DIE SPIRIT ARCHIVE 23 – Kurz vor dem Endspurt!

Es gibt eine Reihe von Comic-Schaffenden, die das Medium immer wieder vorangetrieben haben, neue Grenzen ausloteten und Klassiker von zeitloser Schönheit schufen. Dies waren Männer wie Hal Foster (“Prinz Eisenherz”), Burne Hogarth (“Tarzan”) oder Alex Raymond (“Flash Gordon”) – und es war Will Eisner, nach dem sogar der wichtigste Comic-Preis, praktisch der Oscar der Szene, benannt worden ist.

Eisner erfand „The Spirit“ im Jahr 1940. Er erzählt vom Polizisten Denny Colt, der mit Segen von Commisioner Dolan nach seinem fingierten Tod als maskierter Vigilant gegen das Verbrechen kämpft. Die Geschichten, die Eisner ersann, waren dabei niemals nur geradlinige Crime-Fiction, sondern auch leichtfüßiges Abenteuer, stimmiger Noir, Mystery und nicht zuletzt auch romantisch. Und oftmals vieles davon in einer Geschichte vereint.

Von 1940 bis 1952 erschien „The Spirit“ als Beilage in verschiedenen amerikanischen Tageszeitungen und hatte damit die traumhafte Auflage von mehr als fünf Millionen Exemplaren. Neben Sonntagsseiten gab es ab 1941 auch tägliche Strips, die während Eisners Militärzeit von 1942 bis 1944 von Jack Cole übernommen worden sind.

Eisner war sich darüber im Klaren, dass er durch die Veröffentlichung in einer Zeitung ein erwachsenes Publikum ansprechen würde. Und darum wollte er keine eher albernen Superheldengeschichten erzählen

Bemerkenswert an „The Spirit“ ist auch, dass Eisner mit der Form spielte. So machte er sowohl den Serientitel als auch die Titel der einzelnen Geschichten zu einem Teil des Layouts. Das Ergebnis waren kunstvoll gefertigte Seiten, die sich stark von allem anderen abhoben, was es damals im Bereich Comic gab – und selbst heute noch nimmt Eisners Werk eine Sonderstellung ein.

Nach dem Ende der Serie im Jahr 1952 gab es zahlreiche Reprintprojekte und ein paar kurze neue Geschichten. In Deutschland werden die „Spirit Archive“ bei Salleck Publications verlegt. Was Verleger Eckart Schott hier leistet, ist phänomenal. In bibliophiler Ausstattung sind seit 2002 die ersten 23 Bände erschienen, die die Geschichten bis zum Dezember 1951 enthalten. Dieser 23. Band, der Geschichten vereint, an denen Eisner nicht mehr so vollumfänglich beteiligt war, erscheint etwas schwächer, aber auch ein schwächerer Spirit ist den meisten anderen Comics noch immer haushoch überlegen. Ein Vorwort von  Dale Crain gibt Aufschluss darüber, wie die ganze Reprint-Reihe überhaupt realisiert wurde.

Die Bände haben einen Umfang von 200 bis 240 Seiten, sind liebevoll und gekonnt übersetzt und bieten darüber hinaus ein paar der besten Geschichten, die das Medium Comic je hervorgebracht hat.

Zumeist sind pro Band 26 Geschichten enthalten, die sorgfältig restauriert und koloriert wurden. So wird jede Spirit-Geschichte in chronologischer Reihenfolge dargeboten – ein ehrgeiziges Unterfangen, das es in dieser Form zuvor nie gegeben hat.

Insgesamt ist die Edition auf 26 Bände angelegt, wobei der letzte Band vor allem aus Covern für die Reprints und anderem Material, das Eisner in den 1960er und 1970er Jahren gemacht hat, bestehen wird.

Will Eisner: Die Spirit Archive 23 – 1. Juli – 30. Dezember 1951. Salleck Publications, Wattenheim 2015. 200 Seiten, € 49,–

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