Mit Lewis Trondheim hat einer der produktivsten Spezialisten für Comic-Komik dem Marsupilami in einem Hommage-Album ein Upgrade verpasst.
Glück gehabt! Gerade wurde der Schiffsjunge José als Mahlzeit für die hungernde Besatzung der Galeone ausgesucht, da erblickt er Land und ist vorerst gerettet. Das Land gehört zu Neu-Indien, der neuen Welt, in der Abenteurer und Konquistadoren wie Kapitän Santoro nur eines finden wollen: Gold! Doch zuerst muss man essen. So jagt man einen vermeintlichen Affen, der sich natürlich für uns als alter Bekannter entpuppt. Gemeinsam mit dem verletzten Marsupilami stürzt José in die Tiefe und wird vom Stamm der Chahutas aufgegabelt. Um beide zu retten, stellt der Schamane Fumdetro eine Verbindung zwischen dem Marsupilami, dem verehrten und geachteten Geist des Waldes, und José her. Nach einigen Wirren gelangt José wieder zu seinen Leuten, deren Goldgier neu erwacht.
„Ein Marsupilami-Abenteuer“, so der Untertitel des Hommage-Bandes, dem zweiten nach „Das Humboldt Tier“ von Flix. Auf der Carlsen-Website fungiert der Band noch dazu als „Marsupilami Spezial 1“; das ist in der Tat leicht verwirrend, aber schauen wir mal, was da noch kommt. Auch haben sich auch Autor Zidrou und Zeichner Frank Pé des 1952 von André Franquin erdachten Fabeltiers angenommen, nämlich in dem Zweiteiler „Die Bestie“.

Für „El Diablo“ zeichnen Lewis Trondheim und Alexis Nesme verantwortlich. Ersterer ist einer der produktivsten Autoren und Zeichner der Gegenwart und hat neben seinen umfangreichsten Serien „Donjon“ und „Herr Hase“ bereits einige Titel für die Disney-Hommage-Reihe (Egmont) geschrieben und gezeichnet, einen davon („Horrifikland“) bereits mit Alexis Nesme.
Nun folgt also ein gemeinsames Marsupilami-Abenteuer außerhalb der regulären Albumreihe, die seit 1987 von Batem gezeichnet wird und bei Carlsen bereits 33 Alben umfasst. Trondheim erzählt seine Story flott und humorvoll, mit José als Hauptfigur, der naiv und unbekümmert etliche Gefahren übersteht, immer mit dem Marsupilami als Backup und voller schöner Running Gags (meist José oder Ricardo, den grobschlächtigen Erfüllungsgehilfen von Kapitän Santoro, betreffend) – ein (nahezu) kindgerechtes Vergnügen.
Dazu glänzt Alexis Nesme („Die Kinder des Kapitän Grant“ beim Splitter Verlag) einmal mehr mit einem opulenten, farbenfrohen Zeichen- bzw. Malstil, der fast dreidimensionale Formen annimmt und irgendwo zwischen Funny, Realismus und Parodie schwebt. Und am Ende der Geschichte um den Marsupilami-Urahn erfahren wir endlich, warum Palumbien Palumbien heißt.
Dieser Text erschien zuerst auf: Comicleser.de
Lewis Trondheim (Autor), Alexis Nesme (Zeichner): Marsupilami Spezial 1: El Diablo • Aus dem Französischen von Thomas Schöner • Carlsen, Hamburg 2025 • Hardcover • 64 Seiten • 20 Euro
Bernd Weigand ist schon über vier Jahrzehnte in Sachen Comics unterwegs: lesen, sammeln, übersetzen. Schreibt auch seit 20 Jahren über Comics, seit 2010 auf comicleser.de.

