Im Gespräch mit Erik Kriek (IN THE PINES)

In-the-Pines-coverDer Illustrator und Comic-Künstler Erik Kriek lebt mit seiner Freundin und dem gemeinsamen Sohn im niederländischen Amsterdam. Internationale Anerkennung erhielt er für seine wortlose Comicserie „Gutsman“, die er während des Studiums an der Rietveld Akademie für Kunst und Design entwickelte. Krieks Arbeiten begegnet man in den Niederlanden übrigens auch in Magazinen, auf Theater- und Filmplakaten oder Buchcovern.

2008 erhielt Kriek den begehrten niederländischen Comic-Preis Stripschapprijs, den die niederländische Gesellschaft der Comic-Fans jährlich zur Ehrung des Lebenswerkes an herausragende Künstler vergibt.

2013 veröffentlichte Kriek „Vom Jenseits und andere Erzählungen“, das Comic-Adaptionen einiger Kurzgeschichten des berühmten amerikanischen Horrorautors H. P. Lovecraft enthält. Hierzulande wurde der Comic vom Avant-Verlag herausgegeben.

Ebenfalls beim Avant-Verlag erschienen ist soeben das neueste Buch des Künstlers. „In the Pines – 5 Murder Ballads“ präsentiert fünf einmalig düstere Geschichten, zu denen Kriek sich von klassischen US-Folksongs hat inspirieren lassen. (Hier geht’s zu einer Leseprobe.)

Am 19. und 20. März kann man Erik auf der Buchmesse in Leipzig persönlich antreffen, wo er am Stand von Avant signieren wird.

Anlässlich seiner Signiertour zum Erscheinen von „In the Pines – 5 Murder Ballads“ hatte ich die Ehre und das Vergnügen, mich mit Erik Kriek am vergangenen Donnerstag im Bonner Comic Laden zu einem kurzen Gespräch zusammensetzen zu können. Erik war sichtlich guter Laune, da der Bestand seiner Werke nach dem Ansturm der deutschen Fans auf ein doch recht überschaubares Maß zusammengeschrumpft war. Während er sich nun daran machte, noch einige Exemplare von „In the Pines“ und „Vom Jenseits“ für Stammkunden des Comic Shops zu signieren (toller Service übrigens) und mit Zeichnungen zu veredeln, habe ich den Versuch gewagt, den Menschen hinter den finsteren Bildern von Mord und Schrecken zu entdecken.

Erik KriekMac: Natürlich möchte ich wissen, wie du zum Zeichnen gekommen bist. Aber da die Gefahr doch recht groß ist, zur Antwort zu bekommen, dass man schon als Kind immer gerne gemalt hat, erzähl mir doch, warum du mit dem Zeichnen angefangen hast?

Erik: Du hast recht, natürlich habe auch ich als Kind schon gerne gemalt, aber dass ich dabei geblieben bin, habe ich meiner Mutter zu verdanken. Sie hat mich nie zu etwas gedrängt, aber sie hat dafür gesorgt, dass ich immer ordentliche Stifte und gutes Papier hatte. Kinder wollen einfach drauflosmalen, weil sie Lust darauf haben, aber wenn ihnen dauernd der billige Stift abbricht oder das dünne Papier zerreißt, verlieren sie schnell das Interesse und sie suchen sich eine andere Beschäftigung.
 Mit meinem eigenen Sohn halte ich es ebenso. Er hat gutes Zeichenmaterial und damit schon die Grundvoraussetzung den Spaß am Malen zu entdecken.

Mac: Und warum hast du nun angefangen zu zeichnen?

Erik: Ich glaube, dass Zeichnen für mich auch einen therapeutischen Charakter hat. Als Kind habe ich mir als Gutenachtgeschichten nur die brutalsten und blutrünstigsten Märchen gewünscht. Ich wollte diese Geschichten unbedingt hören, auch wenn ich danach viel zu viel Angst hatte, um einzuschlafen. Aber wenn ich diese Geschichten, die Bilder in meinem Kopf, zu Papier gebracht hatte, war die Angst weg.

Mac: Wenn man sich deine Arbeiten so ansieht, scheint sich diese Faszination für die Schrecken und Abgründe der menschlichen Existenz ja durchaus bis heute gehalten zu haben.

Erik: Durchaus. An Lovecraft hat mich auch immer schon der subtilere Horror fasziniert, der dadurch entsteht, dass der Mensch plötzlich in eine Situation gerät, die so schreckenerregend andersartig ist, dass er darüber den Verstand verliert. Bei den „Murder Ballads“ waren es mehr die Abgründe, die sich angesichts menschlicher Beziehungen und Gefühle auftun. So etwas fasziniert und beschäftigt mich.

Mac: Diese Faszination erklärt natürlich, warum du dich mit Lovecraft, Tolkien und anderen Autoren beschäftigst. Aber wie kommt man nur auf die Idee, einen Comic aus amerikanischen Country-Liedern zu machen?

Erik: Na ja, es gab vor gut zehn Jahren etwas ähnliches in den Niederlanden. Dabei ging es allerdings um beliebte holländische Lieder.

Mac: Und da hast du dir gedacht, das ist zu regional, mach ich eben etwas, das international ein größeres Publikum anspricht?

Erik: So in der Art. Auch als Zeichner muss man unternehmerisch denken. Natürlich habe ich da mit Rockabilly und Folk-Rock mehr Erfolgsaussichten als mit holländischen Chansons. Aber ich mag diesen Musikstil auch sehr und mache selbst gern Musik. Daher war es nur konsequent, sich dafür zu entscheiden.

Mac: In deine Arbeit fließt also auch viel von dem ein, was dich interessiert und bewegt?

Erik: Auch das hat schon früh angefangen. Ich hatte mit ungefähr sechzehn einen Job, bei dem ich Arbeit und Vergnügen verbinden konnte.

Mac: Was war das für ein Job und inwiefern konntest du dort deinen Interessen nachgehen?

Erik: Ich… na ja… ich habe als Gärtner gearbeitet. Und zwar auf einem Friedhof.

Mac: Na, das passt ja. Als Kind lässt du dich mit Schauermärchen quälen und als Jugendlicher beharkst du den Ort, an dem Leben und Tod nur durch ein paar Meter Erde voneinander getrennt sind.

Erik: Richtig. Und genau das war für mich sehr aufregend. Manchmal wurden alte Gräber samt der Überreste ausgehoben und das war etwas, das ich mir unbedingt ansehen wollte. Ich musste lange bitten und betteln, bis ich schließlich doch durfte.

Mac: Gruselig!

Erik: Absolut.

Mac: Im besten Sinne gruselig sind auch deine Zeichnungen. Sie haben etwas holzstichartiges an sich, auch was die großzügige Verwendung von Schatten in deinen Bildern angeht. Andererseits erinnert dein Stil aber auch stark an die klassischen Horrorcomics. Kannst du sagen warum?

Erik: Natürlich. Ich habe während meines Studiums sehr viel mit Holzstichen und ähnlichen Techniken gearbeitet. Das geht einem dann irgendwann ins Blut. Und der klassische Horrorcomic ist nur ein Aspekt der Fünfziger-, Sechziger- und Siebzigerjahre, der mich sehr geprägt hat. Kinoplakate, Musik, Comics. Damals war alles viel markanter, klarer und nicht so überladen, wie es heute zum Teil ist.

Mac: Welche Abgründe planst du denn in Zukunft zu erforschen?

Erik: „Vom Jenseits“ und die „Murder Ballads“ sind Kurzgeschichtensammlungen. Ich würde mich jetzt gerne einmal an einer längeren Geschichte versuchen. Tolkien hat sehr finstere, brutale Sachen geschrieben, aber ich würde gerne auch versuchen eine eigene Geschichte zu machen.

Mac: Na dann dürfen wir uns ja schon jetzt darauf freuen, bald Neues von dir zu hören.

Erik: Jetzt am Wochenende bin ich erst noch in Leipzig auf der Buchmesse und signiere dort am Stand vom Avant-Verlag. Aber danach geht es wieder nach Hause zu meiner Frau und meinem Sohn. Und wenn ich dann wieder zurück in meinem Studio bin, wer weiß was da passieren kann?

Mac: Sehr schön! Dann danke ich dir für deine Zeit und noch viel Spaß in Leipzig.

Erik: Hat mich gefreut. Mach’s gut!