Ständig unterwegs – „Supergirl: The World“

In den „The World“-Anthologien des DC Verlags interpretieren Künstlerteams aus der ganzen Welt, die oftmals nicht in dieser Sparte aktiv sind, eine Superhelden-Figur. Der neueste Band ist Supergirl gewidmet, der deutsche Beitrag stammt von Marie Sann und Yann Krehl.

Bereits zum vierten Mal präsentieren Panini und DC ein „The World“-Projekt. Dabei nehmen sich Kreativteams aus verschiedenen Ländern einer ikonischen Superhelden-Figur an und lassen sie Abenteuer im Heimatland der Künstler:innen in Form von Kurzgeschichten bestehen. Der Effekt: abwechslungsreiche Storys, mitunter mit viel Lokalkolorit und unterschiedlichsten Zeichenstilen und Interpretationen der Figur. Nachdem bisher Batman, der Joker und im letzten Jahr Superman im Mittelpunkt standen, spielt nun Kara Zor-El alias Supergirl die Hauptrolle in den Storys, passend zum aktuellen, leider wenig erfolgreichen Kinofilm.

Aus Deutschland sind diesmal Autor Yann Krehl und die Zeichnerin Marie Sann dabei. Krehl kennt man von seinen Adaptionen mehrerer Kai-Meyer-Romane, die im Splitter Verlag erschienen. Auch Marie Sann hat gemeinsam mit Krehl Meyers Roman „Frostfeuer“ adaptiert. Außerdem veröffentlicht sie bei Splitter Erotik-Werke wie „Kinkerlitzchen“, ebenfalls von Krehl geschrieben. Ihre optisch mit Manga-Einflüssen bunt gehaltene Supergirl-Geschichte namens „Die Exfiltration“ spielt in Berlin, u.a. auf dem Teufelsberg, wo die Superheldin ein verängstigtes Alien sucht, sich mit einer Agentin des deutschen Geheimdienstes auseinandersetzen muss und dabei Unterstützung von Krypto bekommt.

Auch hinter den internationalen Storys stehen bekannte Namen. Aus Supergirls Heimatland sind diesmal Mariko Tamaki und Skylar Partridge am Start. Supergirl erklärt einem Mädchen namens Sadie, dass es nicht feige ist und erteilt deren beiden Cousins eine Lehre. Richtig interessant wird es anschließend in der spanischen Episode, die Karas Besuch im Museum mit einer alten Legende verbindet. Der folgende italienische Beitrag ist zwar spektakulär gezeichnet, inhaltlich aber verwirrend. Der serbische Zeichner Stevan Subic mischte bereits bei „Superman: The World“ mit und ist bekannt durch seine Arbeit an „Der Riddler – Das erste Jahr“ und „Conan: Der wandelnde Schatten“. Hier lässt er Supergirl gegen Lex Luthor antreten, der aus Gründen auf ein Bergwerk in West-Serbien scharf ist. Leicht abstrakt gezeichnet ist die Episode ein Highlight des Bandes.

In der argentinischen Episode bekommt es Kara mit dem Toyman in Buenos Aires zu tun, im knalligen Manga-Look und in Kamerun steht ihr eine mythische Gestalt zur Seite. In der Finnland-Story wird Supergirl in die Vergangenheit ins Jahr 1908 geschleudert, als das Land noch zu Russland gehörte, dort lernt sie das damalige, heute völlig überholte Frauenbild kennen, auch das Tunguska-Ereignis wird thematisiert. Fein gezeichnet von Rosi Kämpe, die bereits für DC tätig war. Markante Bilder gibt’s auch von Mahmud Asrar, den türkischen Vertreter, der ebenfalls schon lange kein Unbekannter in der Superhelden-Welt mehr ist. Er bringt in seiner Story sogar den Joker ins Spiel.

Die französische Episode stammt von Autor Kid Toussiant, von dem beim Splitter Verlag die Serien „Elle(s)“ und „Holly Ann“ erschienen sind. In Paris trifft Supergirl zufällig auf Rampage, hat aber eigentlich einen ganz anderen Plan. Die ebenfalls gelungene Story aus Polen zeigt sie als Retterin nach einem Grubenunglück, und in Mexiko lernt sie die berühmte Pyramide in Chichén Itzá besser kennen, als ihr lieb ist. Wieder schön bunt, wieder mit Krypto als Sidekick. Die abschließende kolumbianische Episode gehört dann zeichnerisch zu den schwächsten Beiträgen des Bandes. Hier hilft Supergirl Buckelwalen… Wie auch bei den Vorgängern ist der Band in einer Soft- und Hardcover-Variante (mit Cover von Marie Sann) erhältlich. Außerdem als limitierte Premium-Edition mit Schuber und einem von Marie Sann und Yann Krehl signiertem Druck.

Dieser Text erschien zuerst auf: Comicleser.de

Marie Sann, Yann Krehl, Marinko Tamaki, Kid Toussiant, Stevan Subic u. a.: Supergirl: The World • Aus dem Englischen von Andreas Kasprzak • Panini, Stuttgart 2026 • 168 Seiten • Softcover/Hardcover • 20,00 Euro (SC), 29,00 Euro (HC)

Bernd Weigand ist schon über vier Jahrzehnte in Sachen Comics unterwegs: lesen, sammeln, übersetzen. Schreibt auch seit 20 Jahren über Comics, seit 2010 auf comicleser.de.