Der Animationsfilm „Arco – Eine fantastische Reise durch die Zeiten“ erzählt eine poetische SF-Geschichte im Angesicht der Naturkatastrophe. Das Langfilmdebüt des Regisseurs und Comiczeichners Ugo Bienvenu („Préférence Système“) startet heute in den Kinos.
In der weit entfernten Zukunft dieses Animationsfilms erstrahlt die Welt in einer bezaubernden Farbigkeit. Am tiefblauen Himmel ziehen Vögel vorüber, während der 10-jährige Arco ganz selbstverständlich Hühner, Schafe und Schweine füttert sowie sehr rote Äpfel erntet. Etwas fremd erscheint diese märchenhafte, vielleicht naive bäuerliche Idylle der Selbstversorgung nur deshalb, weil Haus und Hof – wie andere Anwesen auch – auf großen, hoch aufragenden Plattformen situiert sind. Diese stehen vereinzelt als eine Art zweite Natur wie gigantische Pilze in einer Landschaft, die aufgrund des gestiegenen Meeresspiegels nicht mehr bewohnbar ist. Als plötzlich ein Rauschen durch die Luft geht und am Himmel die verschlungenen Bahnen von Regenbogen sichtbar werden, entpuppen sich diese nach der Landung von Arcos Eltern als Vehikel für Zeitreisen. Denn die beiden Dino-Forscher, die in auffallend farbigen Anzügen stecken, kommen direkt aus einer fernen Vergangenheit, in die auch der kleine, neugierige Titelheld aus Ugo Bienvenus preisgekröntem Langfilmdebüt „Arco – Eine fantastische Reise durch die Zeiten“ gerne eintauchen würde.

Und so setzt sich der Junge eines Nachts heimlich über das Verbot seiner Eltern hinweg, klaut den Regenbogenanzug inklusive lichtbrechendem Diamant seiner älteren Schwester und macht sich auf den Weg. Doch entgegen seinem Wunsch landet das ungehorsame, abenteuerlustige Kind ziemlich unsanft im Jahr 2075 in einer immer wieder von Naturkatastrophen heimgesuchten Welt. „Ich bin aus der Zukunft“, sagt der vom Himmel gefallene Junge lapidar zu der verdutzten, etwa gleichaltrigen Iris, die gerade die Schule schwänzt und viel lieber zeichnet, weil man damit all seine Gedanken und Gefühle ausdrücken könne. Außerdem liebt das aufgeweckte Mädchen Vögel und träumt vom Fliegen. Schnell ist klar, dass sich hier die liebevolle Freundschaft zweier vernachlässigter, geistesverwandter Kinder anbahnt. Denn Iris und ihr kleiner Bruder werden von einem Hausroboter namens Mikki betreut, zu dem sie auch eine emotionale Beziehung haben, während sie von ihren Eltern nur via Hologrammen „besucht“ werden.
Damit Arco seine Reise zurück in eine Zukunft, die niemand kennen darf, antreten kann, müssen die beiden Freunde eine Reihe turbulenter Abenteuer bestehen und sich dabei auch einem obskuren, etwas tolpatschigen Verfolger-Trio erwehren. Fantasiereich verbindet der französische Animationsfilm, der mit einer klaren, realistischen Zeichnung und vielen Hintergrunddetails aufwartet, dabei vertraute naturalistische Elemente einer nahen, endzeitlichen Zukunft mit den magischen Möglichkeiten der Science-Fiction. Trotz inszenierter Unwetter und Feuersbrünste in der Rahmenhandlung will der Comiczeichner und Regisseur Ugo Bienvenu allerdings nicht die üblichen Dystopien von Zukunftsfilmen bedienen. Vielmehr möchte er mit poetischen Mitteln eine Geschichte voller Hoffnung und Zusammenhalt erzählen und dabei die Vorstellung einer lebenswerten Welt von übermorgen vermitteln. Ihr größter Wunsch sei es, „dass sich die Dinge ändern“, sagt deshalb die kleine Iris ganz am Ende des versöhnlichen Films.
Arco – Eine fantastische Reise durch die Zeiten
Frankreich/USA/GB 2025 – 89 Min.
Regie: Ugo Bienvenu – Drehbuch: Ugo Bienvenu, Félix de Givry – Produktion: Félix de Givry, Ugo Bienvenu, Sophie Mas, Natalie Portman – Montage: Nathan Jacquard – Musik: Arnaud Toulon – Verleih: Wild Bunch – Kinostart (D): 09.04.2026
Wolfgang Nierlin, geboren 1965. Studium der Germanistik, Philosophie und Psychologie in Heidelberg. Gedichtveröffentlichungen in den Zeitschriften metamorphosen und Van Goghs Ohr. Schreibt Film- und Literaturbesprechungen für Zeitungen (Rhein-Neckar-Zeitung, Mannheimer Morgen u. a.) sowie Fachzeitschriften (Filmbulletin, Filmgazette u. a.). Langjährige Mitarbeit im Programmrat des Heidelberger kommunalen Karlstorkinos.
Sämtliche Abb. © Wild Bunch

