Dampfhammer revisited – „Junior & Senior“

Hommage und Parodie: Die beiden Hauptfiguren in Robin Rechts und Jean-Baptiste Hostaches Western-Reihe „Junior & Senior“ sind eine Verbeugung vor dem berühmten Filmduo Bud Spencer und Terence Hill.

Make America great again! Vor allem den Süden. Mit all seinen Sklaven und einem Sieg gegen die Yankees. Das zumindest verspricht Mr. Smith seinen Wählern, wenn er denn Senator wird. Auf diesem Posten sitzt jedoch gerade Mr. Wesson, und um seinem Konkurrenten unsanft vom Thron zu stürzen, greift Smith zu einem unlauteren Mittel. Er will Karina, das heimliche, uneheliche Kind Wessons, das in einem Internat aufwächst, entführen. Nicht selbst, versteht sich. Stattdessen sollen den fragwürdigen Job zwei Gauner übernehmen, die gerade wieder einmal wegen diverser Vergehen im Knast schmoren.

Junior und Senior nennt man die beiden. Vielleicht der Einfachheit halber. Ein völlig ungleiches Brüderpaar, charakterlich wie auch optisch. Der eine ist dünn, unbekümmert und vorlaut, der andere massig, humorlos und notorisch schlecht gelaunt. Und beide nehmen den Job an, um endlich aus dem Knast zu kommen, auch zur großen Freude der Wärter. Aber so ganz nach Plan läuft die Sache natürlich nicht, denn Karina gibt sich nicht zu erkennen, weshalb Junior und Senior gleich alle sechs Mädchen entführen, die ihnen schnell und ohne Umschweife zeigen, wie der Hase läuft.

Willkommen zu einem Film, den Bud Spencer und Terence Hill (leider) nie gedreht haben. Denn wer die Vorbilder von Junior und Senior sind, liegt nicht nur auf der Hand, sondern ist auch von Autor Robin Recht (u .a. „Conan der Cimmerier“, „Thorgal“) voll beabsichtigt. Das Duo Spencer-Hill war in den 1970er- und 1980er-Jahren nicht nur in seinem Heimatland Italien und in Deutschland äußerst populär, sondern feierte auch in Frankreich große Erfolge, wo die beiden als „Trinita“ bekannt sind (Trinita/Trinity war ursprünglich der Rollenname von Terence Hill in „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ und „Vier Fäuste für ein Halleluja“ – auch Bud Spencers Filmspitzname „Bambino“ hört Senior im Comic gar nicht gern).

Die deutsche Synchronisation der Filme, die selbst ursprünglich ernste Werke der beiden zu Blödel-Streifen werden ließ, trug viel zum Erfolg bei. Im Comic ist der Humor dagegen etwas gehobener. Mit weniger Klamauk, dafür mit gelungenen Gags, die auch gerne im Fortgang der Handlung wieder aufgegriffen werden. Natürlich gibt es auch derbe Späße – so macht Internatsleiterin Frau Antje (ist zwar aus Holland, bringt aber keinen Käse) öfter Bekanntschaft mit Plumpsklos – und die Prügeleien werden ausgedehnt und spritzig inszeniert, womit wir zur zweiten Motiv-Anleihe des Comics kommen. Denn erinnert Senior nicht nur figurmäßig an einen gewissen Gallier? So zählt er in einer finalen Klopperei seine „Opfer“, wie der nur vermeintlich dicke Obelix seine verhauenen Römer. Und wie Obelix liebend gerne Wildschweine verspeist, ist Senior stets scharf auf Bohnen mit Speck.

Weitere originelle Einfälle sind „Smith & Wesson“ oder die „Kanadier“ – vier den Daltons ähnliche Gangster, die ganz, ganz offensichtlich Mexikaner sind. Und natürlich die sechs Mädchen, eine davon Karina, die das Abenteuer ihrer Entführung annehmen, sichtlich Spaß dabei haben und die ihren Entführern (die stets weiße Handschuhe tragen) bald erfolgreich auf der Nase herumtanzen, wobei sie schnell erkennen, dass sich unter deren harter Schale ein weiches Herz befindet. Zeichner Jean-Baptiste Hostache, der sich zuletzt mit „Es war einmal Amerika“ einem ganz anderen Thema widmete, setzt das Geschehen locker stilisiert und pointiert in Szene. „Junior & Senior“, gleichsam Parodie und Hommage, ist abgeschlossen und trägt keine Nummer, wobei der Band auf der Splitter-Website als Nr. 1 geführt wird. Das lässt hoffen.

Dieser Text erschien zuerst auf: Comicleser.de

Robin Recht (Autor), Jean-Baptiste Hostache (Zeichner): Sie nannten sie Junior & Senior Band 1 • Aus dem Französischen von Tanja Krämling • Splitter Verlag, Bielefeld 2026 • 104 Seiten • Hardcover • 22,00 Euro

Bernd Weigand ist schon über vier Jahrzehnte in Sachen Comics unterwegs: lesen, sammeln, übersetzen. Schreibt auch seit 20 Jahren über Comics, seit 2010 auf comicleser.de.