Sammle nur ein Weilchen… – „Der Augenjäger“

Frank Schmolke hat mit „Der Augenjäger“ nun auch das Sequel zu Sebastian Fitzeks Serienkiller-Bestseller „Der Augensammler“ adaptiert und geizt nicht mit einer Ästhetik des Drastischen.

Fünf Wochen sind nach den Geschehnissen in „Der Augensammler“ vergangen: Julian, der Sohn von Polizeireporter und Ex-Polizist Alexander Zorbach, ist noch immer verschwunden. Entführt von Frank Lahmann, einem Kollegen Zorbachs, der sich als Serienkiller geoutet und Zorbachs Ex-Frau getötet hat. Und nun flüchtig ist. Ob Julian noch lebt ist, völlig unklar – bis man im Hamburger Hafen eine Spur von ihm findet.

Szenenwechsel: Alina Gregoriev, Physiotherapeutin und vermeintliche Seherin, trifft im Auftrag der Polizei im Knast in Berlin-Tegel auf Dr. Zarin Suker, einen berühmten Augenchirurgen. Suker soll Frauen entführt, ihre Augenlider abgeschnitten und sie vergewaltigt haben. Nur: Die Taten lassen sich ihm nicht nachweisen. Auch Alina kann ihm nichts entlocken. Dabei stellt sich eine brisante Frage: Gibt es eine Verbindung zwischen Lahmann und Suker, also zwischen dem Augensammler und dem Augenjäger?

Nach über vier Jahren ist mit „Der Augenjäger“ die Fortsetzung von „Der Augensammler“ (von dem seinerseits nun auch eine günstigere Softcover-Ausgabe erhältlich ist) erschienen. Auch für diese Adaption zeichnet der Münchner Comiczeichner Frank Schmolke verantwortlich. Die beiden Romanvorlagen von Krimi-Star Sebastian Fitzek stammen bereits aus den Jahren 2010 und 2011. Der Band ist inhaltlich und auch optisch anders konzipiert als sein Vorgänger. Gleich zwei Psychopathen machen hier die Seiten des Comics und Romans unsicher. Stand im ersten Band die Überführung des Augensammlers im Mittelpunkt und damit die Suche nach den beiden entführten Kindern, sind hier nun von Beginn an die Schurken bekannt.

Frank Lahmann ist mit Zorbachs Sohn spurlos verschwunden, und Dr. Suker, dem tatsächlich nichts nachzuweisen ist, kommt wieder frei, nur um – wenig überraschend – sein perverses Spiel fortzuführen, wobei er auch vor anderen Protagonisten nicht haltmacht. Der Band ist weniger subtil gestaltet als Teil 1, heftige Szenen werden ihrer ganzen Drastik zelebriert, und die Seiten sind diesmal weniger düster als im Vorgänger gestaltet, in dem die Dunkelheit eine expressionistische Anmutung erlangt.

Dafür kredenzt uns die Story etliche Überraschungen, angefangen mit dem Schicksal von Alexander Zorbach, und schlägt mitunter heftige Kapriolen, die als kleine Twists getarnt sind, wobei man sich dann gerne überlegt, wie das (logisch) sein kann, was da gerade passiert. Und ganz am Ende, nach teils drastischen, sehr blutigen Episoden, die die Figuren ein Leben lang zeichnen werden, steht dann noch einmal ein ganz großer Plottwist, der wahlweise überrascht oder verstört. Auch dieser Band ist zusätzlich als limitierte Vorzugsausgabe mit Bonusmaterial und einem signierten Kunstdruck erschienen, die bereits verlagsvergriffen ist.

Dieser Text erschien zuerst auf: Comicleser.de

Frank Schmolke: Der Augenjäger • Splitter Verlag, Bielefeld 2026 • 208 Seiten • Hardcover • 28,00 Euro

Bernd Weigand ist schon über vier Jahrzehnte in Sachen Comics unterwegs: lesen, sammeln, übersetzen. Schreibt auch seit 20 Jahren über Comics, seit 2010 auf comicleser.de.