MERCI – Eine 15-jährige muss zur Strafe ins Rathaus

Merci“ von Zidrou und Arno Monin ist einer dieser Comics, von denen man sich mehr wünscht. Eine Alltagsgeschichte ohne großes Drama, ohne Pathos, mit einem guten Gespür für Situationen, Witz und Wahrhaftigkeit.

Und es beginnt so wunderbar schlicht: Ein Graffiti („Parmentier ist ein Vollidiot“) + eine kaputte Mülltonne = Polizeirevier. Denn dort landet die 15-jährige Merci für ihren Doppelanschlag auf den Anstand im kleinen französischen Nest Bredenne. Aber der zuständige Richter hat ein gutes Herz und einige Fantasie. Und daher landet die störrische Göre nicht im Altenheim, um Sozialdienst abzuleisten, sondern bekommt vom Richter stattdessen die Gelegenheit, ihrer großen Klappe Taten folgen zu lassen. Denn als er sie fragt, was sie denn ändern wolle an der ach so jugendfeindlichen Welt, antwortet sie frech (und ohne nachzudenken): „Alles.“

Jetzt sitzt sie also nicht im Altenheim, sondern im Rathaus, da wo echte Politik gemacht wird – oder eben auch nicht. Sie hat 150 Stunden Zeit, um etwas zu bewegen. Äh… aber was? Und wie?

Die beiden Autoren stellen uns nun Mercis Umfeld vor – alles liebe, nette Leute (wie gesagt, es gibt kein überflüssiges Sozialdrama) – und die Mitglieder des Stadtrats. Und allmählich dämmert es Merci, was der Richter ihr da eingebrockt hat. Sie ist nicht doof und hat eine entwaffnende, völlig nicht-altkluge Art die Erwachsenen vorzuführen, ohne sie dabei komplett vor den Kopf zu stoßen. Weshalb man sie schon bald ernst nimmt. Was Folgen hat. Für Merci, ihr Umfeld und die ganze Stadt.

Aber „Merci“ bleibt unspektakulär und erdverbunden, bis zum Schluss. Und allein dafür möchte man schon ein leises „merci“ von sich geben, weil Zidrou und Monin einfach begriffen haben, wie wenig es manchmal braucht, um eine tolle Geschichte zu erzählen.

Zidrou, Monin: Merci. Panini, Stuttgart 2017. 64 Seiten, € 16,99