Zwischen Politthriller und Verschwörungsfantasterei – „Batman: Der Fluch des Weißen Ritters“

© DC Comics

Mit nur einer einzigen Geschichte hat sich Comic-Autor und -Zeichner Sean Murphy einen nahezu erhabenen Stand im US-Comic-Business erarbeitet, denn „Batman: Der Weiße Ritter“ zählte binnen kürzester Zeit nach Erscheinen zu einer der besten Batman-Storys der vergangenen zehn Jahre. Nun ist es nicht so, dass Murphy mit ebenjener Geschichte seine erste Comic-Arbeit vorgelegt hätte, bei weitem nicht, jedoch wohl seine bis dato ambitionierteste und mit Abstand bekannteste.

Unter dem Stern des „DC: Black Label“ erschien diese Geschichte einer alternativen DC-Welt, in welcher der Joker aka Jack Napier die Seiten wechselt und zum vermeintlich strahlend-weißen Ritter Gotham Citys wird.

Sean Murphy (Autor und Zeichner): „Batman: Der Fluch des Weißen Ritters“.
Panini, Stuttgart 2020. 268 Seiten. 27 Euro

Mit „Batman: Der Fluch des Weißen Ritters“ liegt nun die offizielle Fortsetzung des Comics vor, wobei im nun von Panini Comics veröffentlichten Band nicht nur die obligatorischen acht Kapitel der neuen Mini-Serie enthalten sind, sondern auch das lang erwartete One-Shot „Batman: White Knight Presents: Von Freeze“.

Nach den Vorkommnissen des ersten Teils musste Jack Napier mental das Weite suchen, denn sein Alter Ego hat abermals das Ruder übernommen und den Clownprinz des Verbrechens nach außen gekehrt. Nun sitzt er im Arkham Asylum ein, jedoch nicht ohne einen Plan zu haben, den Dunklen Ritter ein für alle Mal zu stürzen. Und wie es scheint, könnte dieser Plan diesmal sogar gelingen, denn Jacky Boy hat in den dunklen Verliesen des Asylums ein unvorstellbares Geheimnis entdeckt, dessen Enthüllung die Welt von Bruce Wayne, Batman und all seinen Mitstreitern, ja der gesamten Stadt, für immer verändern könnte.

Autor und Zeichner Sean Murphy arbeitet weiter an seinem persönlichen Mythos des Dunklen Ritters und liefert nicht nur eine Geschichte um Batman selbst, sondern koordiniert das Bat-Universum gänzlich neu. Der Joker als einstiger Protagonist der ursprünglichen Erzählung wird zur Randfigur und dient letztendlich als Mittel zum Zweck im Rahmen des Dreiergespanns aus Batman, Azrael und ihm selbst.

In der Summe präsentiert Murphy abermals eine politische Gesellschaftsparabel mit offenkundigen Bezügen zum aktuellen Geschehen in den Vereinigten Staaten: Die verheißungsvollen „Eliten“, die das politische wie auch gesellschaftliche Geschehen als ein geheimes Konglomerat aus den Schatten heraus leiten und ausschließlich ihre eigenen, heimtückischen Interessen durchsetzen, dienen als Ankerpunkt einer Gesellschaft im Umbruch – wofür Batman unwissentlich als Werkzeug dient.

So stichelt Murphy auf den aktuell blank liegenden Nerv zwischen politischem Thriller und hanebüchener Verschwörungfantasterei, wie man sie im Internet mittlerweile alle zwei Meter weit findet. Das verleiht seinem Comic zwar eine gewisse Aktualität, kokettiert gleichermaßen jedoch auch mit einem Thema, dessen unreflektierte Abhandlung allzu schnell gefährlich werden könnte. Murphy überlässt die Interpretation jedoch seinen Leser*innen.

Ein erwachsener Batman-Comic, der eine vielseitige Geschichte in großartigen Bildern erzählt. Der Hype um die vorangegangene Story wurde gekonnt erweitert und legt mit der letzten Seite der nun vorliegenden Story den Grundstein für hoffentlich ebenso gute künftige Erzählungen. Der Mann weiß, was er tut. Pflichtkauf.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf: bizzaroworldcomics.de

Emanuel Brauer ist Betreiber des Comic-Blogs bizzaroworldcomics.de, Autor für das Comic-Fachmagazin Comixene sowie auch für Comic.de.

Seite aus „Batman: Der Fliuch des Weißen Ritters“ (Panini)