José-Luis Munuera hat mit „Sein Geruch nach dem Regen“ den gleichnamigen zeitgenössischen Roman von Cédric Sapin-Defour als Graphic Novel adaptiert und spürt darin der Verbundenheit zwischen Mensch und Hund nach.
Cédric ist Junggeselle und Sportlehrer, der seinen Unterricht gerne unkonventionell leitet. Er lebt in der Stadt in einer Mietwohnung. Und er liebt Bergsteigen. Über eine Zeitungsanzeige kauft er einen Hundewelpen, einen Berner Sennenhund. Er nennt ihn Ubac, nach dem Nordhang eines Berges, der meist im Schatten bleibt – zudem eine Namensfindung, die auf „Blake und Mortimer“ verweist. Nach und nach krempelt der kleine Hund Cédrics Leben um. Er verliert seine Wohnung (keine Haustiere erlaubt), eckt im Job an (keine Hund im Unterricht erlaubt) und lernt Mathilde kennen, die neben Cédric auch Hunde mag. Die beiden werden ein Paar, kaufen sich eine marode Berghütte und genießen das einfache Leben, das indes an schweren und komplizierten Schicksalsschlägen nicht spart.
In seinen Comics setzt José-Luis Munuera auf eine gewisse Variabilität. Auf Einträge im frankobelgischen Kanon wie „Spirou und Fantasio“ (zuletzt das Zyklotrop Spin-Off in bisher drei Bänden, das bei Carlsen in der Reihe „Spirou präsentiert“ erscheint) folgen verlässlich Adaptionen von Literaturklassikern, darunter Herman Melvilles „Bartleby der Schreiber“ und „Der Mann, der Wunder vollbringen konnte“ nach H. G. Wells. Mit „Sein Geruch nach dem Regen“ adaptiert er nun den gleichnamigen zeitgenössischen Roman von Cédric Sapin-Defour, der – das suggeriert bereits die Namensgleichheit des Helden mit dem Autor – autobiografisch geprägt ist und sich als international sehr erfolgreich erwies; im letzten Jahr erschien er auch auf Deutsch im Insel Verlag.

Sapin-Defour wie auch Munuera beschreiben das Verhältnis zwischen Mensch und Hund: „Freundschaft“, Verbundenheit, aber auch Vergänglichkeit (Berner Sennenhunde haben im Schnitt im Schnitt eine Lebenserwartung von sechs bis acht Jahren) und wie ein kleines Tier den Blick auf die Welt fundamental verändern kann. Dabei lässt Cédric Ubac einfach nur Hund sein, genießt mit ihm und Mathilde die Natur und lässt sich vom Ärger des Alltags nicht beirren – beispielsweise dauert es eine gefühlte Ewigkeit, bis man sich einen Heizkessel leisten kann. Dass es nicht bei einem Hund bleibt, ist naheliegend, ebenso dass Dramen und traurige Momente dazugehören – zwei unterschiedliche Todesfälle werden mit denselben Worten betrauert.
Munuera setzt voll auf Atmosphäre. Immer wieder unterbrechen ganz- oder doppelseitige licht- oder nebeldurchflutete Landschafts-Ansichten das Geschehen und versetzen den Protagonisten in Staunen. Auch wechselt die Erzählperspektive. Ein Kapitel zeigt die Sicht Ubacs, samt originell visualisiertem Geruchssinn, eines folgt ausschließlich Mathilde. Langsam wandelt sich Cédric zum Schriftsteller. Um seine Trauer zu bewältigen, schreibt er ein Buch und nennt es „Sein Geruch nach dem Regen“. Die Graphic Novel ist natürlich bestens geeignet für Hundebesitzer, die sich bestätigt fühlen werden, für alle, die sich ernsthaft mit dem Abenteuer Hund beschäftigen, oder schlichtweg eine kleine, herzerwärmende Geschichte aus dem Leben lesen möchten.
Dieser Text erschien zuerst auf: Comicleser.de
José-Luis Munuera: Sein Geruch nach dem Regen • Aus dem Französischen von Anne Bergen • Splitter Verlag, Bielefeld 2026 • 136 Seiten • Hardcover • 25,00 Euro
Bernd Weigand ist schon über vier Jahrzehnte in Sachen Comics unterwegs: lesen, sammeln, übersetzen. Schreibt auch seit 20 Jahren über Comics, seit 2010 auf comicleser.de.

