Kritik


Schädellehre – „Der Totenkopf aus Schweden“

Philosophiegeschichte mit viel Humor: In ihrem neuen Comic „Der Totenkopf aus Schweden“ setzt Comiczeichnerin Daria Schmitt den noch lebenden Schädel von René Descartes mit den in der Pariser Galerie für Paläontologie ausgestellten Wirbeltier-Exponaten an einen runden Tisch und lässt sie über den Unsinn seiner Tiermaschinen-Theorie streiten
Von BERND WEIGAND



The Memory Remains – „Strange Natives“

Die Comickünstler Jerico Marte und Paolo Herras zeigen in „Strange Natives“ den visuellen Stream of consciousness einer alten philippinischen Frau, in dem sich die Zerrissenheit ihres ganzen Landes ausdrückt
Von ANDREAS GRABENSCHWEIGER


Bemühen um Klarheit – „Spielberg“

Nach Quentin Tarantino und Martin Scorsese nähert sich der französische Comiczeichner Amazing Ameziane in „Spielberg“ dem Wegbereiter des Blockbuster-Kinos
Von WOLFGANG NIERLIN




Zwischen Slapstick und Tex Avery – „Red“

Josephine Mark hat sich vorgenommen, zehn Comics in unterschiedlichen Genres zu zeichnen. Nach einer Westernparodie, einem Road-Trip und einem Kindercomic legt die mehrfach ausgezeichnete Comic-Künstlerin jetzt einen Krimi vor: In „Red“ geht es um einen lang zurückliegenden Mord, auf dessen Fährte ein dreibeiniger Hund gerät
Von ANDREA HEINZE




Am Anfang war die Wüste – „Die hermetische Garage“ von Moebius

Moebius hat die Grenzen der Science Fiction verschoben wie kaum ein anderer. Und nicht erst mit dem „Incal“. Seine Serie „Die hermetische Garage“ lässt dem psychedelischen Geist der 1970er Jahre freien Lauf. Eine Story aus diesem Zyklus kann man nun zum ersten Mal auf Deutsch lesen
Von MAX BAUER







Die Gegenwart der Vergangenheit – „Baumschatten“

Ein Baum soll auf einem Berliner Schulhof gefällt werden, und schon gibt es Aktivisten, die sich für diesen Baum interessieren. Um diesen Grundkonflikt hat Joris Bas Backer den Comic „Baumschatten“ gezeichnet, der deutlich macht, wie komplex politisches Engagement sein kann
Von ANDREA HEINZE




Ein toller Käfer – „Plastok“

In Maud Michels und Nicolas Signarbieux‘ Trilogie „Plastok“ ist die Erde nur noch von Insekten bevölkert, die in Staaten leben und den mehr oder minder vergötterten Menschen nacheifern
Von KLAUS N. FRICK


Das Fleisch und das Kino – „Krimi“

In „Krimi“ nähern sich die französischen Comic-Künstler Alex W. Inker und Thibault Vermot Fritz Langs berühmtem Spätwerk der Weimarer Republik „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ mit dokumentarischem Spürsinn und erzählerischen Freiheiten
Von WOLFGANG NIERLIN




Werden und Vergehen – „Der Spalt“

Anke Feuchtenberger ist eine der wichtigsten und einflussreichsten Comic-Künstlerinnen Deutschlands. Zuletzt veröffentlichte sie 2023 „Genossin Kuckuck“, eine kunstvolle Mentalitätsgeschichte der DDR. Nun ist mit „Der Spalt“ ein Band mit grafischen Essays erschienen
Von ANDREA HEINZE


Filmgeschichte(n), SF-Klassik und NY-Noir

Alex W. Inker und Thibault Vermot erinnern an Fritz Langs Serienkiller-Film „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“, Cazas SF-Kurzgeschichten für „Pilote“ sind wieder erhältlich, und die Comic-Adaption von Paul Austers „New-York-Trilogie“ ist endlich abgeschlossen. Eindrucksvolle, liebenswerte, diskutable Phantastik-Comics der letzten Monate
Von SVEN JACHMANN











Allerhöchster Unwahrscheinlichkeitsfaktor – „Cocco Bill“

Der Western ist ein Genre, das im Comic ein Revival erlebt. So war der Neo-Western „Wiedersehen mit Comanche“ auf der Comic-Jahresbestenliste 2025 platziert. Schon vor mehr als 60 Jahren hat bereits ein ganz anderer Comic die Genreregeln des Western durcheinander gewirbelt: die Parodie-Serie „Cocco Bill“
Von ANDREA HEINZE


Geteiltes Leid – „Mein Freund Kim Jong-un“

Wie ist ein normales Leben möglich angesichts eines Nachbarn, mit dem man sich seit über 70 Jahren formell im Kriegszustand befindet? Keum Suk Gendry-Kim liefert mit „Mein Freund Kim Jong-un“ einen aufschlussreichen Querschnitt aus Politbiografie, Mentalitätsgeschichte und psychoanalytischer Sitzung
Von ANDREAS GRABENSCHWEIGER



Schöpfungsgeschichte – „McCay“

Thierry Smolderens und Jean-Philippe Bramantis Comicbiografie über „Little Nemo“-Schöpfer Winsor McCay ist gleichermaßen kompliziert und schlicht
Von EKKEHARD KNÖRER


Körperertüchtigung – „Leib“

Es geht ums Turnen, um Körperbilder und darum, dass man sich in seiner Pubertät noch mal ganz neu finden muss. Lias Sinram zeichnet in seinem autofiktionalen Comicdebüt „Leib“ eine berührende Coming-of-Age Geschichte
Von ANDREA HEINZE