CONSTANTINE THE HELLBLAZER – Dämonen-Pakt

constantinethehellblazer2_softcover_944Vielen Menschen ist John Constantine nur durch die in vielen Punkten recht freie Film-Interpretation mit Keanu Reeves in der Hauptrolle ein Begriff. Eine respektable, aber kommerziell erfolglose TV-Adaption half 2014 ebenfalls nicht dabei, den Bekanntheitsgrad des legendären Indie-Comics aus der Vertigo-Schiene von DC zu steigern. Auch wenn die ursprünglich schlicht „Hellblazer“ betitelte Reihe eine Vielzahl von Charakteren in einer von Okkultismus, Zauberei und Dämonen geprägten Version unserer Realität vorstellt, war es stets der zynische, kettenrauchende Dämonenjäger John Constantine, der die Comic-Seiten von „Hellblazer“ dominierte. Nachdem die Vertigo-Mutter DC das Trenchcoat tragende Schlitzohr 2011 kurzerhand im Zuge seiner „New 52“-Offensive zurück in das hauseigene Superhelden-Universum verfrachtete, waren die Reaktionen von Fans und Kritik eher durchwachsen. Zu viele Ecken und Kanten hatte die anarchische, rohe Vorlage eingebüßt. Zu glatt und freundlich schien der neue Hellblazer zu sein.

Mit dem zweiten Band erschien nun der Abschluss der zweiten Constantine-Reihe des DC-Labels in deutscher Übersetzung bei Panini. Obwohl der Tenor weiterhin deutlich freundlicher, heller und leichtfüßiger bleibt, als die großen Vorlagen von Garth Ennis oder Alan Moore, findet der neue Hellblazer dabei einen eleganten Weg zurück zu seinen Wurzeln. Trotz der manchmal beinahe fröhlichen Cartoon-Optik wirkt die Welt des „Hellblazer“ wieder deutlich makaberer und rücken Johns stilprägende Charakterschwächen wieder wesentlich mehr in den Vordergrund. Seine bisexuelle Orientierung ist übrigens nicht länger eine Fußnote, sondern wird zentraler Bestandteil der Erzählung. So wird Oliver, Johns muskelbepackter Liebhaber, unvermittelt zur erfrischend anderen „Jungfrau in Nöten“ und zum zentralen Ärgernis für eine eifersüchtige Dämonendame, ohne sich dabei in stereotypen Homo-Überzeichnungen zu verzetteln. Chapeau an das Autoren-Team.

Trotz grafischer Inkonsistenzen und des oft etwas salopp geratenen Humors, umgibt ein ganz eigener Charme diese alternative Version von DCs verlottertem Okkultismus-Experten. Die großartigen Serienursprünge kann und will „Constantine“ nicht ersetzen. Aber um einige interessante und sehr unterhaltende Facetten bereichern, wenn man bereit ist, sich auch darauf einzulassen.

Ming Doyle, James Tynion V, Riley Rossmo, Travel Foreman: Constantine: The Hellblazer 2: Dämonen-Pakt. Panini, Stuttgart 2016. 180 Seiten, € 16,99