Drachenkugeln, Dämonenjäger & Serienkiller

In Leipzig läuft sich die Buchmesse 2024 und damit auch die Manga-Comic-Con, die Convention für Fans von Manga, Anime und Cosplay, warm. Diese feiert ihr 10. Jubiläum. Ein guter Anlass, um fünf arrivierte wie moderne Manga-Klassiker für Einsteiger*innen zu empfehlen.

„Dragon Ball“ – Abenteuer und Freundschaften um die magischen Drachenkugeln

Mit „Dragon Ball“ hat das Manga-Fieber in Deutschland angefangen. Es geht um Son-Goku – ein besonders starker Junge mit Affenschwanz – und seine Suche nach den sieben magischen Drachenkugeln. Dabei findet er Freunde und wird immer wieder in Abenteuer und Kämpfe verwickelt. Zum Beispiel gegen die Red-Ribbon-Armee, die Menschen versklavt und die Drachenkugeln für sich haben will. Die Serie ist so erfolgreich, dass es um den Stoff inzwischen vier Fernsehserien, 18 Kinofilme und unzählige Videospiele gibt. So eine mediale Weiterverwertung ist üblich in der Mangawelt und beflügelt die Verkaufszahlen der Bücher noch weiter.

„Naruto“ – Krachender Ninja-Spaß mit Entwicklungspotenzial

„Naruto“ hat alles, was eine Mangaserie erfolgreich macht: eine Handvoll Charaktere, mit denen sich ganz unterschiedliche Leser*innen identifizieren können, eine Coming-of-Age-Geschichte, die all die Höhen und Tiefen des Erwachsenwerdens auslotet, und vor allem viel Humor. Es geht um den Jungen Naruto, der in die örtliche Ninja-Schule geht, der beste Ninja der Welt werden will – aber von Disziplin wenig hält, sondern eher durch seine Vorliebe für nervige Streiche und Nudelsuppe auffällt. Erst durch die vielen Prüfungen, die Naruto während seiner Ausbildung auferlegt werden, und im Kampf gegen die Ränkespiele der feudalen Gesellschaft wird Naruto zuverlässig – ohne seinen Humor zu verlieren.

„Demon Slayer“ – Der große Kampf gegen die Dämonen

Einer der derzeit meistverkauften Manga in Deutschland ist „Demon Slayer“ von Koyoharu Gotouge. Es geht um den fleißigen Köhler Tanjiro Kamado, der seine Familie rächen will, die von Dämonen überfallen wurde. Der friedliche Tanjiro wird so in bittere Kämpfe verwickelt und lernt die große Welt jenseits seines kleinen Dorfes kennen. Und Menschen, die ganz anders sind als er selbst, und die mit ihm kämpfen. Auch an „Demon Slayer“ erkennt man die Muster von erfolgreichen Mangas: Tanjiro wird sich durch seine Erfahrungen zu einer starken Persönlichkeit entwickeln, und die Handlungsstränge verwebt Koyoharu Gotouge über tausende Seiten kunstvoll zu einem spannenden Stoff.

„Monster“ – Neo-Nazi-Thriller in Fachwerkromantik

Es ist die Geschichte von Neo-Nazi-Überfällen in den 90er-Jahren in Deutschland, die der Mangaka Naoki Urasawa für „Monster“ in einen spannenden Thriller packt. Auf über 2.000 Seiten erzählt er die Geschichte eines japanischen Neurochirurgen in Düsseldorf, der in Schwierigkeiten gerät, weil er das Leben eines Jungen rettet – der später zu einem mordenden Monster wird. Der Arzt wird in eine Reihe von Serienmorden und eine Verschwörung im rechtsradikalen Milieu verstrickt und muss sich immer wieder fragen lassen, ob er dafür die Verantwortung trägt, weil er den Jungen gerettet hat. Mit „Monster“ gelang Naoki Urasawa der internationale Durchbruch. Hierzulande ist „Monster“ auch wegen der japanischen Vorliebe für deutsche Fachwerk-Kulissen ein Lesevergnügen.

„Kitaro“ – Morbider Spaß mit traditionellen Dämonen

„Kitaro“ ist so lustig und morbide wie die Addams Family, aber ganz und gar von der japanischen Kultur durchdrungen. Hauptfiguren sind Yokai-Dämonen, die zum japanischen Volksglauben gehören. Im Mittelpunkt steht das Dämonenkind Kitaro, ein Enfant Terrible, das in der Menschenwelt schon mal Splatter-Orgien veranstaltet, vor allem aber schräge Abenteuer erlebt. Mit „Kitaro“ hat Shigeru Mizuki in den 1960er-Jahren die japanische Welt der Dämonen im Manga erfolgreich gemacht und die Geschichten mit so viel schwarzem Humor erzählt, dass „Kitaro“ in Japan Kultstatus hat und seit drei Jahren auch in Deutschland durchstartet.

Dieser Beitrag erschien zuerst am 20.03.2024 auf: MDR Kultur

Andrea Heinze arbeitet als Kulturjournalistin u. a. für kulturradio rbb, BR, SWR, Deutschlandfunk und MDR.