Kritik


Nichtig – „Das letzte Haus am Rand des Waldes“

Wenn der französische Altmeister Régis Loisel einen neuen Comic veröffentlicht, darf man aufhorchen. Und was er und sein Co-Autor Jean-Blaise Djian mit „Das letzte Haus am Rand des Waldes“ zu Papier gebracht haben, ist womöglich sogar der Witz des Jahres – nur leider kein guter
Von TILLMANN COURTH


Ständig unterwegs – „Supergirl: The World“

In den „The World“-Anthologien des DC Verlags interpretieren Künstlerteams aus der ganzen Welt, die oftmals nicht in dieser Sparte aktiv sind, eine Superhelden-Figur. Der neueste Band ist Supergirl gewidmet, der deutsche Beitrag stammt von Marie Sann und Yann Krehl
Von BERND WEIGAND





Alles so schön bunt hier – „Absolute Martian Manhunter“

Deniz Camp und Javier Rodriguez haben sich für die „Absolute“-Reihe des DC Verlags mit Martian Manhunter einen Superhelden aus der zweiten Reihe vorgenommen – ein frischer Ansatz, für den sie kürzlich mit einem Eisner Award ausgezeichnet wurden
Von BERND WEIGAND


Ist, wie’s ist – „Spinnenwald“

Bei den Bewohner*innen in Sascha Hommers „Spinnenwald“ ist die Aufklärung längst noch nicht angekommen. Hier wird alles hingenommen, was der Mythos vorsetzt
Von JONAS ENGELMANN


Völlig unversöhnlich – „Criminal“

Ed Brubakers und Sean Phillips‘ Neo-Noir-Serie „Criminal“ wartet mit vielen Qualitäten auf. Hoffnung ist den Storys gänzlich fremd. Nun ist der dritte Band der Deluxe-Edition erschienen
Von JÜRGEN SCHICKINGER




Hundesöhne und andere Verwandte – „Saloon“

Die Figuren in Mia Oberländers zweiter Graphic Novel „Saloon“, die für den diesjährigen Max-und-Moritz-Preis nominiert war, müssen ein langweiliges Familientreffen überstehen. Aber hier läuft alles so herrlich aus dem Ruder, dass Luis Buñuel daran gefallen gefunden hätte
Von TILLMANN COURTH



Drama im Schriftsteller-Refugium – „Tamara Drewe“

Die britische Comickünstlerin Posy Simmonds ist bekannt für ihre eigensinnigen Literaturadaptionen, in denen sie Klassiker bis auf die Essenz entstaubt und zu bitterbösen zeitgenössischen Milieustudien verarbeitet. Nun hat Reprodukt „Tamara Drewe“ neu aufgelegt
Von ANDREA HEINZE


KI-Forschungskaninchen, queere Science Fiction und Plattenbau-Horror

Julia Zejn und Matthias Lehmann lassen einen Verstorbenen als App weiterleben, Ines Korth nutzt die Science Fiction zur kritischen Gegenwartsdiagnose, und ein Berliner Hochhaus wird bei Thomas Gronle zum Dämonentreffpunkt. Eindrucksvolle, liebenswerte, diskutable Phantastik-Comics der letzten Monate
Von SVEN JACHMANN


Auferstanden aus Motiven – „Ray Ringo“

Nicht nur im Kino, auch im frankobelgischen Comic sind Reboots keine Seltenheit. Nun haben sich Eric Corbeyran und Roman Surzhenko recht passabel an „Ringo“ von William Vance versucht
Von BERND WEIGAND



Voyeuristische Geister – „Spectators“

In Brian K. Vaughans neuem Comic „Spectators“ sind Tote dazu verdammt, die Welt der Lebenden zu beobachten, ohne darin eingreifen zu können. An Drastik mangelt es dabei nicht
Von BERND WEIGAND



Die Zukunft, so nah – „Metropolia Band 2“

Im zweiten Band ihrer SF-Reihe „Metropolia“ setzen Ingo Römling und Fred Duval ihr ästhetisches Verfahren fort: 70 Jahre in der Zukunft sind die Funktionsweisen der Gesellschaft im Grunde dieselben geblieben
Von TILLMANN COURTH



Das Verletzende unter der Oberfläche – „Steinfrucht“

Lee Lais Debüt „Steinfrucht“ wurde als erster Comic überhaupt bei den National Book Awards für die Kategorie 5 Under 35 Honorees ausgewählt. In der feinfühligen Erzählung muss ein queeres Pärchen dem Druck der religiösen Familien standhalten
Von JONAS ENGELMANN





Der Comic als Flaschenpost – „Eternauta“

Der Science-Fiction-Comic „Eternauta“ schaute in den 50ern so visionär lesbar auf die Zeit der argentinischen Militärdiktatur, dass er zur Ikone für Widerstand und Trauer wurde. Nun erschien der Band in neuer Auflage
Von JONAS ENGELMANN



Ein jüdischer Anti-007 – „Max Friedman“

Vittorio Giardino hat mit Max Friedman eine außergewöhnliche, unheroische Agentenfigur geschaffen. Die in den 1930ern situierten Abenteuer sind auch feinsinnige Stimmungsbilder des drohenden Faschismus. Nun ist eine Gesamtausgabe des Klassikers erschienen
Von MAX BAUER


Vom Faschismus zerstört – „Kriegsfotografen“

Hans Namuth und Georg Reisner haben als Fotografen und Kriegsberichterstatter den Spanischen Bürgerkrieg dokumentiert. Ihre Aufnahmen erschienen in führenden europäischen Zeitungen und Magazinen und haben Geschichte geschrieben. Der Sachcomic „Kriegsfotografen“ zeigt ihre dramatische Flucht vor den Nazis und den Zerfall Europas
Von JÜRGEN SCHICKINGER




Flucht vor den Nazis – „Kinderemigration aus Frankfurt am Main“

In der 2021/2022 präsentierten Ausstellung „Kinderemigration aus Frankfurt am Main“ wurden beispielhaft die Biografien sechs jüdischer Kinder aufgearbeitet, die aus Nazi-Deutschland fliehen mussten. Der Ausstellungskatalog enthält auch Comic-Beiträge, u. a. von Birgit Weyhe und Sascha Hommer
Von JONAS ENGELMANN



Durchhalten im MAGA-Land – „Kaputt“

In ihrem neuen autofiktionalen Meisterwerk „Kaputt“, das den Alltag einer queeren Community in einem Provinznest vor der Wahl von Donald Trump zeigt, spricht Alison Bechdel mit viel (Galgen-)Humor über das Elend des Kapitalismus. Der Comic ist für den diesjährigen Max-und-Moritz-Preis nominiert
Von ANDREA HEINZE






Imagination oder Realität – „Blutsauger“

Ist der Nachbar nur oldschool oder etwa ein aktiv tätiger Vampir? André Breinbauers Graphic Novel „Blutsauger“ kombiniert Wiener Charme mit düsterer Spannung. Der Band ist für den diesjährigen Max-und-Moritz-Preis nominiert
Von CHRISTOPH HAAS