DIE PFEFFER-CHRONIKEN – Übereifrige Fantasy-Heldin auf total wichtiger Mission

Mara ist die vielleicht enthusiastischste Nachtwache, die das Dörfchen Zarg jemals gesehen hat. Für die meisten sogar ein wenig zu enthusiastisch, denn Maras Gerechtigkeitswahn macht vor keiner Kleinigkeit halt. Hinter jeder Ecke wittert sie epische Schlachten oder grausame Verbrechen und treibt ihr inzwischen völlig entnervtes Umfeld so zielsicher in den Wahnsinn. Da man die junge Dame aber auch nicht vor den Kopf stoßen möchte, schickt man sie eben auf eine total wichtige Mission. Dieser Ausflug stellt sich nun aber tatsächlich mal als episches Abenteuer heraus, bei dem Maras einzige Hilfe der nichtsnutzige Kleinganove und Zauberstudent Jacop ist…

Es war sicher keine einfache Aufgabe, die „Pfeffer-Chroniken“ zu übersetzen. Der immer präsente, überdrehte Humor gründet meist auf Wortspielen und zahlreichen popkulturellen Anspielungen auf große Fantasy-Franchises wie „Harry Potter“ oder „Game of Thrones“. Zudem finden sich permanent bizarre Wortschöpfungen, Missverständnisse oder gezielter Nonsens in der Tradition von Monty Python oder der atmosphärisch oft sehr ähnlichen Trickfilmserien-Sensation „Adventure Time“. All das führt zu einem eigentlich pfiffigen und wirklich witzigen Wortcocktail, der dem geneigten Leser aber auch bei entsprechender Vorbildung manchmal zunächst mit einem hüpfendem Fragezeichen über den zusammengezogenen Brauen hinterlässt, bevor man sich die letzten Panels noch einmal etwas konzentrierter vornimmt. Das kann unter Umständen den Lesefluss manchmal etwas stören, ist aber eben der sprachlichen und inhaltlichen Komplexität geschuldet, die man hinter der frisch-frechen Cartoon-Optik so erst mal nicht erwarten würde.

Toll gelingt dabei das Kunststück, eine im Kern ernsthafte und spannende Fantasy-Erzählung aufrecht zu erhalten, ohne sie dabei der sinnbefreiten Albernheit preiszugeben, oder umgekehrt störende Löcher in den engmaschig um die Story gewickelten Humor zu reißen. Ein extrem eigenwilliges, urkomisches und bildschön verarbeitetes Buch für Fantasy-Freunde und -Interessenten, das deutlich mehr Konzentration verlangt, als es zunächst vermuten lässt.

D. Scribner, A. Jung, R. Bennington: Die Pfeffer-Chroniken. Zwerchfell, Stuttgart 2017. 212 Seiten, 35,– Euro.