KEIN STRICH ZU VIEL – Aus den PEANUTS-Archiven

Der Amerikaner Chip Kidd gestaltete nicht nur das Design der bunten „Sin City“-Erstauflage, das auch Cross Cult verwendete, oder schrieb „Batman: Bauwerke des Todes“. 2001 gab er außerdem ein Artbook heraus, das dem Schaffen von Peanuts-Schöpfer Charles M. Schulz gewidmet war. Zum Start des ersten Peanuts-Films in CGI und 3D und dem 65-jährigen Jubiläum der Ikonen, hat Kidd nun erneut die Archive des Charles M. Schulz Museum and Research Center und der Familie Schulz geplündert. Herauskam das Buch „Kein Strich zu viel – 65 Jahre Peanuts“, das einen Monat nach der Veröffentlichung auf Englisch beim Baumhaus bzw. Lübbe auf Deutsch erschienen ist.

Los geht’s mit Vorworten von Jeff Kinney („Gregs Tagebuch“), Schulz’ Witwe Jean und Chip Kidd. Es folgen frühe Zeichnungen und Cartoons von Charles M. Schulz am Anfang seiner Karriere und aus seiner Zeit im Zweiten Weltkrieg, sowie die ersten Cartoons und Comicstrips. Natürlich dürfen üppige Reproduktionen der Originale ausgewählter Daily-Strips und Sonntagsseiten nicht fehlen. Wer sich für Schulz’ effizienten Strich begeistert, kommt da schnell ins Schwärmen. Dazu kommen Skizzen, Zeichnungen, Fotos, Notizen und nie fertiggestellte oder veröffentlichte Strips.

Außerdem finden sich auf den rund 300 Seiten noch allerhand Raritäten und Sonderbarkeiten, darunter frühe Merchandise-Artikel, eine Ford-Werbung, Schulz’ Ratschläge für junge Künstler, oder der Briefwechsel, der ihn nach der Ermordung von Martin Luther King dazu bewegte, einen afroamerikanischen Jungen in seinen berühmten Strip zu integrieren. Den Abschluss bildet ein Text von Peanuts-Creative-Director Paige Braddock, die noch heute an neuen Peanuts-Abenteuern arbeitet und zum Schluss enthüllt, was es mit Schulz’ letztem, von ihr montierten Strip wirklich auf sich hat.

Die Mischung von Chip Kidds Peanuts-Expo in diesem Band ist schwer einzugrenzen und letztlich auch nie ganz Beagle oder Snoopy, aber definitiv immer schön anzuschauen im ausladenden Querformat an der Grenze zum Coffee-Table-Book. Leser, die nicht des Englischen mächtig sind, müssen sich allerdings darauf einstellen, dass lediglich die Begleit-Texte und Bild-Legenden von Comic-Experte Andreas C. Knigge übersetzt worden sind – die Strips und Briefe werden wie Dokumente behandelt und blieben im engl. Original. Hier wäre zumindest für die Briefe und Folder ein Anhang oder Beiheft mit Übersetzung ganz schön gewesen.

Sei’s drum – wer ein Weihnachtsgeschenk für den größten Peanuts-Fan in seinem Umfeld sucht, macht mit „Kein Strich zu viel – 65 Jahre Peanuts“ nichts falsch.

Chip Kidd: Kein Strich zu viel – 65 Jahre Peanuts. Baumhaus Verlag, Köln 2015. 304 Seiten, € 39,00