Keine Falle kann Berufs- und Serienganove Parker aufhalten. Auch die neueste Comic-Adaption nach einem Noir-Krimi von Richard Stark überzeugt durch Tempo und Spannung.
„Parker glaubte nicht an Schicksal, weder im Guten noch im Schlechten. Er glaubte nur an Männer, die ihren Job beherrschten.“ So lieben wir Parker, den Vollblutgangster: fatalistisch, bar jeglicher Sentimentalität, hart im Nehmen wie im Austeilen. Derart grantelt, prügelt und schießt er sich auch wieder durch den spannenden Noir-Krimi „Eine Falle für Parker“. Schon Titel und Klappentext verraten, dass in dem Band nicht alles glatt läuft für das Raubein. Einer im Team, George Uhl, spielt falsch. Den hat Parkers langjähriger Ganovenkumpel Benny Weiss für einen Banküberfall als Fahrer mit ins Boot geholt. Kaum ist der Coup über die Bühne, tanzt Uhl aus der Reihe und legt einen tödlichen Blei-Pogo hin.
Weiss und Phil Andrews, den vierten Mann, kostet es das Leben. Parker hechtet durchs Fenster ins Freie, bevor Uhl zum dritten Mal abdrücken kann. Äußerlich cool, brodelt es in Parkers Innerem. Den Tod seiner alten Kollegen könnte er ja vielleicht noch wegstecken. Bleivergiftung gehört zum Berufsrisiko. Doch Uhl, der Verräter, lässt auch die Beute mitgehen, und wenn’s um Geld geht, versteht Parker bekanntlich nun mal gar keinen Spaß. Er nimmt Uhls hauchdünne Fährte auf. Die Spurensuche führt ihn keineswegs schnurstracks zum Ziel. Doch alle ahnen sofort: Ein Treffen ist unausweichlich, und es wird blutig verlaufen!

An Action, Härte und Spannung steht „Eine Falle für Parker“ den früheren Parker-Comics von Darwyn Cooke um nichts nach. Erneut ein fesselnder, ruppiger Pageturner. Aus „The Sour Lemon Score“ (1969), dem 13. Parker-Krimi von Richard Stark alias Donald E. Westlake, hat Doug Headline ein prima Szenario gebastelt. Nur bei der Grafik von Kieran gibt’s kleine Abstriche. Er zeigt milde Schwächen, was Gesichter betrifft. Sie stören selten, am ehesten bei weiblichen Figuren. Meistens versteht es der Zeichner nämlich, kleine Mängel geschickt durch effektvolle Schattierungen zu kaschieren. Seine Parker-Adaption besitzt allerdings nicht den Schwung, die Leichtigkeit und Eleganz der Umsetzungen von Darwyn Cooke. Darüber tröstet Kierans Strich wiederum weg. Er ist schroffer und kantiger, passt zum Charakter der Parker-Storys wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge – oder die klassische Bleikugel zwischen beide Glubscher. Insofern stimmt hier so gut wie alles bis hin zum Ende. Davor grämt sich Uhl einmal: „Er hätte Parker als erstes kaltmachen sollen.“ Die Erkenntnis kommt spät. Manche Fehler lassen sich nicht korrigieren.
Richard Stark (Vorlage), Kieran (Zeichner), Doug Headline (Autor): Parker Band 1: Eine Falle für Parker ● Aus dem Französischen von Resel Rebiersch ● Schreiber & Leser, Hamburg 2025 ● Hardcover • 112 Seiten • 22,80 Euro
Jürgen Schickinger hat seine ersten Artikel über Comics im Jahr 1981 für das Fachmagazin „Comic Art“ geschrieben. Danach folgte ein Studium, das er zu einem guten Teil mit dem Verkauf von Comics auf Flohmärkten finanziert hat. Zwangsläufig wuchs dabei die eigene Sammlung. In dieser Zeit sind auch weitere Comic-Artikel von ihm in verschiedenen Fanzines und Büchern erschienen. Nebenher hat er einige Jahre im Fachhandel gejobbt. Seit 1999 betreut er für die Badische Zeitung in Freiburg als freier Autor unter anderem das Themengebiet Comics, Graphic Novels, Cartoons und verwandte Grafik.

