80 Jahre Blake und Mortimer: „Die Ligne claire fühlt sich natürlich an“

Ein Gespräch mit Comiczeichner Peter van Dongen über den Unterschied zwischen Hergé – der Vaterfigur der klaren Linie – und Edgar P. Jacobs, Erwartungsdruck und die Schwierigkeiten, eine alte Erfolgsserie zu modernisieren.

Der niederländische Comic-Künstler Peter van Dongen wurde mit seinem Comic „Rampokan“ berühmt. Der handelt vom Kampf der Indonesier um ihre Unabhängigkeit von der niederländischen Kolonialmacht und zugleich von den indonesischen Wurzeln des Comiczeichners. Peter van Dongen zeichnet seit 2019 auch an der Klassiker-Serie „Blake und Mortimer“ mit. Beim neuesten Band „Die atlantische Bedrohung“ stammen alle Zeichnungen aus seiner Feder. Zum 80. Geburtstag von „Blake und Mortimer“ hat Max Bauer mit Peter van Dongen gesprochen.

Max Bauer: Was war deine erste Begegnung mit der historisch so wichtigen Serie „Blake und Mortimer?“

Peter van Dongen: Ich glaube, ich war fünf oder sechs Jahre alt, und meine Eltern hatten zwei Studenten, ein Pärchen, zur Untermiete in ihrem Haus. Und der Student hatte viele Comics, vor allem „Lucky Luke“ und „Tim und Struppi“. Ich erinnere mich sehr genau an ein Cover – das Cover des zweiten Bandes von „Blake und Mortimer“: „Das Geheimnis der großen Pyramide“. Ich war damals schon begeisterter Leser von „Tim und Struppi“ von Hergé und von „Suske und Wiske“ von Willy Vandersteen. An die Ligne claire war ich also schon gewöhnt. Aber dieses Cover hat mich noch einmal ganz anders fasziniert. Es war auch eine Ligne claire, aber es war gleichzeitig so mythisch, mit der großen Figur des ägyptischen Priesters und den Krokodilen. Als ich durch den Comic blätterte, war ich sofort auf einer Reise durch die Zeit und an fremde Orte. Das war meine erste Begegnung mit „Blake und Mortimer“.

Du sprichst von der Ligne claire und von einem gewissen Unterschied zwischen Hergé und Edgar P. Jacobs. Was würdest du sagen, was war für dich damals der Hauptunterschied zwischen der Vaterfigur der klaren Linie Hergé und Edgar P. Jacobs?

Damals, als ich jung war, fand ich Hergé leichter zu lesen. Es gab nicht so viele Erzählertexte. Und „Tim und Struppi“ war weniger realistisch, „Blake und Mortimer“ fand ich damals sehr erwachsen, sehr ernst. Es gibt bei ihm ja auch kaum Humor. Ich meine, Hergé ist alle paar Seiten komisch, und der Humor gehört fest zur Story. Bei Jacobs gibt es auch Humor, aber der wird immer sehr gezielt eingesetzt und wirkt bisweilen auch aufgesetzt. Den Humor habe ich bei „Blake und Mortimer“ als Kind vermisst.

Später, als ich dann selbst Comics gezeichnet habe, habe ich Jacobs mehr schätzen gelernt, und er hatte großen Einfluss auf mich. Es gibt da dieses interessante Paradox: Jacobs Zeichenstil ist realistischer als der von Hergé, die Anatomie der Figuren, die Proportionen. Gleichzeitig gibt es bei Edgar P. Jacobs in den Geschichten sehr viel Fantastisches, sehr viel Science-Fiction, da kann schon mal ein Dinosaurier auftauchen. In Hergés Geschichten geht es in dieser Hinsicht sehr realistisch zu. Man muss nur an „Der Blaue Lotus“ denken, die japanische Besatzung in China. Und man merkt als junger Leser recht rasch, dass das alles auf echten historischen Tatsachen beruht.

Eine Besonderheit bei Jacobs ist auch: Jeder Band hat seinen eigenen Stil. Die klare Linie von Jacobs verändert sich stärker als die von Hergé. „Das Geheimnis der großen Pyramide“ wurde für das Magazin „Tintin“ gezeichnet, und da hat Hergé von Jacobs noch die klassische Ligne claire verlangt. Aber schon bei „Das gelbe M“ verändert sich Jacobs Strich. Er setzt mehr den Tuschepinsel ein, es gibt viel mehr Schatten, mehr Schwärze insgesamt. Und die Veränderungen gehen bei den folgenden Bänden immer weiter. Für uns Zeichner, die die Reihe heute fortsetzen, ist das nicht leicht. Wir versuchen uns, immer an dem Stil von Jacobs zu orientieren, der zu der neuen Geschichte passt. Das hängt vor allem von der Chronologie der Serie ab. Bei meinem ersten „Blake und Mortimer“-Band „Das Tal der Unsterblichen“, den ich zusammen mit Teun Berserik gezeichnet habe, haben wir uns am Stil von „Das Geheimnis der großen Pyramide“ orientiert, weil die Geschichte ungefähr in dieser Zeit spielt. Bei „Der letzte Tigerhai“ hingegen eher an „Der Kampf um die Welt“. Wobei alle drei Bände von „Der Kampf um die Welt“ ja wiederum jeweils sehr unterschiedlich im Stil sind. Und für den neuesten Band „Die atlantische Bedrohung“ habe ich mich natürlich an „Das Geheimnis von Atlantis“ von 1957 gehalten. Auch da ist der Stil von Jacobs wieder anders als vorher.

Und wenn du komplett frei wärst, welchen Stil von Edgar P. Jacobs magst du am liebsten?

Ich würde sagen, es ist eine Kombination aus der klassischen klaren Linie und dem, was Jacobs bei „Das Geheimnis von Atlantis“ gemacht hat. Er führt da seinen Strich sehr fließend und verwendet auch öfter den Tuschepinsel. Wenn man mit einer Feder tuscht, arbeitet man mit einem härteren Material, mit Metall. Aber mit dem Pinsel kann man mehr Bewegung in die Linie bringen. Das mag ich sehr. Was das Tuschen mit dem Pinsel angeht, habe ich übrigens auch viel von dem französischen Comickünstler Yves Chaland gelernt. Und wenn man sich anschaut, wie Jacobs bei „Das Geheimnis von Atlantis“ den Tuschepinsel geführt hat, dann muss man sagen, dass Yves Chaland bestimmt auch davon beeinflusst war. Sicher, Hergé war sehr wichtig für Chaland, aber das Expressive, der Wechsel von dicken und dünnen Linien, das ist sicher von Jacobs und der Atlantis-Geschichte inspiriert.

Ich muss jetzt mal ehrlich sein: Ich habe manchmal ein Problem mit den neuen „Blake und Mortimer“-Bänden. Denn ich glaube, es ist wichtig, eine feine Balance zu finden zwischen den alten Themen, den alten Figuren, auch der etwas steifen britischen Atmosphäre mit den Werten von Monarchie und Empire, und auf der anderen Seite der Notwendigkeit, die Serie in unsere Zeit zu tragen und zu modernisieren. Das gelingt nicht immer. In deinem neuen Comic „Die atlantische Bedrohung“ finde ich es gelungen. Es gibt deutliche Bezüge zu Themen wie Energiekrise und Klimawandel. Das Volk von Atlantis muss in einer bedrohten Umwelt überleben, und das spiegelt sehr gegenwärtige menschliche Probleme. Was ist dein Trick, die Balance zwischen Alt und Neu zu finden?

Nun, das ist zunächst ganz einfach: Yves Sente hat die Geschichte geschrieben. Seine Idee war, bei der Schlussszene des Klassikers „Das Geheimnis von Atlantis“ anzusetzen und sich zu fragen: Das Volk von Atlantis startet in den Weltraum, und was geschieht dann? Yves Sente hat mich einfach gefragt, ob ich an der Frage Interesse habe, was mit den Menschen von Atlantis passiert. Er hat es geschafft, die alte Geschichte in die Zukunft zu tragen. Meine Aufgabe war eine grafische Aufgabe, eine grafische Reflektion dessen, was Edgar P. Jacobs mit seiner Atlantis-Story begonnen hat.

Aber auch für den Zeichner ist es ein Konflikt, glaube ich. Du stehst im gleichen Konflikt wie der Autor, wenn du eine alte ehrwürdige Serie modernisieren musst. Wie machst du das?

Ich versuche erst einmal, Jacobs nahezukommen. Was den Stil betrifft, aber auch das Storytelling. Ich habe Glück, dass Yves Sente das Manuskript schreibt. Er macht Beschreibungen für jedes Panel, aber er gibt mir kein Storyboard, wie andere Autoren das durchaus manchmal machen. Ich habe sein Szenario, aber ich bin sehr frei, es zu interpretieren. Und ich versuche zunächst, mich am Storytelling von Jacobs zu orientieren. Jacobs hat gerade in den frühen Alben seine Seiten sehr systematisch aufgeteilt. Man kann die Seitenaufteilung an einer gedachten vertikalen Linie spiegeln. Das nehme ich auf. Ich kombiniere es aber auch mit modernen Formen des Erzählens, mit Ideen, die in modernen Comics, aber auch in Kinofilmen und Serien eine Rolle spielen. Wie ein Filmregisseur treffe ich dann Entscheidungen, die auch das Storytelling betreffen. Der Autor schreibt die Szene, aber erst der Zeichner merkt wirklich, ob etwas funktioniert. Wenn nicht, finde ich eine Lösung, und das ist mein persönlicher Beitrag zu der Serie.

Es macht großen Spaß, sich an Jacobs zu halten und seinem Stil und seinem Storytelling anzunähern. Manchmal ist das natürlich aber auch einfach ein Bürojob. Und wenn ich nicht ganz in der Stimmung bin, dann erinnere ich mich immer daran: Als Kind habe ich „Blake und Mortimer“ gelesen, und nun bin ich es, der „Blake und Mortimer“ zeichnet. Das habe ich nie erwartet, und jetzt mache ich es. Als Kind habe ich schon versucht, Hergé oder Jacobs nachzuzeichnen. Einfach so für mich. Und wenn ich jetzt manchmal müde bin vom Zeichnen, erinnere ich mich daran, wie es als Kind war. Das ist einfach magisch und eine große Befriedigung, wenn man der Kunst von Jacobs nahekommt. Und die Ligne claire fühlt sich für mich sehr natürlich an. Ich bin seit meiner Kindheit von diesem Stil beeinflusst, gerade von Hergé und Jacobs und Vandersteen. Auch in meinen persönlichen Arbeiten wie „Rampokan“ zeichne ich in diesem Stil. Für mich ist es einfach ganz natürlich, im Stil von Jacobs zu zeichnen.

Seite aus „Blake und Mortimer Band 28: Die atlantische Bedrohung“ (Carlsen)

Ich würde mit dir gerne noch über ein anderes Thema sprechen. Und zwar über die beiden Figuren Francis Blake und Philip Mortimer. Du bist mit beiden ja schon lange gut bekannt. Es gibt jetzt manche, die sagen, man sollte die Figuren etwas mutiger modernisieren. Zum Beispiel eine mögliche Liebesgeschichte zwischen den beiden, die ja zusammenleben, erzählen. Oder andererseits mehr Frauenfiguren in die Geschichten schreiben. Was meinst du dazu?

Was die Frauenfiguren betrifft: Es gab durchaus bisher einige Frauen in der Serie. Zum Beispiel hat Yves Sente in „Die Sarkophage des sechsten Kontinents“ eine Art Liebesgeschichte zwischen Philip Mortimer und einer Frau in Indien geschrieben. Da entwickelt sich also etwas seit einigen Jahren. Im neuesten Band „Die atlantische Bedrohung“ ist das wieder anders, und das ist auch etwas seltsam. Denn es gibt zwar eine Figur, die mit Blake und Mortimer Abenteuer erlebt und ins Weltall fliegt, und diese Figur hätte auch eine starke Frau sein können. Und normalerweise schreibt Yves Sente auch immer einen Part für eine Frau in seine Geschichten, außer in diesem Comic. Als der Band erschienen ist, habe ich ihn noch einmal gelesen und hinterher gedacht: Ja, das war wahrscheinlich eine verpasste Chance, das hätte uns früher auffallen müssen.

Insgesamt sind die meisten Leser von „Blake und Mortimer“ Männer meines Alters, also 50 plus. Wenn Frauen die Comics kaufen, dann wahrscheinlich meistens für ihre Ehemänner oder ihre Väter und nicht für sich selbst. Und ich kann es ihnen nicht vorwerfen. „Blake und Mortimer“ – it’s a man’s world. Das war bei Edgar P. Jacobs ja auch schon so. Da gibt es eigentlich nur die Haushälterin Mrs. Benson.

Und im Allgemeinen, würdest du sagen, „Blake und Mortimer“ sollte progressiver und moderner werden, oder wäre das einfach zu künstlich?

Ein Beispiel: Für den Band „Das Tal der Unsterblichen“ habe ich auch die Farben gemacht. Im traditionellen Comic-Colouring waren die Menschen schwarz, wenn sie aus Afrika kamen, und gelb, wenn sie aus China kamen. Ich habe den Band sehr traditionell koloriert. Aber natürlich sind die Menschen in China nicht gelb. Ich hätte ganz andere Töne oder eine ganz Palette verschiedener Töne nehmen können. Wenn es einen Reprint geben würde, würde ich es jetzt so machen. Ich sehe, dass es überall Rassismus gegen Asiaten gibt, viele rassistische Stereotype. Und ich habe tatsächlich auch so koloriert, dass man sagen könnte, das ist auf gewisse Art stereotyp. Ich könnte jetzt sagen: Die weißen Menschen bei „Blake und Mortimer“ sind von den Farben her auch alle gleich weiß. Aber es gibt da natürlich einen Unterschied. Man muss vorsichtig sein, Menschen nicht so zu zeichnen, dass rassistische Stereotype bedient werden. Ich könnte natürlich sagen, ich darf Chinesen gelb zeichnen, weil ich selbst eine chinesische Großmutter habe. Aber natürlich sind die kritischen Fragen berechtigt. Heute würde ich die chinesischen Charaktere in einem Comic auf jeden Fall diverser darstellen.

Seite aus „Blake und Mortimer Band 22: Das Tal der Unsterblichen“ (Carlsen)

Ich würde mit dir gerne noch über Erwartungen sprechen. „Blake und Mortimer“ ist eine sehr erfolgreiche Comicserie. Viele Leser lesen sie seit ihrer Kindheit. Es gibt psychologische Erwartungen, ökonomische Erwartungen. Auch Erwartungen an den Stil. Wie gehst du mit diesen Erwartungen um?

Ich hatte darüber eine Diskussion mit meinem Galeristen in Brüssel. Und er hat mir gesagt, dass der Verlag natürlich Künstler sucht, die die Fähigkeit haben, im Stil der Ligne claire und vor allem im Stil von Jacobs zu zeichnen. Aber die französischen und wallonischen Zeichner seien da immer besonders vorsichtig. Vor allem in Frankreich ist „Blake und Mortimer“ ein kulturelles Statement. Jeder Band hat 300.000 bis 400.000 Leser. Da ist die Angst groß, einen Fehler zu machen, weil einem die vielen Leser sprichwörtlich über die Schulter schauen. Vielleicht habe ich als Niederländer nicht den gleichen kulturellen Druck. Natürlich spüre ich einen Druck, aber es ist mein eigener. Ich habe einfach den Anspruch, dass ich so gut wie Jacobs sein möchte. Aber nicht, weil das mein Verleger fordert oder die Leser. Nein, einfach weil ich es will. Weil es mein Vergnügen ist. Ob ich es schaffe, so gut wie Jacobs zu sein, das sollen andere beurteilen. Aber der Anspruch, das zu schaffen, kommt aus mir selbst. Das heißt, den großen Druck von außen, den spüre ich nicht. Ich fühle nur meine eigene Mission. Die letzten anderthalb Jahre vor der Deadline für „Die atlantische Bedrohung“ habe ich rund um die Uhr gearbeitet, sieben Tage die Woche. Einfach, weil ich will, dass der Comic richtig gut wird.

Ich würde gerne noch die Brücke schlagen zu deinem Werk „Rampokan“. Ich weiß, es kann anmaßend sein, einen Künstler zu loben. Aber ich bewundere „Rampokan“. Und ich frage mich: „Rampokan“ enthält so viele moralische, historische, politische Ambivalenzen, auch komplexe Fragen von Identität – glaubst du, es könnte in ein paar Jahren „Blake und Mortimer“-Geschichten mit so interessanten Ambivalenzen geben? In anderen Worten, könntest du dir einen Band vorstellen nach dem Motto: „Blake und Mortimer going Rampokan“?

Dann müsste ich selbst eine Geschichte schreiben. Und ich glaube, das möchte ich nicht machen. Bei „Rampokan“ habe ich dreieinhalb Jahre recherchiert und geschrieben, bevor ich die erste Seite zu zeichnen begann. In dieser Zeit habe ich oft gedacht, dass es unmöglich ist, so ein Projekt zu stemmen. Andererseits war das aber eine Arbeit, bei der mir niemand eine Deadline gesetzt hat, niemand hat auf mich gewartet. Damals in den 1990ern war niemand an dieser Art von Geschichte interessiert, einer Geschichte über Kolonialismus. Der Schreibprozess war dennoch eine schwere Zeit, die viel Energie gekostet hat.

Bei „Blake und Mortimer“ hingegen geht es für mich nur ums Zeichnen. Ich setze meine Fähigkeiten ein, um das Szenario eines Autors umzusetzen. Das macht großen Spaß. Die Serie allerdings selbst zu schreiben, würde mich wahrscheinlich zu viel Zeit kosten. Und diese Zeit brauche ich auch für meine ganz eigenen Projekte.

Wenn „Blake und Mortimer“ ganz allein deine Serie wäre, würdest du dann vielleicht doch eine Geschichte schreiben, oder wäre das eine zu schwere Bürde?

Wahrscheinlich ja. Schreiben ist immer eine harte Sache. Als ich angefangen habe, über das Projekt „Rampokan“ nachzudenken, war ich 23 Jahre alt. Jetzt bin ich 60. Und ich fliege immer noch nach Indonesien und spreche mit Studenten an Universitäten über „Rampokan“. Es gab bereits Ausstellungen zu dem Band, und es wird vielleicht wieder welche geben. Als ich jung war, wusste ich wenig über das Heimatland meiner Mutter. „Rampokan“ war für mich ein langer Lernprozess. Und über den spreche ich immer noch auf der ganzen Welt. Ich werde immer noch zu Comic-Cons eingeladen wegen „Rampokan“. Und jetzt aber auch wegen „Blake und Mortimer“. Die Serie öffnet auf jeden Fall Türen. Es ergeben sich Gelegenheiten auch für andere Projekte. Also, ich denke, ich werde „Blake und Mortimer“ gerne einfach weiter zeichnen. Wenn es ein gutes Skript gibt, werde ich weiterhin gerne dabei sein.

Gerade schreibt Yves Sente an einer neuen „Blake und Mortimer“-Geschichte, die in Jamaica spielen soll. Es gibt einen ersten Entwurf, den ich noch nicht gelesen habe. Aber es war meine Anregung, eine Geschichte zu bringen, die in Jamaica während der Zeit spielt, als die Insel unabhängig wurde. Das war 1962. In einer solche Geschichte würde es also auch um Kolonialismus gehen, und das hätte etwas mehr mit mir zu tun. Ähnlich war das bei meiner Arbeit an dem „Blake und Mortimer“-Band „Das Tal der Unsterblichen“. Die Geschichte spielt in Hongkong und das hat mich ein bisschen an „Rampokan“ erinnert. Und ich konnte Recherchen einbringen, die ich über die chinesischen Viertel in Jakarta gemacht hatte.

Ich finde: Wenn dich etwas nicht interessiert, wenn man kein Vergnügen an einer Geschichte hat, wenn es keine Liebe für die Sache gibt und wenn sie keine tiefe Bedeutung für dich hat, dann merken das die Leserinnen und Leser. Und dann sollte man es besser auch nicht machen.

Als du eben über Blake und Mortimer in Jamaica gesprochen hast, kam vielleicht doch ein wenig der Autor im Zeichner Peter van Dongen durch, hatte ich den Eindruck. Peter van Dongen, vielen Dank!

Peter van Dongen (Zeichner), Yves Sente (Autor): Black und Mortimer. Band 28: Die atlantische Bedrohung • Aus dem Französischen von Harald Sachse • Carlsen, Hamburg 2026 • 64 Seiten • Softcover • 12,00 Euro

Max Bauer ist Redakteur in der ARD-Rechtsredaktion und berichtet u.a. vom Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, vom Europäischen Gerichtshof in Luxemburg und vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Außerdem rezensiert er Comics für SWR Kultur.