter dem Titel „Sir Bell’ol’Times“ in der Wiener Comicothek. Ein Jahr zuvor erhielt er noch den Prix de Petit Genie in Paris, danach wurde es um Scheuer sehr ruhig. Fast zwei Jahrzehnte zog er sich vom Comic zurück, lebte da bereits in Spanien und unternahm zahlreiche Indien-Reisen.
2019 und 2020 gab es dann sein überraschendes Comeback mit der dreibändigen Horrorkurzgeschichten-Reihe „Reiche Ernte“ im Panini Verlag. 2024 folgte der erste Band seiner Autobiografie, lakonisch „Buch 1“ betitelt, finanziert durch eine Crowdfunding-Kampagne, die von Scheuers langjährigem Verleger und einstigem Alpha-Verlagsinhaber Achim Schnurrer initiiert wurde. 120 Seiten für die ersten 20 Lebensjahre, aber die haben es in sich: Sadistische Priester, Knastaufenthalte, Drogenexperimente, Reisen durch ganz Europa, und dies völlig mittellos, sind nicht die Karrierewegmarken, deren Beachtung an den Kunsthochschulen empfohlen werden. Offensichtlich hatte Chris Scheuer noch viel zu erzählen. Wir werden es nicht mehr erfahren. Er starb am 12. Juli 2026 im Alter von 73 Jahren.




