Im Kampf für künstlerische Freiheit – „George Lucas – Episode II“

Der zweite Teil der als Trilogie konzipierten Comicbiografie „George Lucas“ beleuchtet die komplizierte Produktionsgeschichte von „Das Imperium schlägt zurück“.

Auch der zweite Teil der Comicbiografie (hier die Kritik zum ersten Band) über George Lucas beginnt mit einem Unfall. Diesmal verunglückt allerdings nicht der später berühmte Regisseur und Filmproduzent als junger Mann, der noch weit entfernt ist von seinem Ruhm, sondern Mark Hamill, der Darsteller des beliebten Luke Skywalker aus „Star Wars“. Eine stumme, sehr filmisch aufgelöste Bildfolge veranschaulicht das dramatische Geschehen, bei dem Hamill im Januar 1977 noch vor dem Kinostart des Films schwere Gesichtsverletzungen erleidet und seine „engelhafte Lebendigkeit“ zu verlieren droht. Als „Star Wars“ kurz darauf zu einem überwältigenden Erfolg wird, beginnt Lucas mit den Planungen für ein Sequel. Nach den leidvollen Erfahrungen und schwierigen Kämpfen um sein erstes Großprojekt möchte er die Fortsetzung möglichst unabhängig produzieren; vor allem aber will er die Arbeit am Drehbuch, die Regie sowie andere Gewerke und Aufgaben stärker delegieren, um sich zu schonen und sein Privatleben zu schützen. Außerdem träumt er davon, mit dem Bau der „Skywalker Ranch“ ein „Refugium für Filmemacher“ jenseits von Hollywood zu gründen.

Die Graphic Novel „George Lucas – Episode II“ des Szenaristen Laurent Hopman und des Zeichners Renaud Roche erzählt in der Folge die ebenso langwierige wie abenteuerliche Produktionsgeschichte des Science Fiction-Films „Das Imperium schlägt zurück“. Während im ersten Teil der mit vielen Details informativen, teils dokumentarisch anmutenden Comic-Trilogie stärker der werdende Künstler mit seinen inneren und äußeren Konflikten im Mittelpunkt steht, geht es im zweiten Teil fast ausschließlich um die nervenaufreibende Produktion des Sequels. Dabei werden mitunter Kenntnisse des ersten Bandes vorausgesetzt, etwa in Bezug auf Figuren und Finanzierungspartner. Ein kleiner Einschub erzählt von der Zusammenarbeit mit Steven Spielberg und Laurence Kasdan am Drehbuch zu „Indiana Jones“. Während die erfahrene Autorin Leigh Brackett am Script für „Das Imperium schlägt zurück“ arbeitet und Lucas‘ früherer College-Professor Irvin Kershner sich bereit erklärt, die Regie zu übernehmen, hat Lucas „zum ersten Mal in seinem Leben das Gefühl, seine Zukunft im Griff zu haben“.

Doch wie schon der französische Originaltitel „Les guerres de Lucas – Épisode II“ anspielungsreich andeutet, wird auch die Arbeit am „Imperium“ zu einer Leidensgeschichte voller Turbulenzen, unvorhersehbarer Pannen und schmerzlicher Rückschläge. Es gibt Unglücks- und Todesfälle, die anberaumte Drehzeit verdoppelt sich durch Verzögerungen auf 29 Wochen, und das astronomische Budget beläuft sich am Ende auf 33 Millionen Dollar, was heute 127 Millionen Dollar entspricht. Erneut erlebt George Lucas den zentralen Konflikt zwischen dem ökonomischen Druck einer Großproduktion und seinem Wunsch nach künstlerischer Freiheit. Und auch diesmal gerät sein Privatleben in eine Schieflage.

Die beiden französischen Comic-Autoren begegnen dem vielfachen Ernst der Lage mit einer gewohnt luftigen Zeichnung, deren helles Schwarzweiß immer nur von wenigen, aber sehr wirksamen Farbakzenten dramatisch durchbrochen und zugespitzt wird. In den teils humorvollen Dialogen werden die Krisen, deren Bewältigung schließlich zu einem gigantischen Erfolg führen, mitunter augenzwinkernd leicht kitschig versöhnt, aber auch mit unterschwelliger Ironie behandelt; etwa wenn Lucas im Streit mit seinem Produzenten und Freund Gary Kurtz schimpft: „Deine Fantastereien sind mir egal! Ich lebe in der Realität!“

Renaud Roche (Zeichner), Laurent Hopman (Szenarist): George Lucas – Episode II • Aus dem Französischen von Anne Bergen • Splitter Verlag, Bielefeld 2026 • 208 Seiten • Hardcover • 29,80 Euro

Wolfgang Nierlin, geboren 1965. Studium der Germanistik, Philosophie und Psychologie in Heidelberg. Gedichtveröffentlichungen in den Zeitschriften metamorphosen und Van Goghs Ohr. Schreibt Film- und Literaturbesprechungen für Zeitungen (Rhein-Neckar-Zeitung, Mannheimer Morgen u. a.) sowie Fachzeitschriften (Filmbulletin, Filmgazette u. a.). Langjährige Mitarbeit im Programmrat des Heidelberger kommunalen Karlstorkinos.