FERNE WELTEN – Gestrandet auf einem degenerierten Abbild der Erde

ferne_welten_01_cover_900x1200Daphne, Paul und ihre Mutter Julia staunen nicht schlecht, als sie nach einem langen Flug auf dem Planeten Altair-3 eintreffen. Denn von ihrem Vater und Ehemann, Jonas Clauden, der sie nach Jahren endlich zu sich holen wollte, fehlt jede Spur. Eigentlich sollte er sie am Raumhafen abholen, aber auch nach mehreren Tagen – inzwischen sieht sich Julia sogar gezwungen, einen Job anzunehmen, um die Hotelunterkunft zu finanzieren – lässt er sich nicht blicken. Enttäuschung und Ratlosigkeit mischen sich mit Frust, denn die Stadt entpuppt sich als nicht gerade einladend und steckt voller Gefahren, respektive Gauner. Mehr durch Zufall trifft Paul auf einen Außerirdischen, eine kuriose Mischung aus Krebs, Spinne und Mensch. Dessen Rasse, die ebenfalls auf Altair-3 siedelt, nennt sich Stepanerks. Mister Step, wie er von Paul genannt wird, bringt den jungen Mann auf die Spur seines Vaters, der angeblich auf dem Nachbarkontinent arbeitet. Paul, unterstützt von Mister Step, macht sich auf die Suche…

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Ferne Welten“ widmet sich einmal mehr dem Lieblingsthema Leos: der Erforschung und Kolonisierung fremder Planeten durch den Menschen. Doch anders als bei seinen Serien „Aldebaran“, „Betelgeuze“ oder „Antares“ variiert er dieses Motiv, zumindest anfangs. Denn der Planet namens Altair-3 ist dieses mal bereits besiedelt. Die Menschen haben die Welt in Besitz genommen und bilden dort ihre Gesellschaft auf der Erde ab. Zum Negativen. Denn die Stadt besteht aus schlechten Vierteln, in die man sich nicht alleine wagen sollte, und Halsabschneider belästigen die vaterlose Familie. Später wird auch die typische Ignoranz der Menschen verdeutlicht, als man acht- und ahnungslos durch eine Herde Panzerwale schippert – ist doch die Meeresstelle eine Ruhezone für die Tiere, die dort ihre Jungen gebären wollen. Schließlich brechen Paul und Mister Step dann doch noch mit einem Forscherteam zur geschichtlichen Erkundung des Planeten auf. Man will mehr über das Schicksal der verschwundenen Ureinwohner von Altair-3 erfahren und trifft dabei auf allerlei Unbekanntes, Mysteriöses und Gefährliches. Und damit ist Leo dann doch wieder in der Spur.

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Hauptperson der Reihe ist der junge Paul, der auch als Ich-Erzähler fungiert. Aber der eigentliche Star ist zweifellos der Stepanerk mit seiner kuriosen Optik. Mister Step, wie er angesprochen werden will, hält den Menschen ein ums andere mal den Spiegel vor, indem er deren unlogische und impulsive Taten und Verhaltensweisen nüchtern sachlich und ohne jeglichen Erklärungsversuch schildert: er bezeichnet Menschen und deren Gewaltausbrüche als irritierend. Aber Mister Step kann noch mehr. Er ist nicht nur hoch intelligent, sondern auch bärenstark und besitzt Eigenschaften, von denen Menschen nur träumen können. So „redet“ er mit den Panzerwalen, besiegt Seemonster und vor allem wittert er Gefahr im Voraus und wird so zum unentbehrlichen Beschützer Pauls. Leo fungiert hier einmal mehr nur als Autor und überlässt den Zeichenstift anderen. Aber während „Centaurus“ durch den bekannten Stil Zoran Janjetows geprägt ist und in „Namibia“ Bertrand Marchal stilistisch auf Leos Zeichenspuren wandelt, bleibt Icars (d.i. Franck Picard) Stil zwar stets klar, aber doch kühl und schematisch, woran man sich doch erst einmal gewöhnen muss. Wie bei Leo schon beinahe üblich, wird auch „Ferne Welten“ wieder fünf Bände umfassen. Band 2 ist für den Februar 2017 angekündigt.

Eine Leseprobe findet sich hier.

Leo, Icar: Ferne Welten, Episode 1. Splitter Verlag, Bielefeld 2016. 48 Seiten, 14,80 Euro