DREI STEINE – Rechtsextremismus im Ruhrgebiet

DREISTEINE_Hardcover_935Der Rechtsextremismus erlebt im Jahr 2016 eine besorgniserregende Renaissance in Deutschland. Verängstigt und aufgestachelt durch rechtspopulistische Hetzparolen ist für viele Menschen „Multikulti“ längst nicht mehr mit einem positiven Beiklang besetzt. Besonderes Augenmerk richteten die Medien dabei auf die inzwischen gar nicht mehr so neuen Bundesländer im Osten der Republik. Durch die dort seit der Wende gewachsenen Strukturen der rechten Szene sieht die Öffentlichkeit in diesem Teil des Landes nun den neuen Brandherd der Fremdenfeindlichkeit. Dabei ist offensichtlich in Vergessenheit geraten, dass sich auch „tief im Westen, wo die Sonne verstaubt“ bereits seit Jahrzehnten immer neue Generationen von Nationalsozialisten formieren.

Dem Comic-Künstler Nils Oskamp ist das keinesfalls entgangen. Anfang der Achtzigerjahre besucht er eine Realschule in Dortmund und stellt sich dort rechtsradikalen Klassenkameraden entgegen, die unter dem Schutz einiger „traditionsbewusster“ Lehrer die Hassparolen der 1995 verbotenen Partei FAP an ihre Mitschüler herantragen. Schnell wird der Jungendliche das Ziel gewalttätiger Übergriffe und gezielten Mobbings. Weder seine überforderten Eltern noch die Polizei scheinen ihn vor dem immer weiter eskalierenden Spießrutenlauf schützen zu wollen.

Die 160 Seiten starke Graphic Novel rekapituliert dieses bedrückende Kapitel im Leben des Comic-Künstlers, dem letzten Endes nur sein Freund Thomas gegen die Nazis zur Seite steht.

Drei Steine“ erscheint Ende Juni mit Unterstützung der Amadeu Antonio Stiftung bei Panini. Abgesehen von der regulär erhältlichen Fassung, können Schulen bereits eine gekürzte Version des autobiographischen Comics als kostenloses Unterrichtsmaterial beziehen. Im Rahmen des diesjährigen Internationalen Comic Salon Erlangen findet außerdem eine Ausstellung zur ambitionierten Graphic Novel statt.

Nils Oskamp: Drei Steine. Panini, Stuttgart 2016. 160 Seiten, Hardcover, 19,99 €