ALL STAR BATMAN REBIRTH – Ein alptraumhaftes Road Movie

Unverhofft kommt oft: Da sitzt man ganz in Ruhe in einem Diner beim Kaffee, denkt an nichts Böses, und auf einmal kommt eine allgemein bekannte Fledermaus-Figur durch die Scheibe geschmettert. Durchaus heftig bedrängt von zwei wüsten Gesellen, genauer gesagt Firefly und Killer Moth, die versuchen, den alten Kontrahenten zu schnappen. Der erwehrt sich noch durchaus erfolgreich, nur um in die Klauen von Black Spider zu geraten, der wohl ebenfalls ein Hühnchen mit Bats zu rupfen hat, aber auch den Kürzeren zieht. Als sich dann aber auch noch die versammelte Mannschaft des Diners gegen unseren Mitternachtsdetektiv wendet, muss die Frage erlaubt sein: Was zur Hölle ist hier los? Die Antwort tritt alsbald in Form von Harvey Dent auf, besser bekannt als Two Face, der Batman einen höllischen Deal vorgeschlagen hat: Irgendwo in einem mysteriösen Haus liegt angeblich der Schlüssel zu seiner endgültigen Heilung. Wenn Batman ihn dorthin bringt, kann Harvey sich endgültig von seinem bösen alter ego befreien – sagt er zumindest. Aber um ein bisschen Würze in die Sache zu bringen, ruft er gleichzeitig getreu seiner schizophrenen Natur zu einem kleinen Spiel auf: Wer es schafft, Batman auf seinem Weg zu schnappen, dem winkt eine obszön hohe Belohnung. Und der perfide Plan geht meisterhaft auf: von Killer Croc über Gentleman Ghost bis hin zu Oswald Cobblepot hat Batman so ungefähr alle Lumpensöhne an den Hacken, die jemals seinen Weg kreuzten. Der Pinguin greift dabei zu drastischen Mitteln und engagiert den rücksichtslosen Killer KGBeast, der sich schon mörderisch darauf freut, eine ordentliche Schweinerei anrichten zu können. Das scheint auch zu gelingen, als im letzten Moment der neueste Robin Duke eingreift und Batman nebst schwer verletztem Harvey zu Harold Allnut in ein safehouse bringt. Weiter verfolgt von Schurken und der allgemeinen Bevölkerung, eröffnet Batman seinem Schützling, dass ihn weit mehr mit Harvey Dent verbindet als die übliche Schurke-Held-Beziehung: Als Kind waren Harvey und Bruce Freunde, die ein ähnlich grausames Schicksal teilten und grimmige Rache schworen…

Das Duo Scott Snyder und John Romita jr. wird seinem Status in der Szene hier mehr als gerecht und liefert nicht weniger als eine der furiosesten Batman-Stories seit langem. In einem wilden chronologischen Mischmasch aus Flashbacks, Rückblicken und Vorgriffen jagen sie den Leser durch diese gewalttätige Hetzjagd, in der die „neue“ Inkarnation von Harvey Dent als eine Art modernen Jekyll&Hyde (der böse Teil seines gespaltenen Charakters bricht sich bisweilen Bahn) auf die Spitze getrieben wird, aber auch die traditionelle Origin in „Detective Comics“ 66 von 1942 in einem direkten Bildzitat zu Ehren kommt. Dabei treffen, wie dies Alan Moore und Brian Bolland im „Killing Joke“ meisterhaft vorführten, zwei versehrte Charaktere aufeinander, die nicht so unterschiedlich sind, wie dies den Anschein hat. Two Face propagiert die These, dass auch der Durchschnittsmensch jede Menge Leichen im Keller hat und gar nicht so abgeneigt ist, alle schmutzigen Geheimnisse preiszugeben – solange es dafür eine ordentliche Entlohnung gibt. Batman dagegen glaubt stur an die Chance, dass Menschen sich bessern, wird dabei immer wiederholt Lügen gestraft. So entsteht ein alptraumhaftes Road Movie, das in dem angesteuerten Haus symbolisch Antworten, aber auch Schockmomente bereithält. Tummeln darf sich dabei auch Duke Thomas als Robin, der im August 2013 debütierte und zunächst bei der Bewegung „We are Robin“ mitmischte, bevor er zur Bat-Familie stieß und hier seinen ersten vollgültigen Einsatz erlebt.

John Romita jr. gestaltet das Geschehen in seinem gewohnt stilisiert-kantigen Strich, mit dynamischen Panels, detailreichen Hintergründen und krachiger Action. Ein echter Leckerbissen, der teilweise auf die Geschehnisse in „Batman & Robin“ 5 zurückgreift, aber auch so bestens verständlich ist. Der vorliegende Band bringt die Storyline „My Own Worst Enemy“, die im Original als „All Star Batman 1-5“ vom Oktober 2016 bis Februar 2017 erschien.

Scott Snyder (Text), John Romita jr. (Zeichnungen): All Star Batman Rebirth. Bd. 1: Mein schlimmster Feind. Aus dem amerikanischen Englisch von Ralph Kruhm. Panini, Stuttgart 2017. 148 Seiten. 16,99 Euro