„Ich will nicht arbeiten“: Nele Jongeling zeichnet die junge Generation mit ihren Problemen beim Einstieg in die Arbeitsgesellschaft.
Germany’s next top worker: Edith ist seit dem Abschluss ihres Studiums auf Jobsuche. In der Hoffnung, eine passende Stelle zu finden, nimmt sie am „Projekt Traumjob“ teil – einer neuen Fernsehsendung, organisiert vom „Bundesbüro für Beruf“, dem „Zentralinstitut für Interessensermittlung“. Dort bekommt sie die Chance auf den perfekten Job, muss allerdings gemeinsam mit ihren Mitbewerber*innen einige Challenges in Richtung Fremdoptimierung und Selbstschämen bestehen…
Das ganze Leben ist ein Casting und wir sind die Kandidat*innen – und frühes Aufstehen ist die Einstiegsqualifikation: Mit hintergründigem Witz und klarer Linienführung entführt Nele Jongeling in ihrer Graphic Novel „Ich will nicht arbeiten“ ihre Leser*innen in eine absurde Mediensatire, die den Kapitalismus in ganz eigener Art aufs Korn nimmt. Ihre Protagonist‘innen schickt sie in ein turbulentes Abenteuer, das nicht zuletzt eine tiefergehende Reflexion über den Begriff der Arbeit selbst darstellt. Jongelings Figuren können dabei alles sein: Oft tragen sie tierische Attribute wie Hasenohren oder Katzenschwänze – und es kommt vor, dass eine Pilzsuppe mit dir eine Unterhaltung anfängt.

Einen tollen Titel hat dein Buch. Nach wenig Ackerei sieht das aber nicht aus. Wie lange hast du dran gesessen?
Die eigentliche Arbeit hat etwa zwei Jahre gedauert. Davor habe ich aber noch ein Jahr an einem Vorgänger dieser Story gearbeitet, der letztendlich nicht funktioniert hat.
In der Geschichte ringen fünf Kandidat*innen um das „Projekt Traumjob“. Was ist das Schwierige beim Berufseinstieg?
Die Teilnehmenden haben alle sehr unterschiedliche Probleme. Die Hauptfigur Edith ist beispielsweise auf Jobsuche, fühlt sich aber überfordert von den hohen Ansprüchen der Arbeitswelt. Und die anderen haben mit erfolglosen Bewerbungen, unfreundlichen Vorgesetzten, schlechter Bezahlung, Burnout oder Depressionen zu kämpfen.
Wann wusstest du, was du werden willst – und war‘s bei dir auch so schwer?
Als Kind wollte ich gerne Autorin werden – und obwohl ich diesen Wunsch während meines Designstudiums schon längst verworfen hatte, bin ich irgendwie doch eine geworden. Es fiel mir lange schwer, mir vorzustellen, dass ich mich als Frau auch selbstständig machen kann.
Warum wird man Comiczeichnerin?
Ich bin irgendwann ins Comiczeichnen reingestolpert und kann einfach nicht aufhören damit. Vielleicht, weil ich in Comics ein Medium gefunden habe, um mich und meine Gedanken besser ausdrücken zu können.
„Vielleicht definiere ich meinen Selbstwert eines Tages nicht mehr so sehr durch Arbeit“, sagt die Hauptfigur Edith. Wie ist das bei dir – und was hältst du persönlich von Arbeitszeitverkürzung?
Ich kann mich mit den Gefühlen der Hauptfigur sehr gut identifizieren. Wir leben in einer Gesellschaft, die Arbeit als den Mittelpunkt unseres Lebens definiert. Dabei sollte Arbeit nur einen Teil ausmachen. Soziale Kontakte, Erholung, Unproduktivität oder Kreativität sind alles Dinge, die mindestens genauso wichtig sind. Jeder Mensch sollte ein Anrecht darauf haben, diesen Dingen selbstbestimmt mehr Zeit widmen zu können.
Hier findet sich ein weiteres Interview mit Nele Jongeling.
Dieses Interview wurde im SOLI:MAG #3/2026, der Zeitschrift der DGB-Jugend, veröffentlicht. Das Magazin, von der Agentur 4S in Zusammenarbeit mit Redakteur Jürgen Kiontke und der DGB-Jugend entwickelt und von Grafiker Heiko von Schrenk gesetzt, erscheint vierteljährlich; immer wieder werden, dort von Künstlerinnen und Künstlern signierte Graphic-Novel-Ausgaben, auch die Jongelings, verlost.
Nele Jongeling: Ich will nicht arbeiten • Reprodukt, Berlin 2026 • 304 Seiten • Klappenbroschur • 29 Euro

